Interview mit Barbara Schöneberger: "Die Leute wollen sehen, ob ich große Brüste habe"

Die TV-Moderatorin Barbara Schöneberger, 28, über ihren Aufstieg vom "klugen Luder" zur Hoffnungsträgerin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Moderatorin Schöneberger: "Jede, die sagt "Hach, ich fühle mich so reduziert", soll eben einen anderen Job machen"
WDR / Fürst-Fastré

Moderatorin Schöneberger: "Jede, die sagt "Hach, ich fühle mich so reduziert", soll eben einen anderen Job machen"

SPIEGEL ONLINE:

Frau Schöneberger, mit Ihrem neuen Format "Die Schöneberger Show" sind Sie beim altehrwürdigen ZDF gelandet, das sich durch Sie eine Verjüngung des Publikums erwartet; belastet Sie diese Erwartungshaltung?

Barbara Schöneberger: Überhaupt nicht. Das ZDF hat sich mir gegenüber auch gar nicht konkret geäußert. Man hat mir lediglich gesagt "Frau Schöneberger, am 1. 2. gehen sie auf Sendung" und war ansonsten im Großen und Ganzen einverstanden mit dem, was wir machen. Was das ZDF genau unter "Verjüngung" versteht, weiß ich nicht und es interessiert mich auch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Das Format soll auch anderen Sendern, etwa ProSieben angeboten worden sein; warum haben Sie sich gerade fürs ZDF entschieden?

Schöneberger: Von ProSieben war nie die Rede und im Prinzip war das ZDF von Anfang an unser Favorit, weil die Erfahrung lehrt, dass hier doch eine längere Laufzeit relativ sicher ist, während bei den Privaten Formate auch schon mal nach der zweiten oder dritten Folge eingestampft werden, wenn die Quote nicht stimmt. Wir haben uns Leute gewünscht, die für dieses Format brennen und sagen: "Wir wollen Euch unbedingt bei uns haben!"

SPIEGEL ONLINE: Was, glauben Sie, will der Zuschauer bei dieser Show unbedingt haben, und was erwartet ihn?

Schöneberger: Den Zuschauer erwartet gute Unterhaltung, so wie man diesen Begriff früher verstanden hat. Jedenfalls sieht man bei uns nicht, wie sich nackte Menschen gegenseitig ihre Partner ausspannen. Stattdessen habe ich in jeder Sendung einen Prominenten zu Gast...

SPIEGEL ONLINE: Und was erwartet den?

Werbe-Star Feldbusch: "Man muss als Frau im Fernsehen nicht unbedingt zum androgynen, Hosenanzug tragenden Neutrum mutieren"
AP

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Schöneberger: Unter anderem wird sein Lieblingslied für ihn gesungen. Überraschungsgäste und Freunde, mit denen der Promi nicht rechnet, kommen auch in die Show und spielen ihm dann zum Beispiel einen Sketch vor, der extra für ihn geschrieben wurde.

SPIEGEL ONLINE: Singen Sie auch?

Schöneberger: Klar, sogar das jeweilige Lieblingslied, immer zu Beginn der Show. Die Gäste sind dann wirklich geschmeichelt und manche sogar sehr berührt, weil sie spüren, dass das Ganze nicht nach Schema F abläuft, sondern ganz individuell für sie vorbereitet worden ist. Für Anke Engelke habe ich "Kiss" von Prince gesungen. Die konnte auch gar nicht fassen, dass Olli Dittrich und Bastian Pastewka da waren. "Ihr habt doch gesagt, dass ihr in London seid", hat sie nur noch gestammelt. Das führt dann im Vorfeld auch schon mal zu komischen Situationen. Anke und ihre Gäste sind unabhängig von einander zur gleichen Zeit gelandet und Olli und Bastian mussten sich dann schnell aufs Klo flüchten, damit sie nicht von ihr entdeckt werden.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie einen Wunschgast?

Schöneberger: Ich habe alle meine Wunschgäste bekommen. Wir hatten zwar Gottschalk, Schmidt und Jauch noch nicht, aber für die erste Staffel sind die Comedy-lastigen Stars, wie eben Anke Engelke, Bully, Karl Dall, Hella von Sinnen oder Wigald Boning zu Gast. Das sind doch alles Menschen, die eine schöne, skurrile Show garantieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie erklären Sie sich Ihre zuletzt rasante Karriere vom privaten Münchner Ballungsraumsender TV München über das Nachtprogramm des WDR bis hin zum öffentlich-rechtlichen ZDF?

Schöneberger: "Blondes Gift" ist nicht nur in München gelaufen, sondern bei fast allen Ballungsraum-Sendern.. Ich glaube, mit diesem Format habe ich einfach etwas gemacht, was sich zu diesem Zeitpunkt noch kein anderer getraut hat.

