Israel-Debatte "Je schuldiger die Juden, desto unschuldiger die Deutschen"

Darf man als Deutscher Israel kritisieren? Und ab wann ist solche Kritik antisemitisch? Die SPIEGEL-Reporter Erich Follath und Henryk M. Broder haben sich per E-Mail-Wechsel eines heiklen deutschen Themas angenommen - als Freunde, was sie nicht daran hindert, vom Dialog zum Angriff überzugehen.

Konfrontation: Israelischer Soldat und palästinensischer Demonstrant nahe Ramallah
AP

Konfrontation: Israelischer Soldat und palästinensischer Demonstrant nahe Ramallah


Alles begann mit einem SPIEGEL-ONLINE-Kommentar, den Autor Erich Follath über den "rassistischen" israelischen Außenminister Avigdor Lieberman schrieb - mit Worten der Kritik, die er dem deutschen Außenminister in den Mund legte. Es gab heftige Reaktionen, unter anderem vom SPIEGEL-Kollegen Henryk M. Broder. Dann folgte ein Essay Follaths über Irans Präsident Mahmud Ahmedinedschad und Israels Premier Benjamin Netanjahu, die er - ohne sie moralisch gleichzusetzen - "Zwillinge im Geiste" nannte, "beide gefangen in der Absolutheit ihres Anspruchs, beide besessen von einer messianischen Mission". Wieder antwortete Broder sehr kritisch auf seiner Website "Achse des Guten". Follath schickte dem Kollegen daraufhin eine Mail - und eröffnete so einen Briefwechsel, der ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmt war, aus dem die beiden Kontrahenten dem SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE aber Auszüge zur Verfügung stellten.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 339 Beiträge
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Seite 1
KurtFolkert 03.12.2009
1. Kein..
..sehr gehaltvoller Artikel. Ich denke, wir wissen alle, wie man mir dem Thema umzugehen hat. Ich, als 24-jähriger und nur zu 50% deutscher Herkunft, sehe mich im Bezug auf das Schwerpunktkapitel des 20. Jahrhunderts nicht belastet, damit ist dieser Teil abgeschlossen und nur noch ein paar daraus zu ziehenden Lehren verbunden. Israel ist aber jetzt im Augenblick daran, Geschichte zu schreiben. Jedenfalls mehr, als das eigene Land, daher spielt es auch eine nurmehr großere Rolle. Und mal ehrlich, es gibt andere Dinge, welche wesentlich viel mehr Aufmerksamkeit bedürfen - Weltweit! Jedoch haben wir eine ganze Reihe von Opis, die eben noch zu tief in der Sache drinstecken und somit dieses, wer-darf-was und wer-hat-wieviel-Schuld-Chaos am Leben erhalten..
frubi 03.12.2009
2. .
Zitat von sysopDarf man als Deutscher Israel kritisieren? Und ab wann ist solche Kritik antisemitisch? Die SPIEGEL-Reporter Erich Follath und Henryk M. Broder haben sich per E-Mail-Wechsel eines heiklen deutschen Themas angenommen - als Freunde, was sie nicht daran hindert, vom Dialog zum Angriff überzugehen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,664960,00.html
Ich habe den Briefwechsel in der Printausgabe vom Montag noch nicht ganz durch aber was ich bisher gelesen habe geht mir persönlich mal wieder deutlich zu weit. Es ist ein Genuss den beiden Herrschaften in der rhetorischen Schlacht zuzusehen aber einige Ansichten des Herrn Broders über die Rolle Deutschlands in dieser ganzen Diskussion halte ich für deutlich überzogen. Das ganze nervt nur noch. Meine Generation hat es sooo satt sich diesen Schuh anzuziehen. Ich habe kein Schuldbewusstsein gegenüber den Juden. Mein ganzer Freundeskreis und mein sonstiges Umfeld hat dies ebenfalls nicht. Wir sehen das jüdische Volk und die Anhänger des jüdischen Glaubens als ganz normale Mitglieder der Gesellschaft. Das einzige was uns negativ auffällt (im Bezug auf Juden) ist die Tatsache, dass manche Leute als Antisemiten gebrandmarkt werden die gar keine antijüdische Haltung haben. Da schwingt der Zentralrat mal wieder mit seiner Moralkeule und diffamiert Kritiker. Ich setze mich gerne mit der deutschen Vergangenheit auseinander und habe mich sehr oft mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigt. Aber ich bin 23 und habe auch familiär nachweislich keinen Bezug zu Kriegsverbrechern oder Nazischergen und ich lasse mir den Täterstempel durch niemanden auf der Welt anheften und Ja, ich kritisiere Israel für einige Dinge die Sie tun. Genauso kann Israel Deutschland für Dinge kritisieren. Das halte ich für ganz Normal und es wäre schlimm, wenn dies nicht mehr möglich wäre.
Rübezahl 03.12.2009
3. Darf man Israel kritisieren?
Selbstverständlich darf man als sogenannter nachgeborener Deutscher, Israrel kritisieren ! Man sollte dabei aber die Deutsche Geschichte im Hinterkopf haben. Und die Kretik muss auf Augenhöhe stattfinden, ohne dem kann es keine echte Freundschaft zu Israel geben.
sam clemens, 03.12.2009
4. ego
Mir gehts ähnlich wie frubi. Eine besondere Verantwortung sehe ich, eine persönliche Schuld empfinde ich nicht. Aber ich halte es für pervers, ein Verbrechen mit Verweis auf andere zu relativieren - das hat schon bei Nolte genervt und in Bezug auf Israel und Hamas usw. ist das nicht anders. Ich weiß auch nicht, wo hier neue Sichtweisen sind - Broder streichelt wie immer nur sein Ego. Meiner Meinung auch eine Art Perversion. Das, was Grosser in der letzten FAS zum Thema gesagt hat, war erheblich lehrreicher, vernünftiger und - sehr angenehm - auch kürzer gefasst.
hanneshpl 03.12.2009
5. Je schuldiger die Juden desto unschuldiger die Deutschen
Das scheint mir das größte Problem zu sein. Die rechten Rattenfänger warten nur auf den nächsten toten Palestinenser, um jüdische Schuld mit deutschem Genozid aufzurechnen. Und weil das nicht zu stoppen ist, sollte die "deutsche Stimme" schweigen, wenn die Weltgemeinschaft Israel an seine Verantwortung in der Weltgemeinde erinnert.
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