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In eigener Sache: Warum man im SPIEGEL-Shop Nazi-Bücher findet - und woanders auch

Hoppla! In einem großen Artikel enthüllt ein Autor der "Süddeutschen Zeitung", dass ein Kooperationspartner des SPIEGEL-Shops Bücher von Nazi-Autoren anbietet. Hans-Ulrich Stoldt bedankt sich für diesen Hinweis - und gibt selbst einen.

Die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") ist ein grundsolides, seriöses Blatt. Niemand käme auf die Idee, ihr rechtsradikales Gedankengut zu unterstellen. "Doch manchmal braucht es nur ein, zwei Klicks, und die Vergangenheit ist wieder da", schreibt Autor Willi Winkler am Mittwoch auf der Medienseite der "SZ" - er meint indes nicht seine Zeitung, sondern den SPIEGEL.

In einer großen, dreispaltigen Geschichte ("Klick ins Schnäppchen-Reich") enthüllt Winkler, wie man auf der Seite von SPIEGEL ONLINE über zwei weitere Stationen in den SPIEGEL-Shop gelangt und von dort aus ein rechtsextremes Buch bestellen kann ("Denn der Hass stirbt..." von Leon Degrelle). Für 16.95 Euro.

Das ist in der Tat ärgerlich - dummerweise aber kaum zu vermeiden: Wie andere Verlage auch, kooperiert der SPIEGEL mit dem führenden Großbuchhändler Libri, das heißt, über den SPIEGEL-Shop hat jeder Nutzer Zugang zu dessen umfangreichem Angebot. Dass sich in dem Sortiment auch Werke von Autoren finden, deren Gesellschaft man meiden möchte, ist leider nicht zu umgehen.

So wird es gewiss auch die "Süddeutsche Zeitung" sehen. Denn wer will, gelangt von dort mit ein, zwei Klicks zum "Süddeutsche Zeitung Shop". Mal eben den Namen eingeben - und siehe, auch hier wird die "altnazistische Rechtfertigungsliteratur" (Winkler) angeboten: ("Denn der Hass stirbt..." von Leon Degrelle). Für 16.95 Euro.

Wirklich, sehr ärgerlich. Das hätte der SPIEGEL auch "SZ"-Autor Willi Winkler gesagt - der hat aber gar nicht nachgefragt, bevor er zum Schreiben kam, weil es doch so schön war, zu vermelden: "Der SPIEGEL-Verlag offeriert online Zugang zu Naziliteratur".

Und was sagt nun die "SZ" über den von ihr online offerierten Zugang zu Naziliteratur? Chefredakteur Hans Werner Kilz ist nicht ganz glücklich mit der ganzen Causa: "Da haben Autor und Ressort nicht richtig aufgepasst, und das werden wir auch richtig stellen".

Willi Winkler schreibt in der "SZ": "Die Glaubwürdigkeit des SPIEGEL wird unter diesem Link ins rechte Lager nicht leiden, es ist bloß peinlich."

Dieses Kompliment geben wir gerne zurück.

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