"Anti-Geschäftsmodell des Journalismus": Huffington wettert gegen Döpfners Kritik

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Huffington Anfang Mai in Tokio: "Sie wollen, dass wir Sie aggregieren"

Ist das Geschäftsmodell der "Huffington Post" legitim, ihre Plattform hauptsächlich mit Inhalten anderer Medien zu füllen? Nein, findet Springer-Chef Döpfner. Aber ja doch!, antwortet ihm jetzt Namensgeberin Arianna Huffington im "Handelsblatt". Ihr Portal soll im September in Deutschland starten.

Düsseldorf/Hamburg - Vielen Verlegern ist die News- und Blogging-Plattform "Huffington Post" ein Dorn im Auge. Die Inhalte der Website beruhen in großen Teilen darauf, auf Artikel anderer Medien zu verweisen und diese zu verlinken. Weil sie sich auf diese Weise der Arbeit anderer Medienmacher bediene, bezeichnete Springer-Chef Mathias Döpfner die "HuffPo", wie sie in ihrer amerikanischen Heimat genannt wird, auf der Website "gruenderszene.de" als "Anti-Geschäftsmodell des Journalismus". Jetzt wehrt sich die US-Medienmanagerin Arianna Huffington im "Handelsblatt" gegen die Schelte.

"Kritiker verstehen unser Geschäftsmodell in der Regel nicht richtig", wettert sie gegen Döpfner in einem Gespräch, das von der Zeitung in ihrer Mittwochsausgabe veröffentlicht wurde. Noch nie habe ihre Website Beschwerden darüber gehabt, dass sie sich fremder Inhalte bedient habe. "Das mögen theoretische Bedenken sein, in der Praxis kommt das nicht vor", sagte Huffington in dem zweiseitigen Interview. "Wenn Sie eine starke Geschichte haben, wollen Sie, dass wir Sie aggregieren und auf Ihre Geschichte mit einem Link verweisen. Wir verschaffen Ihnen so mehr Klicks. Und jeder Journalist will doch, dass er von so vielen Leuten wie möglich gelesen wird, oder?"

"Es gibt viele junge Deutsche, die etwas zu sagen haben"

Dieser Argumentation widersprach Döpfner zuletzt scharf. Im Interview mit dem Magazin "gruenderszene.de" pochte der Springer-Chef darauf, dass Inhalte ihren Preis hätten und Leser gerne dafür zahlen würden. Die "Huffington Post" aber widerstrebe ihm - und entspreche keinesfalls seinen Ansichten "von den Urheberrechten der Autoren und den Leistungsschutzrechten der Verlage".

Die "Huffington Post" hat allein in den USA 46 Millionen Nutzer pro Monat und damit mehr als die " New York Times". Anfang Mai hat die Namensgeberin Huffington einen weiteren Ableger in Japan eröffnet - wie schon zuvor in Kanada, Spanien, Italien, Frankreich und Großbritannien. In Deutschland startet sie im September - "auf jeden Fall noch vor der Bundestagswahl", wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Sie soll in Kooperation mit der Münchner Tomorrow Focus AG erscheinen, die zu fast 60 Prozent dem Burda-Verlag gehört. Der aber hatte die Übernahme der Marke "Huffington Post" nach SPIEGEL-Informationen zuvor für sich selbst verworfen. Man habe das Angebot "wirtschaftlich nicht stabil" rechnen können, hieß es bei Burda.

Das sieht Arianna Huffington anders. Im "Handelsblatt"-Gespräch vertritt sie die Meinung, deutsche Verlage sollten sich freuen, dass sie mit ihrer Plattform nach Deutschland komme und gibt sich optimistisch, dass auch hierzulande Blogger gerne unentgeltlich für die "HuffPo" schreiben werden: "Ich bin mir sicher, dass es viele junge Deutsche gibt, die etwas zu sagen haben."

Ob diese Rechnung wirklich aufgeht? Auch in den Vereinigten Staaten mehren sich kritische Stimmen am Geschäftsmodell à la Huffington. Denn als die Online-Zeitung für 315 Millionen Dollar von AOL gekauft wurde, gingen die Blogger des Portals leer aus. Diese hatten zuvor in einer Sammelklage argumentiert, ihnen sei unrechtmäßigerweise eine Bezahlung für ihre Arbeit verweigert worden.

