Island-Fotografin Ollertz: "Überirdisch"

Fjord rauf, Fjord runter: Die Fotografin Heike Ollertz reiste für einen Bildband mehrere Monate durch Island. Was sie suchte? Ein etwas anderes Bild der Insel. Was sie fand? Einen Eisfriedhof. Surreale Spuren von Menschen. Aluminiumwerke. Und den Ursprung der Welt.

Unwirkliches Island: Kraftwerke im Polarlicht Fotos
Heike Ollertz

Frage: Frau Ollertz, Island ist schon so oft fotografiert worden, man meint es ganz genau zu kennen. Was hat Sie am meisten überrascht?

Heike Ollertz: Der Geruch. Ich kannte natürlich viele Islandbilder und wusste, dass es auf den Geothermalfeldern dampft und brodelt, aber dieser Schwefelgeruch hat mich fast umgehauen. Und natürlich riecht es auch nach Fisch. "Der Duft des Goldes", sagen die Isländer, weil sie jahrzehntelang vom Fischfang gelebt haben. Abgesehen von den Gerüchen haben mich die Naturgewalten manchmal ziemlich überrascht.

Frage: Inwiefern?

Ollertz: Ich war zum ersten Mal im Winter dort und bin in einer Nacht zusammen mit zwei erfahrenen Kollegen raus, um Aurora Borealis, die Polarlichter, zu fotografieren. Es war so stürmisch, dass ich nicht mal mein Stativ aufklappen konnte. Einer der Kollegen hat mir dann einen Gummizug geschenkt. Damit konnte ich mit meinem Körpergewicht das Stativ am Boden fixieren, sonst hätte ich kein einziges scharfes Bild hingekriegt.

Frage: Wie hat die Technik die Kälte überstanden?

Ollertz: Ich fotografiere analog im klassischen Landschaftsformat sechs mal neun Zentimeter mit einer Alpa 12, die ist zum Glück nicht ein Mal eingefroren. Aber mein Kollege Edgar Herbst und ich sind gleich in der ersten Woche mit dem Auto aus der Kurve geflogen.

Frage: Hoffentlich ist nichts passiert.

Ollertz: Nein, wir blieben unverletzt. Es gab Blitzeis, und das Auto fuhr nur noch geradeaus. Ein Rescue Team hat uns aufgelesen. Danach haben wir alle Warnungen sehr ernst genommen.

Frage: Wie sind Sie fotografisch damit umgegangen, dass es schon so viele Islandbilder gibt?

Ollertz: Wir haben vorher gescherzt, dass einem die Motive da ja nur so zufliegen: Wer es da nicht kann, kann es gar nicht. Vor Ort sieht alles unglaublich toll aus, aber es fotografiert sich eben auch nicht von allein. Man muss sich fragen: Was ist so faszinierend daran? Ich war insgesamt dreieinhalb Monate dort, bin 9000 Kilometer gefahren, Fjord rauf, Fjord runter, ein Mal um die Insel, um es zu erspüren.

Frage: Und? Was war es?

Ollertz: Ich bin natürlich auch zu den Hauptsehenswürdigkeiten gefahren, den Geysiren, den bekanntesten Wasserfällen. Aber mich haben mehr die einfachen Sachen an der Straße interessiert. Ich wollte die Urgewalt der Landschaft zeigen, aber auch die Spuren menschlichen Lebens darin. Es kommt einem dort ja wie am Ursprung der Welt vor. Es ist wie eine Zeitmaschine. Auf einem Moosfeld kann man sehen, wie die Kontinentalplatten auseinanderdriften, und auf den Geothermalgebieten dampft es wie aus dem Erdkern heraus.

Frage: Und dann tauchen auf Ihren Bildern wie aus dem Nebel diese surrealen Geothermalanlagen auf.

