Interview mit Frank Plasberg: "Jeder Moderator ist eitel"

Für seinen Polit-Talk "Hart aber fair" wurde er mit Preisen überhäuft, Harald Schmidt empfahl ihm, das dreifache Gehalt zu fordern: Moderator Frank Plasberg ist die Galionsfigur eines anspruchsvollen Fernsehjournalismus. Mit SPIEGEL ONLINE sprach er über Wahrheitsliebe, Eitelkeit und das Zusammenspiel von Qualität und Quote.

Moderator und Journalist Plasberg: Gäste maximal fordern
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Moderator und Journalist Plasberg: Gäste maximal fordern

Spiegel Online:

Herr Plasberg, erst der Deutsche-Fernseh-, dann der Grimme- und nun auch noch der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis. Womit haben Sie das verdient?

Plasberg: Meine journalistischen Fähigkeiten reichen leider nicht aus, um auf die Schnelle zusammenzufassen, was sich drei verschiedene Jurys ausgedacht haben. Ich habe versucht, das an Körperteilen fest zu machen. Der "Deutsche Fernsehpreis" vor zwei Jahren war fürs Herz und hat uns damals auf die bundesweite Bühne geholt. Danach war klar, dass "Hart, aber fair" neben Christiansen und Illner die dritte Größe ist. Der "Grimme-Preis" ist etwas für den Kopf, weil sich viele kluge Menschen wochenlang durch Kassetten wühlen, und der "Ha-Jo-Friedrichs-Preis" ist eindeutig für die Seele. Wenn man einen Preis bekommt, der den Namen dieses Sachwalters journalistischen Ethos trägt, dann berührt das Seele.

Spiegel Online: Die dritte Größe neben Christiansen und Illner: Was macht Ihr Format denn so hochwertig?

Plasberg: Zum Beispiel unsere Mehrwert-Teile, die kleinen Einspielfilme, die meine Fragen wie mit einem Turbolader aufladen und schärfer machen. Ich kann per Touchscreen selbst entscheiden, wann etwas eingespielt wird, das ist für den Moderator eines Polit-Talks einzigartig im deutschen Fernsehen. Nur die bloße Möglichkeit, dass ich einen Film starten könnte, schärft schon die Wahrheitsliebe mancher Gesprächspartner.

Spiegel Online: Klingt ziemlich eitel.

Plasberg: Jeder Moderator ist eitel, wer das Gegenteil behauptet, der lügt. Die Frage ist nur, was man in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt. Wenn man wie Michel Friedman Gäste und Fragen zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit nutzt, dann ist das ein krasses Missverhältnis. Wenn diese Eitelkeit einen aber dazu treibt, überhaupt erst einmal den Mut aufzubringen, sich jede Woche 90 Minuten lang fünf Gästen zu stellen, die in ihrem Fach alle besser sind, als man selbst, dann ist das in Ordnung.

Spiegel Online: Gegen die Gefahr der Kumpelei mit Ihren Gästen sind Sie also gefeit?

Plasberg: Ein wenig Sorge habe ich schon, dass ich Teil des Betriebes werde. Dagegen arbeite ich aber an, etwa indem ich in Köln wohnen bleibe, obwohl wir häufig aus Berlin senden. Diese Distanz zum Politikbetrieb halte ich für unbedingt erforderlich. Ich habe mit meiner Frau die Vereinbarung getroffen, dass ich aus dem Studio geschleift werde, wenn ich je eine Frage stellen sollte, wie "Sagen Sie mal Herr Eichel, was machen wir denn nun gegen das Finanzloch?"

Spiegel Online: Man hat Sie mal den "Dranbleiber" genannt. Wo liegt die Grenze zwischen Dranbleiben auf der einen und Vorführen auf der anderen Seite?

Plasberg: Der Grat ist sehr, sehr schmal und diese Gratwanderung ist mir auch nicht immer gelungen. Vor allem früher, als Moderator der "Aktuellen Stunde", habe ich manchmal viel zu früh nachgehakt und den Gästen gar nicht die Chance gegeben, vernünftig zu antworten. Die Grenze zum Vorführen ist schnell überschritten, wenn jemand sowieso schon angezählt ist. Heute weiß ich, dass man einem Gesprächspartner auch mal durch die Körpersprache zu verstehen geben muss: Der Punkt ging jetzt an dich.

