US-Kult-Magazin Andy Warhols legendäres "Interview" eingestellt 

Andy Warhol bekam sie alle: John Lennon, Grace Jones, Max Ernst. Sein Magazin "Interview" war fast 50 Jahre lang Kult. Nun wird es eingestellt - wegen Streit um Geld und Belästigungsvorwürfen.

Magazin-Cover von "Interview"
Getty Images

Magazin-Cover von "Interview"


Die Idee war genial: Andy Warhol selbst interviewte Stars wie John Lennon, Grace Jones oder auch Max Ernst in einem ungewöhnlichen Frage-und-Antwort-Stil und lieferte damit eine fast minutiöse Darstellung ihres Lebens.

Manchmal aber waren es auch die glamourösen Ehefrauen oder Freundinnen wohlhabender Männer, die er auf dem Cover seines Magazins platzierte. Damit lockte er potente Kundschaft in sein Studio in Manhattan. Im Jahr 1969 hatte Warhol "Interview" gegründet. Nun wird es nach fast 50 Jahren eingestellt, wieder "Guardian" unter Berufung auf Firmenkreise berichtet.

Dem Ende des Kultmagazins seien Monate der Querelen und juristische Auseinandersetzungen um ausstehende Lohnzahlungen, ausstehende Mietzahlungen und der Rückzug des Kreativdirektors, dem sexuelle Belästigung vorgeworfen worden war, vorausgegangen.

Porträt New Yorker Kultur

Der milliardenschwere Kunstsammler Peter Brant hatte die Zeitschrift 1989 gekauft. Das Ende von "Interview" kommt weniger als ein Jahr, nachdem mit "The Village Voice" ein anderes legendäres Magazin seine Printausgabe eingestellt hat.

In den ersten Jahren prägte "Interview" nahezu das künstlerische Leben New Yorks - vor allem das aus Warhols Dunstkreis rund um das legendäre "Studio 54". Es behielt seinen Kultstatus auch nach Warhols Tod 1987, verlor aber gerade mit seinen Interviews ein wenig an Bedeutung.

In Deutschland startete 2012 eine Lizenzausgabe, die seitdem sechs Mal im Jahr erscheint. Da sie juristisch und verlegerisch unabhängig ist, betrifft die Einstellung der amerikanischen Ausgabe sie nicht. Wie Herausgeber und Chefredakteur Bernd Runge mitteilte, werde das nächste Heft, die September-Ausgabe, Mitte August erscheinen. Der Künstler Tobias Rehberger und dessen Bruder, Designer Chris Rehberger, kuratierten als Co-Redakteure die Ausgabe. Diesem aus der Mode bekannten Kooperations-Prinzip würden auch alle künftigen Angaben folgen.

Hinweis der Redaktion: In einer ersten Version des Artikel hatte es geheißen, dass das Magazin nicht zu erreichen war. Inzwischen hat sich Chefredakteur Bernd Runge bei uns gemeldet.

brs

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