Ollertz: Ja. Faszinierend, in der endlosen Landschaft diese futuristischen Industrieanlagen, die Aluminiumwerke und Pipelines zu sehen. Das hat etwas Surreales, aber auch Trauriges, weil es ein krasser Eingriff in die Natur ist. Das wollte ich auch zeigen.

Frage: Unter Nordlichtern, bei Sonnenaufgang, in den Weißen Nächten - die Eislagune Jokulsarlon im Südosten der Insel haben Sie in vielen Stimmungen fotografiert. Warum?

Ollertz: Einerseits sieht es aus wie von einem Eiskünstler an den schwarzen Strand hingehämmert, fast unwirklich schön. Andererseits ist der Ort so eine Art Eisfriedhof. Eis, das Jahrhunderte alt ist, kalbt vom Gletscher herab, wird dorthin geschwemmt und wird kleiner und kleiner. In Stunden nur wird dieses uralte Eis zu Wasser. Das Meer holt es sich zurück. Das ist sehr berührend. Und die Nordlichter dort wollte ich unbedingt fotografieren.

Frage: Eine Herausforderung?

Ollertz: Viel Recherche, Abwarten und Ausprobieren. Am besten ist die Zeit zwischen Oktober und April, im Sommer ist es zu hell. Es sollte ein Ort ohne Umgebungslichter sein und eine klare Nacht. Am besten bei Vollmond, da gibt es noch Restlicht. Ich habe am Anfang zu lange belichtet, die Nordlichter wurden zu unklar. Unter space.com kann man sehen, wie stark der Aufprall der geladenen Teilchen des Solarwinds, aus denen die Polarlichter entstehen, auf die Erdatmosphäre war. Ab Stärke fünf kann man sich auf die Socken machen.

Frage: Und das alles mit Ihrer schweren Kamera. Wäre es nicht leichter, digital zu fotografieren?

Ollertz: Für mich gibt es kein Adäquat zum Format sechs mal neun mit Weitwinkelobjektiv. Diese Tiefe bekommt man nur analog hin. Und nur acht Negative auf einem Film zwingen auch zur Konzentration. Vor allem bei den ständigen Wetterwechseln.

Frage: Reizt Sie nicht die Möglichkeit, die Aufnahmen leicht zu bearbeiten?

Ollertz: In Island muss man nichts reindrehen. Sie brauchen keine Farbregler und auch keine Himmelsfilter. Es wirkt schon so überirdisch, da braucht es keine Bildbearbeitung.

Frage: Abgesehen von den Industrieanlagen - wie gehen die Isländer mit der überirdisch schönen Natur um?

Ollertz: Die Sagas, die tradierten Geschichten, sind eng mit der Landschaft verknüpft, genau wie der Glauben an Elfen und Trolle. Island ist durch die Fangquoten vom Fischer- und Bauernstaat ins Atomzeitalter katapultiert worden. Bis vor 50 Jahren waren Teile der Insel monatelang von der Außenwelt abgeschnitten. Da hat man sich Geschichten erzählt, die leben immer noch weiter.

Frage: Kommt daher auch die Gelassenheit gegenüber Naturgewalten wie etwa beim Ausbruch des Eyjafjallajökull vor zwei Jahren?

Ollertz: Die Isländer leben mit diesen extremen Wetterbedingungen, es ist in ihnen drin. Sie sind ein unglaublich positives und zufriedenes Volk. Katastrophen passieren, aber sie lassen sich überwinden, so lautet das Credo. Im vergangenen Jahr wollte ich mit einem Rescue Team hoch auf den Vulkan. Nach vier Stunden sind wir durchgeschüttelt oben angekommen mit einem Fahrzeug, das wie ein Panzer war. Oben warnte einer von ihnen, die Erde sei extrem heiß. Kaum hatte er es gesagt, waren die Sohlen seiner Wanderschuhe geschmolzen. Und auf der Erde haben sie dann Hot Dogs gebraten.

