Interview mit Schäfer-Gümbel: "Koch ist mit seiner Hinterzimmer-Mauschelei aufgeflogen"

"Das ist eine Grenzüberschreitung": Hessens SPD-Chef Schäfer-Gümbel übt im SPIEGEL-ONLINE-Interview scharfe Kritik an Roland Koch. Der Ministerpräsident hatte die Vertragsverlängerung von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender in Frage gestellt.

SPIEGEL ONLINE: Roland Koch hat ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender offen kritisiert, er wirft ihm vor, für Quoteneinbußen des Senders verantwortlich zu sein. Wie schätzen Sie die Äußerungen ein?

Thorsten Schäfer-Gümbel: Koch tritt offenkundig die Flucht nach vorne an, weil er mit seinen Hinterzimmer-Mauscheleien aufgeflogen ist. Seine öffentlichen Angriffe auf Brender und den Intendanten Markus Schächter schaden dem ZDF.

SPIEGEL ONLINE: Was genau werfen Sie Koch vor?

Schäfer-Gümbel: Er stellt die Staatsferne des Senders in Frage und versucht unmittelbar Einfluss auf die Personalpolitik zu nehmen. Das ist dreist, das ZDF ist schließlich kein Parteisender.

SPIEGEL ONLINE: Aber dass Landesregierungen Einfluss auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen nehmen, ist ja nicht neu. Hat Koch nicht einfach zugegeben, was ohnehin alle machen?

Schäfer-Gümbel: Nein. Dieser unmittelbare Eingriff ist eine Grenzüberschreitung. Das passt zu seinem bekanntermaßen rigiden Umgang mit Journalisten, bei unliebsamer Berichterstattung lässt er sofort intervenieren.

Das Interview führte Christian Teevs

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Forum - ZDF-Streit um Brender - Unabhängigkeit in Gefahr?
insgesamt 1469 Beiträge
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1.
Stramonium 20.02.2009
Zitat von sysopWie gefährdet ist die journalistische Unabhängigkeit?
Es gab sie noch nie.
2.
Rainer Daeschler 20.02.2009
Früher vermied man es in der Politik etwas öffentlich zu tun, was einem den Vorwurf der Einflussnahme auf die Presse einbringen könnte. Heute betrachtet man die als Vorrecht, die es in den entsprechenden Gremien auszuüben gilt.
3.
Strobl09 20.02.2009
Naja mit demokratischen Grundprinzipien hat die Union es noch nie so genau gehalten.
4.
markus-poppen-blox 20.02.2009
da kommt wieder die bösartige intrigante machenschaften des herrn koch raus. wenn ich mir so anschaue, wie z.b. auch bei uns hier gewisse posten mit cdu nahen personen (z.b. beliebte gastwirtschaften) besetzt werden. das gab´s doch früher auch schon so ähnlich.
5. Parteinahme in den Medien
Hubert Rudnick 20.02.2009
Zitat von sysopDie unionsnahe Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat will den Vertrag von Chefredakteur Brender nicht verlängern - jetzt begehren prominente Journalisten des Senders gegen die politische Beeinflussung auf. Wie gefährdet ist die journalistische Unabhängigkeit?
---------------------------------------------- Die Parteinahme in den Medien ist nichts neues, es wurde schon immer praktiziert und bei ein igen Journalisten, und Verantwortlichen ist es besonders deutsch zu merken. Allerdings wurde das ZDF auch als ein Gegenstück zur ARD gegründet, damit man die Politik der CDU propagandieren konnte. Es wird mal Zeit, dass in den Chefetagen ein neuer journalistischer Wind weht und die Küngellei mit den Politikern aufhört, es stinkt schon zum Himmel. Aber es ist nicht nur beim ZDF so, auch bei der ARD sollten sich mal die Verantwortlichen überlegen, wie man die journalistischen Aufgaben wieder gerecht werden kann. Hubert Rudnick
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