SPIEGEL ONLINE: Weil es sich auch nicht jeder leisten kann...

"Blondes Gift!"-Star Schöneberger: "Ich weiß schon, was geht, und was nicht"
DDP

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Schöneberger: Natürlich kann sich zum Beispiel eine Susan Atwell im Kino-Magazin auf ProSieben nicht so gebärden, wie ich das getan habe, weil sie dort um 22.15 Uhr ganz andere Vorgaben hat, als ich bei einem kleinen Sender wie TV München. Da konnte ich mit Dingen an den Start gehen, die noch komplett unausgegoren waren. Der Zuschauer weiß es aber zu schätzen, wenn einmal nicht alles Hochglanz ist.

SPIEGEL ONLINE: Das ZDF dürfte allerdings schon viel Wert auf Perfektion legen.

Schöneberger: Ja sicher, aber in einer anderen Form. In einem großen Studio mit 200 Studiogästen kann man bestimmte Dinge, die in einem 18 Quadratmeter großen Raum ohne Gäste funktioniert haben, nicht mehr machen, weil sie dann einfach auch nicht mehr lustig sind. Da muss man sich umstellen, das heißt aber nicht, dass ständig jemand hinter mir steht und mich davon abhält, das schlimme Wort zu sagen.

SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie schlimme Worte?

Schöneberger: (lacht) Nein, natürlich nicht. Das Schlimmste ist noch po...

SPIEGEL ONLINE: ...ppen?

Schöneberger: Genau. Trotzdem ist es natürlich nicht so, dass sich das ZDF mit mir einen zweiten Nils Ruf eingekauft hat und nun ständig befürchten muss, dass ich die Zuschauer beleidige oder ins Studio kotze. Ich weiß schon, was geht, und was nicht und ich bin nun mal wie ich bin.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie denn? Große Klappe, viel dahinter?

Schöneberger: Schwer, so etwas über sich selbst zu sagen. Ich weiß nicht, wie viel noch hinter dieser großen Klappe stecken könnte, wenn ich noch mehr Bücher lesen und noch häufiger ins Museum gehen würde. Ich glaube, der größte Unterschied zu vielen anderen Prominenten, die ich kenne, ist, dass ich noch nicht so verkrampft bin. Bei manchen sehe ich schon diesen stieren Blick, wenn die über ihren Job sprechen.

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DPA

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SPIEGEL ONLINE: Sie haben diesen stieren Blick noch nicht.

Schöneberger: Ich habe mir nie etwas vorgenommen wie "Ich will jetzt das und das machen", ich bin nämlich extrem bequem und faul. Wenn mir eine Türe geöffnet wurde, bin ich einfach in den Raum eingetreten, habe mich umgesehen und bin dann durch die nächste Tür gegangen. Ich habe keinen Bock, mich auf jeder Party neben die richtigen Leute zu stellen und zu sagen: "Ich würde gerne mal mit Ihnen zusammen arbeiten". Da beiße ich mir doch lieber die Zunge ab!

SPIEGEL ONLINE: Das war auch zum Glück bis jetzt nicht nötig, schließlich hat die Presse Sie gerade wegen Ihrer spitzen Zunge wahlweise als "Geheimtipp der Branche mit dem Tele-Gen" oder als "kluges Luder" bezeichnet; finden Sie sich da wieder?

Schöneberger: Unbedingt, finde ich super. "Luder" hat ja heute eine etwas andere Bedeutung als in den fünfziger Jahren. Man muss als Frau im Fernsehen nicht unbedingt zum androgynen, Hosenanzug tragenden "Ich bin eine intellektuelle Journalistin"-Neutrum mutieren, nur damit man nicht ständig auf den Körper reduziert wird. Ich bin eine Frau und das sieht man auch. Wenn es sich ergibt, rede ich darüber, wenn nicht, dann eben nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wer im Internet unter Ihrem Namen sucht, der stößt auch auf die Seite luder.info; da finden Sie sich unter den üblichen Verdächtigen, von Verona Feldbusch über Ariane Sommer bis zu Ramona Drews; die öffentliche Wahrnehmung sieht Sie also eher in diesem Umfeld...

Schöneberger: Sicherlich sieht ein Teil der Menschen mich in diesem Umfeld, genauso wird es aber auch Leute geben, die Sabine Christiansen auf der Seite fussfetischist.de sehen. Das sind eben Dinge, die man nicht im Griff hat. Es geht nun mal auch darum, wer welchen Körper hat und wer welches Outfit trägt und da sehe ich mich lieber neben Verona Feldbusch, als vielleicht neben Angela Merkel oder Claudia Roth. Trotzdem glaube ich kaum, dass jemand ernsthaft Vergleiche anstrebt zwischen Ramona Drews und mir.

