Iran Ahmadinedschad schließt interkulturelles Zentrum

Auch wenn das Internationale Zentrum für den Dialog der Zivlisationen in Teheran bereits 2005 seine Arbeit weitgehend eingestellt hatte: Die Abwicklung der Institution gilt als Hinweis, welche ideologischen Grabenkämpfe vor der Parlamentswahl in Iran bevorstehen.


Teheran - Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat zum Jahreswechsel ein Institut geschlossen, das den Austausch der Kulturen fördern sollte. Das Internationale Zentrum für den Dialog der Zivilisationen wurde 1999 vom damaligen reformorientierten Präsidenten Mohammed Chatami gegründet. Das Institut sollte offiziell ein Gegengewicht schaffen zu der vor allem in den USA einflussreichen Theorie vom "Kampf der Kulturen", die auf das gleichnamige, 1996 erschienene Buch von Samuel Huntington zurückgeht.

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler vertritt darin die These, dass nicht mehr Konfrontation von Nationalstaaten wie im 19. Jahrhundert oder Konflikte zwischen ideologischen Systemen wie im 20. Jahrhundert das 21. Jahrhundert bestimmen werden, sondern der Zusammenprall von Kulturkreisen und ihren religiösen Wertvortstellungen.

Ahmadinedschad gab am vergangenen Sonntag ein Dekret heraus, wonach das Institut in einem neu gegründeten Nationalen Zentrum für Globalisierungsstudien aufgeht. Das Institut hatte seine Arbeit bereits nach dem Amtsantritt von Ahmadinedschad im Jahr 2005 weitgehend eingestellt.

Die jetzt verfügte Schließung gilt als Signal an die Reformer um Chatami, der sich nach langem Schweigen kürzlich kritisch über die Regierung Ahmadinedschads geäußert hat. Der 64-Jährige war von 1997 bis 2005 iranischer Staatschef und führt nun eine Koalition der reformerischen Fraktionen an, die Ahmadinedschad bei der Parlamentswahl am 14. März herausfordern will.

dan/AP



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