Spiegel Online: Sie gelten als wenig zimperlich im Umgang mit Spitzenpolitikern. Keine Angst vor Absagen der wirklich interessanten Leute?

Plasberg: Gerade war Franz Müntefering bei uns, nicht bei Illner oder Christiansen. Der hatte also offensichtlich trotz der wenig komfortablen Situation der SPD keine Angst. Von denen, die Angst haben, werden Sie es nie erfahren, denn da heißt es in aller Regel "ein ganz wichtiger Termin, unverschiebbar". Allerdings hat sich in der Szene der Medienberater auch herum gesprochen, dass gute Leute bei uns auch dann gut aussehen, wenn man sie maximal fordert.

Spiegel Online: Der Dranbleiber Plasberg ist letztlich nur der Promoter der Polit-Schützlinge eifriger Medienberater?

Plasberg: Natürlich merken wir, dass es in Wahlkampfzeiten leichter ist Leute zu bekommen. Da kann man natürlich seine Schlüsse ziehen.

Spiegel Online: Harald Schmidt hat Ihnen trotz Ihres großen Erfolges geraten, beim WDR zu bleiben und nicht ins Erste zu wechseln.

Plasberg: Und er hat mir geraten, dort das dreifache Gehalt von Christiansen zu fordern. Das ist schon komisch: Man sitzt im Wohnzimmer, schaut Harald Schmidt und dann so was. Dreimal hat Schmidt sich jetzt so geäußert. Ein Kollege hat ihn kürzlich gefragt, wie er dazu kommt. Er hat gesagt, dass er die Sendung und mich toll findet - und das wiederum finde ich ganz schön toll.

Spiegel Online: Warum den ARD-Kollegen nicht ein bisschen Konkurrenz machen?

Plasberg: Da, wo wir sind, sind wir glücklich. Der WDR ist europaweit zu empfangen und uns ist es gelungen, eine Sendung aus einem Regional-Programm zu einem bundesweiten Player zu machen. Schön wäre es, wenn ein weiteres Regionalprogramm zeitgleich einsteigen würde. Das würde der Sendung noch mehr Gewicht geben. Ich denke zum Beispiel an den NDR.

Spiegel Online: Wäre ein 90-minütiges Polit-Format in der ARD-Primetime überhaupt vorstellbar? Schließlich sollen die Polit-Magazine gekürzt werden.

Moderator Schmidt: Gehaltsforderung empfohlen
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Moderator Schmidt: Gehaltsforderung empfohlen

Plasberg: In der Tat übersteigt das meine Vorstellungskraft, dennoch reden immer alle davon. Ich würde mich aber wohl kaum wehren, wenn es zu einem öffentlich-rechtlichen Kraftakt käme und man bei der ARD ein Format, das in selten gelungener Mischung aus Zuschauerzuspruch, sprich Quote, und Renommee, sprich Preise, im Ersten lancieren würde. Dazu kann man nicht "nein" sagen, aber es gäbe Bedingungen - nicht die von Harald Schmidt - aber doch einen Sendeplatz, der ein Massenpublikum erreicht.

Spiegel Online: Ein Massenpublikum erreichen Sie aber am besten bei den Privaten.

Plasberg: Marc Conrad wollte so etwas bei RTL machen, aber die Ära Conrad ist ja bereits Geschichte. Und ehrlich gesagt, könnte ich mir nicht vorstellen, an einer besonders spannenden Stelle zu sagen "Bleiben Sie bei uns, wir setzen den Spannungsbogen nach den Produktinformationen fort". Aber ich bin auch kein Sektierer und bekäme keine Allergie, wenn auf dem "Hart, aber fair"-Bild das RTL- oder Sat.1-Logo zu sehen wäre. Die Frage ist nur, ob es nicht ein durch und durch öffentlich-rechtlicher Auftrag ist, den wir auf wundersam kommerzielle Weise erfüllen, indem wir - Quote und Anspruch, Quote und Bohrtiefe miteinander versöhnen. Quote und Grimme-Preis schließen sich nicht aus, und diese Erkenntnis hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen verdient.

Das Interview führte Andreas Kötter


"Hart aber fair": Die nächste Sendung läuft am 6. April, 20.15 Uhr, WDR.

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