Frage: Sie arbeiten seit Jahren als freie Fotografin. Haben sich die Bedingungen verschärft?

Ollertz: Früher hat man mit einer Mittelformatausrüstung für 20.000 Mark dreissig Jahre lang gearbeitet. Heute kostet die digitale Alternativpaket rund 40.000 Euro. Außerdem muss das Equipment in viel kürzeren Abständen auf- und nachgerüstet werden - die Honorare werden jedoch weiter gekürzt. Für den Island-Bildband hatten wir viel Zeit und Unterstützung. Aber die Bedingungen in der Branche insgesamt sind nicht gut.

Das Interview führte Daniela Zinser für das Fotoportal seen.by


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Dort finden Sie Arbeiten von Profis und Amateuren.Weitere Bilder von Heike Ollertz finden Sie auf der Webseite der Fotografin: www.heike-ollertz.de

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insgesamt 11 Beiträge
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1. fotos
solowjew 21.12.2012
sorry,aber solche fotos hat man schon ziemlich satt,nichts neues gibts zu hunderten von jedem besseren fototouristen
2. Schöne Fotos...
sgritheall 21.12.2012
...aber warum um Himmels Willen ist immer von der Ring Road die Rede? Die Sprache Islands ist meines Wissens nicht Amerikanisch, oder?
3. Wieder Knipserfotos
tucku 21.12.2012
Ja, Island hat etwas....Landschaften die ihresgleichen suchen, wenn man die allgemeinen Spots wegläßt. Es gibt viele Fotocommunitys mit unglaublich schönen und interessanten Bildern, die gezeigten gehören nur zum Teil dazu. Wer in einigen Monaten nicht mehr zustande bekommt, hat Island nicht gesehen. Die Farben sind wenig ausgeprägt z.B. beim Polarlicht, und zudem rauscht es stark, recht unproffesionell und vom Land sieht man man wenig, dafür von Häusern und Stadt zuviel. Fazit....durchschnittlich!
4. Schade....
user_tha 21.12.2012
....leider die altbekannten Klischeefotos. Als Fotograf hätte ich wohl eher versucht, das Leben auf Island einzufangen: Menschen in Hot Pots (den warmen Pools, oft schön gelegen), Island-Ponys, dazu die Wetter-Kontraste: gleicher Ort, jeweils im Abstand von einer Viertelstunde fotografiert. Denn so schnell ändert sich das Wetter, sagen die Isländer. Und das stimmt oft auch.
5. Überirdisch?
neuer23 21.12.2012
Was an diesen Fotos und auch dem Text überirdisch sein soll, ist mir schleierhaft. Es bedient mal wieder alle Klischees (Elfen und Trolle, Fisch- und Schwefelgeruch) den man über Island so haben kann. Anscheinend ist Frau Ollertz nicht wirklich aus den ausgetretenen Pfaden herausgekommen. Und anscheinend ist sie mit einer typisch mitteleuropäischen Art an das Projekt herangegangen, das zeigt sich schon in der Äußerung, das sie nach ihrem Unfall die Warnungen ernst genommen habe.
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Zur Person
  • Walker Brooks
    Heike Ollertz, geboren 1967 in Duisburg, lebt in Hamburg, wo sie auch aufgewachsen ist. Sie arbeitet als freie Fotografin für Reisereportagen und Porträts für Magazine wie "Mare", "Geo" und für Buch- und Musikverlage. Sie ist Meisterschülerin der Universität der Künste Berlin und leitete mehrere Jahre den Fachbereich Fotodesign an der Berufsfachschule für Gestaltung, Lette-Verein, Berlin, wo sie auch ihre Ausbildung zur Fotografin absolvierte. Für "Mare" fotografierte sie den Bildband "Irland" und gemeinsam mit Edgar Herbst den Band "Island". Während Heike Ollertz sich auf die Landschaft konzentrierte, porträtierte Edgar Herbst das Leben der Isländer.

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