Interview mit Dennis Hopper "Für mich war immer alles schwierig"

Nach einer Ausstellung im Amsterdamer Stedelijk Museum ist Dennis Hopper, 65, derzeit mit Gemälden, Fotografien und Installationen im Wiener MAK zu sehen. Mit SPIEGEL ONLINE spricht der Schauspieler und Regisseur über Tipps von James Dean, innere Unruhe und die Vor- und Nachteile von Drogen.


"So viel Aufruhr in mir": Dennis Hopper am 29. Mai bei der Eröffnung seiner Ausstellung in Wien.
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"So viel Aufruhr in mir": Dennis Hopper am 29. Mai bei der Eröffnung seiner Ausstellung in Wien.

SPIEGEL ONLINE:

Herr Hopper, bis vor kurzem kannte man sie hauptsächlich als Schauspieler und Regisseur, nicht als Künstler und Fotograf. Nun widmet Ihnen das Wiener Museum für angewandte Kunst gleich eine ganze Retrospektive. Wie fühlen Sie sich?

Dennis Hopper: Ich bin darauf sehr stolz. Cézanne hatte zeitlebens keine Retrospektive, ich habe eine. Van Gogh hat zu Lebzeiten kein einziges Bild verkauft - ich immerhin schon eins.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehr hat Ihre Filmstar-Prominenz Ihnen dabei geholfen, Ihre Gemälde, Fotografien und Objekte auszustellen?

Hopper: Ich habe keinen Zweifel, dass diese Ausstellung zustande kam, weil ich Schauspieler, nicht weil ich Maler bin. Ich hoffe aber, dass ich mich mit dem Anspruch durchbeißen kann, ein Künstler zu sein. Ich möchte den Leuten klarmachen, dass ich mich als Künstler fühle, weil ich als solcher angefangen habe.

SPIEGEL ONLINE: Stimmt es, dass James Dean, mit dem Sie "Denn sie wissen nicht, was sie tun" und "Giganten" drehten, Sie einst auf die Idee brachte, zu fotografieren?

Hopper: Nein, ich habe schon vorher fotografiert, aber er schlug vor, die Bilder nicht zu beschneiden. Er sagte: Lerne, deine Fotos innerhalb des gegebenen Rahmens zu komponieren, denn wenn du eines Tages Regisseur werden möchtest, wirst du den Bildausschnitt auch nicht mehr nachträglich bearbeiten können.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben die Geburtsstunde der Pop Art in den Sechzigern fotografisch festgehalten. Haben Sie es eigentlich je bereut, die Kreise Warhols und Lichtensteins verlassen zu haben, um zum Film zu gehen?

Hopper: Nein, ich bin sehr glücklich, beim Film zu sein. Und es erscheint mir übrigens auch logisch, dass ein Schauspieler malen will. Beides ist ein sehr sensibler, kreativer Akt, es geht um das Spiel mit den Sinnen und dem Versuch, seine Gefühle auszudrücken. Wo liegt der Unterschied, ob man das auf einer Bühne oder auf einer Leinwand tut?

"Ich möchte den Leute klarmachen, dass ich mich als Künstler fühle": Hopper vor einem seiner Werke
AP

"Ich möchte den Leute klarmachen, dass ich mich als Künstler fühle": Hopper vor einem seiner Werke

SPIEGEL ONLINE: In Hollywood haben Sie sich mit Gefühlsausbrüchen eine vielversprechende Filmkarriere verscherzt, die an der Seite James Deans begann und auf Hollywoods Schwarzer Liste der unbequemen Regisseure endete.

Hopper: Ich habe Hollywood verzweifelt bekämpft, weil ich kreative Freiheit wollte. Aber ich war nicht in der Position eines James Dean, eines Marlon Brando oder eines Montgomery Clift. Ich war ein Junge, der diese Leute verehrte und mit ihnen arbeitete, aber ich war kein Star. Ein Star konnte sich viel mehr leisten als einer wie ich, der kleine Rollen spielte und einfach nur versuchte, die Dinge auf seine eigene Weise zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Kunstbusiness in dieser Hinsicht ein einfacheres Gelände für Sie?

Hopper: Nein. Für mich war immer alles schwierig. Wahrscheinlich, weil ich so viel Aufruhr in mir habe.

SPIEGEL ONLINE: Sind Ihre vielfachen künstlerischen Umtriebe ein Ausdruck dieser kreativen Unruhe, oder steckt auch Unsicherheit dahinter?

Hopper: Ich nenne es zwanghafte Kreativität. Ich gehe mit offenen Augen und Ohren durchs Leben und entdecke überall etwas. Ich war nie ein großer Leser, ich habe immer eher versucht, eigene Erfahrungen zu machen, als darüber zu lesen.

SPIEGEL ONLINE: Erfahrungen haben Sie vor allem mit Drogen und Alkohol gemacht. Nach üblen Abstürzen sind Sie nun seit Jahren clean. Welchen Einfluss hatte das auf Ihre Arbeit?

Hopper: Ich will Drogen nicht bewerben - ich habe seit 18 Jahren keinen Alkohol und keine harten Drogen angerührt -, aber es gibt einen Moment, an dem sie einen befreien können. Nur arbeiten bei einer obsessiven Persönlichkeit wie mir diese Dinge schnell gegen einen. Ich wurde zum Alkoholiker und Junkie und habe mich nur noch damit beschäftigt, mehr Kokain und Alkohol zu kriegen. Sehr unproduktiv. Drogen können die Türen der Wahrnehmung öffnen, wie Aldous Huxley es formuliert hat. Doch eine Tür zu öffnen, ist eine Sache, sie offen zu halten, die nächste.

SPIEGEL ONLINE: Ist also der Titel Ihrer Ausstellung, "A System Of Moments", eine adäquate Überschrift über Ihr Leben?

Hopper: Ich glaube schon.

SPIEGEL ONLINE: Was kommt im nächsten Moment?

Hopper: Ich werde einen Mafiafilm namens "Night Job" drehen, mit Val Kilmer und wahrscheinlich Johnny Depp in den Hauptrollen. Und eine Doku über die Obdachlosen in Venice Beach.

Dennis Hopper: "A System Of Moments". Museum für angewandte Kunst, Wien, 30. Mai bis 7. Oktober 2001



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