Märchenfotograf Schulz Schneewittchen und die sieben Berater

Ein Rocker als Rumpelstilzchen, eine Rapunzel am Pool, Schneewittchen umringt von Consultants - für seine Fotoserie "Fairy Tales and Fashion" hat Andy Schulz Märchen neu inszeniert, in knalligen Farben, mit betörenden Models.

Andy Schulz

Ein Interview von


Andy Schulz, geboren 1968, lebt und arbeitet als Fotograf in München. Nach seiner Fotografenausbildung in London war er für Film und Werbung im Einsatz und realisiert seit etwa zehn Jahren eigene Ideen. Fabelwesen und Superhelden, Liebe und Sehnsucht sind die zentralen Themen seiner Arbeit.

SPIEGEL ONLINE: Herr Schulz, Sie inszenieren Models als Märchenfiguren. Ein Mann in Gummistiefeln als gestiefelter Kater, hübsche Frauen in knapper Kleidung als Schneewittchen. Alles sehr bunt und plakativ. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Schulz: Die Tochter meiner Nachbarin hatte mir mal ein Märchenbuch geschenkt. Da schaute ich rein und ließ mich inspirieren.

SPIEGEL ONLINE: Was fasziniert Sie denn an den Märchen?

Schulz: Dass sie neue Wege aufzeigen können. Mit ihnen kann man Menschen Hoffnung machen: Irgendwann können sich auch ausweglose Situationen zum Guten wenden. Außerdem sind sie gerade jetzt sehr zeitgemäß, das hat vielleicht mit der Unsicherheit der Menschen zu tun. Mit den Geschichten kann man das Gute und das Böse, aber auch Machtverhältnisse gut veranschaulichen.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Schulz: Schneewittchens sieben Zwerge sind bei mir sieben Unternehmensberater. Rapunzel sehe ich als eine selbstbewusste Frau, die über dem Mann steht, ihn nach unten drückt - so wie eine Regierung ihre Hand aufs Volk hält.

SPIEGEL ONLINE: Warum wollten Sie Märchen auf diese spezielle Art neu inszenieren?

Schulz: Weil ich sie so den Menschen nahebringen kann. Am Anfang war ich mir gar nicht sicher, ob das gut ankommt, ob das läuft. Es gab ja auch viele, die mich kritisiert haben. Sie sagten, ich mache Kitsch. Die Farben seien viel zu grell, die Inszenierung zu übertrieben. Aber ich habe weitergemacht, weil ich dran geglaubt habe. Und weil ich gute Unterstützer hatte.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie vorgegangen, um zu Ihren Motivideen zu kommen?

Schulz: Ich habe mir einen Satz aus einem Märchen unterstrichen. Einen sehr auffälligen. Natürlich nicht so etwas wie "XY schlug auf einen Riesen ein, bis er im Blut lag und tot war". Wie sollte man das umsetzen? Ich habe mir schöne, prägnante Sätze ausgesucht.

SPIEGEL ONLINE: Verraten Sie doch mal einen.

Schulz: "Übermorgen hole ich der Königin ihr Kind." Bei mir ist das Rumpelstilzchen dann ein zorniger Rocker, der eine Frau auf dem Motorrad mitnimmt. Welches Märchen hinter welchem Bild steckt, das erschließt sich aber bei mir nicht immer gleich von selbst. Da können die Betrachter ein bisschen raten.

SPIEGEL ONLINE: Was sind Ihre Lieblingsmärchen?

Schulz: "Der gestiefelte Kater" und "Das tapfere Schneiderlein".

SPIEGEL ONLINE: Und warum?

Schulz: Der gestiefelte Kater ist eine Figur, die ich vielleicht auch gern sein würde - eine Figur, die mit der Obrigkeit Schabernack treibt und in die Welt zieht, um ihr Glück zu suchen. Ich glaube, bei mir war das auch so.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Ihr Glück denn gefunden?

Schulz: Auf jeden Fall. Ich habe mit 30 beschlossen, Fotograf zu werden. Damals war ich irgendwie noch nicht so richtig angekommen im Leben. Ich habe zur Untermiete in München am Viktualienmarkt gewohnt. Ich wusste zwar schon, dass ich Künstler werden wollte. Aber nicht, wie.

SPIEGEL ONLINE: Wie ging es dann mit Ihnen weiter?

Schulz: Ich habe einfach angefangen. Der Anfang als Fotograf war sehr schwer, ich habe Blut, Schweiß und Tränen lassen müssen. Ich hatte kaum Geld und musste mich manchmal fragen, kaufe ich jetzt Spaghetti oder kaufe ich einen Film für die Kamera. Doch man muss an sich glauben und weitermachen. Durch die Märchenbilder und meine inszenierte Fotografie bin ich bekannt geworden.

SPIEGEL ONLINE: Was hat Ihnen das gebracht?

Schulz: Jetzt kann ich viel leichter Projekte realisieren. Die Menschen lassen mich auf Schrottplätzen oder in alten Casinos fotografieren - nur weil ich mir eine gewisse Berühmtheit erarbeitet habe. Früher hätte mich bestimmt niemand an diesen Orten arbeiten lassen.

SPIEGEL ONLINE: Fast wie im Märchen.

Schulz: Märchen haben meist ein Happy End. Sie strahlen so viel Magie aus. Das vergessen wir als Erwachsene manchmal.

Das Interview wurde geführt für das Fotoportal seenby.de

Homepage des Fotografen



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
blowup 03.01.2014
1. Daneben
"soll verkörpern" - das ist eigentlich schon eine recht treffende Zusammenfassung. Auch wenn die Idee, Märchen nei umzusetzen durchaus ihren Charme hat - die Umsetzung ist doch daneben.
runzel 03.01.2014
2. ---
Von der Ästethik der Bilder mal abgesehen: WTF? "Der Gestiefelte Kater" - ein Mann der aus einem Auto aussteigt? Na ja, wenn der Mann meint, er hat jetzt Märchen neu "inszeniert" und seine Kunden es gefällt...Mir egal.
neu_ab 03.01.2014
3.
Sorry, aber diese Art der gestellten Fotografie gibt mir rein gar nichts. Street, Landschaft, Portrait, alles ok, aber bitte nichts Gekünsteltes.
achnee! 03.01.2014
4. Gewollt und nicht gekonnt
Wenn "Fotograf Schulz sagt, Märchen könnten neue Wege aufzeigen und dazu auffordern, loszugehen. Mit ihnen könne man Menschen Hoffnung machen", gebe ich ihm uneingeschränkt recht. Das Einzige was dabei stört, sind seine Fotos - Fotos der Sorte "Gewollt und nicht gekonnt".
el-gato-lopez 03.01.2014
5. Langweilig
Zitat von sysopAndy SchulzEin Rocker als Rumpelstilzchen, eine Rapunzel am Pool, Schneewittchen umringt von Consultants - für seine Fotoserie "Fairy Tales and Fashion" hat Andy Schulz Märchen neu inszeniert, in knalligen Farben, mit betörenden Models. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/interview-mit-fotograf-andy-schulz-ueber-maerchen-a-935738.html
Äusserst langweilige und mithin angestaubt wirkende Standardkompositionen wie man sie in jedem Fashionmagazin schon anno 1985 fand und mit denen der "Künstler" wohl durch jeden Kursus an einer ernsthaften Kunsthochschule plumpsen würde.
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