Lesen Sie im neuen SPIEGEL: Piraten in Sicht - Die "Huffington Post" will zur weltweiten Medienmarke werden

bos

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insgesamt 14 Beiträge
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1.
akeley 29.05.2013
Als sozial-liberal gesinnter Mensch freue ich mich über viele Inhalte, die von der HuffPo gebracht werden. Aber man sollte dabei auch den ärgerlich hohen Anteil an pseudowissenschaftlichem Geschwafel und Desinformation nicht verschweigen, die von der HP besonders im medizinischen Bereich verbreitet werden.
2. Unseriös
caecilia_metella 29.05.2013
Jetzt weiß der Gratis-Blogger also genau, dass er nichts zu fordern hat, aber andere durch seine Arbeit viel Geld verdienen. Na ja, die Alternative ist, die Gratis-Arbeit sofort einzustellen bzw. gar nicht erst anzufangen. (Oder leben wir etwa im Kommunismus?) Von welcher Qualität solche Artikel sein können, sei dahingestellt, aber dass dadurch solide journalistische Arbeit zerstört wird, die oft mit viel Aufwand verbunden ist, das ist anzunehmen.
3. Hurra ...
spon-facebook-10000283853 29.05.2013
Zitat von sysopIst das Geschäftsmodell der "Huffington Post" legitim, ihre Plattform hauptsächlich mit Inhalten anderer Medien zu füllen? Nein, findet Springer-Chef Döpfner. Aber ja doch!, antwortet ihm jetzt Namensgeberin Arianna Huffington im "Handelsblatt". Ihr Portal soll im September in Deutschland starten. Interview im "Handelsblatt": Huffington wehrt sich gegen Döpfner - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/interview-im-handelsblatt-huffington-wehrt-sich-gegen-doepfner-a-902480.html)
Eine weitere linke "journalistische" Plattform. Als ob da ein Mangel besteht ... Aber das wäre ja alles okay ... wenn es eine Nachfrage gibt und es sich hält ... Viel schlimmer sind die Öffentlich Rechtlichen, die endlich die Zwangsgebühren abschaffen sollten - man sollte die Wahl haben, ob man ein Produkt unterstützt oder nicht.
4. Abhängig vom Medium
kraijjj 29.05.2013
Zitat von sysoppochte der Springer-Chef darauf, dass Inhalte ihren Preis hätten und Leser gerne dafür zahlen würden
aber ob das auch für "BILD-Inhalte" gilt muss erst noch bewiesen werden (wenn ich nicht irre). Zum einen ist das Print-Klientel ein ganz anderes als jenes welches sich online auf Seiten wie BILD.de verirrt, zu anderen... wenn es kostenfrei ist wühlt jeder gern mal im Schmutz, wenn ich dafür blechen muss wähle ich meine Quelle eventuell etwas überlegter. :) Ich erinnere nur an die Umfrage zu den Gutenbergs. Im Print waren sich fast alle Leser einig, das dem Karl-Theodor Unrecht getan wird. Im Onlinemedium fiel die Umfrage für Gutenberg so katastrophal aus, das BILD sie nach einem Tag von der Seite nahm bzw. versteckte.
5.
kjartan75 29.05.2013
Zitat von spon-facebook-10000283853Eine weitere linke "journalistische" Plattform. Als ob da ein Mangel besteht ... Aber das wäre ja alles okay ... wenn es eine Nachfrage gibt und es sich hält ... Viel schlimmer sind die Öffentlich Rechtlichen, die endlich die Zwangsgebühren abschaffen sollten - man sollte die Wahl haben, ob man ein Produkt unterstützt oder nicht.
Finden Sie das nicht langsam selbst etwas ermüdend und peinlich, dass Sie ständig in Ihrem plumpen "Links-Rechts"-Schema verhaftet bleiben? Nun gut, wer so eine primitive Weltsicht aus Schwarz und Weiß zum Beurteilen braucht. Aber sinnig und vor allem zielführend ist so eine Denke mitnichten.
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