SPIEGEL ONLINE: Es stört Sie also nicht, dass Sie immer auch im Zusammenhang mit Erotik charakterisiert werden?

Hoffnungsträgerin Schöneberger: "Was das ZDF genau unter "Verjüngung" versteht, weiß ich nicht"
DDP

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Schöneberger: Nein, wer möchte denn nicht gerne auf dem Titelbild von "FHM" oder "Maxim" sein mit retuschiertem Oberkörper und länger gezogenen Beinen und so aussehen, dass Menschen stehen bleiben und sagen "Toll, wie geil die aussieht!" Mich stört einfach die Haltung "Männer machen derbe Witze, Frauen sehen gut aus". Wenn sich das dann bei der Frau noch verbindet mit einem Studium, dann gibt es einen derartigen Aufschrei, dass ich mich wirklich wundere, wie man im dritten Jahrtausend noch solche Maßstäbe anlegen kann.

SPIEGEL ONLINE: Wäre es aber nicht beinahe schon wieder revolutionär, wenn eine schöne, junge Frau zur Abwechslung mal ohne diesen Erotikfaktor versucht, beim Publikum zu punkten?

Schöneberger: Ich glaube nicht, dass das funktioniert. Oder man bewegt sich in einem Umfeld, das eher den politischen Journalistinnen zuzurechnen ist. Da, wo ich bin, im Entertainment, da zählt eben "Wie sieht sie aus, was hat sie an!" genauso wie "Was sagt sie?" Denn die Leute schauen fern und hören nicht Radio. Die wollen sehen, ob ich große Brüste habe oder nicht. Das sind die Dinge, die die Menschen interessieren. Und jeder, der sich im Fernsehen bewegt, ist auch mehr oder weniger exhibitionistisch veranlagt. Das gehört zum Job und macht auch Spaß. Jede, die sagt "Hach, ich fühle mich so reduziert", die soll eben einen anderen Job machen.

SPIEGEL ONLINE: Demnach fühlen Sie sich also richtig verstanden von den Medien?

Schöneberger: Mal mehr, mal weniger. Die Leute unterstellen mir auch immer, dass ich gar nicht so bin, wie auf dem Bildschirm. Doch, ich bin genauso, wie man mich im Fernsehen und in den Zeitschriften sieht. Und das ist auch gut so.

SPIEGEL ONLINE: Neben Harald Schmidt soll auch Sandra Maischberger ein Vorbild für Sie sein, und die setzt ihre Brüste nicht ein.

Schöneberger: Ja, die ist aber auch 15 Jahre älter als ich, hat aber früher im Bayerischen Rundfunk auch eine Sendung über weibliche Sexualität gemacht. Ich bin ja auch keine Sandra Maischberger, ich finde nur toll, was und wie sie es macht. Trotzdem will ich nicht aussehen wie sie, oder auch nur "Strenesse"-Hosen anziehen müssen. Sandra Maischberger macht investigativen Journalismus, ich dagegen Live Entertainment mit Anke Engelke oder Bully. Wie soll man das vergleichen? Das ist doch eine ganz andere Liga.

SPIEGEL ONLINE: Also sehen Sie sich als Role Model eines neuen Moderatorinnentyps, der jetzt hoch geschlitzt und tief dekolletiert die Showtreppe herunterschreitet...

Schöneberger: Nein, überhaupt nicht. Ich ziehe einfach das an, was ich gerade im Kleiderschrank habe. Und wenn ich nichts habe, dann ziehe ich eben zum sechsten Mal meinen weißen Hosenanzug von "Zara" an. Und dann mache ich, was ich an dem Tag gerade in der Lage bin zu leisten.

SPIEGEL ONLINE: Sie scheinen mit sich ja sehr im Reinen zu sein.

Schöneberger: Extrem sogar, mir macht Spaß, was ich mache, und die Medien gehen sehr wohlwollend mit mir um. Ich weiß natürlich nicht, ob das so bleibt, wenn meine Show mit einer schlechten Quote starten sollte. Und ich bin mir sicher, dass die Mechanismen des Fernsehens dann ganz grausam und destruktiv sein können.

SPIEGEL ONLINE: Genau, denn in der Regel wird derjenige, der so schnell zum Star gemacht wird, auch ähnlich rasant demontiert. Haben Sie davor Angst?

Schöneberger: Ich sehe mich eigentlich nicht als Shooting Star, schließlich moderiere ich schon seit vier Jahren.

SPIEGEL ONLINE: Aber nicht mit der heutigen Medienpräsenz.

Schöneberger: Trotzdem habe ich eine solide Grundlage und habe schon moderiert, Comedy und Schauspiel gemacht. Angst habe ich also nicht. Aber wer weiß, vielleicht ist das auch nur die Ruhe vor dem Sturm.

Das Interview führte Andreas Kötter

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