Italienische Wirtschaftszeitung Ermittlungen gegen "Il Sole 24 Ore"

Die Führung der italienische Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" soll ihre Zahlen geschönt und verfälscht haben. Die Journalisten streiken, und der Chefredakteur erklärt seinen Rücktritt.

Chefredakteur Roberto Napoletano
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Chefredakteur Roberto Napoletano


Italiens bekannteste Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" steht im Verdacht, bei ihrer Auflage betrogen und falsche Zahlen veröffentlicht zu haben. Am Freitag durchsuchte die italienische Finanzpolizei die Verlagsgebäude in Mailand. Italienische Medien berichten, dass gegen den Chefredakteur Roberto Napoletano und neun ehemalige Manager ermittelt werde.

Die Vorwürfe drehen sich vor allem um den Verkauf von digitalen Exemplaren der Zeitung. "Il Sole 24 Ore" behauptete im März 2016 mehr als 226.000 digitale Exemplare verkauft zu haben, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Italienische Medien berichten nun, dass mindestens 100.000 dieser Abonnements erfunden gewesen sein sollen. Auch bei der gedruckten Auflage soll gelogen worden sein. Von 165.000 Exemplaren, die sich die Zeitung im März zugeschrieben hatte, soll ein Teil direkt ins Altpapier gewandert sein.

Die Redaktion der Zeitung ist in Reaktion auf die Vorwürfe in einen Streik eingetreten - bis der Chefredakteur gehe, werde keine Zeitung erscheinen, hieß es. Jetzt hat Napoletano beim Verlag seinen Rücktritt eingereicht. Die Journalisten wollen jedoch weiter streiken, bis die Situation der Zeitung geklärt sei. Für den Nachmittag ist eine außerordentliche Sitzung des Verwaltungsrats geplant, um festzustellen, wie es mit der Zeitung weitergeht, finanziell und inhaltlich.

"Il Sole 24 Ore" braucht eine Rekapitalisierung. Das Unternehmen ist seit 2007 an der Börse notiert. Die meisten Anteile hält die Confindustria, der Arbeitgeberverband Italiens. Seit dem Börsenstart soll die Zeitung jedoch über 90 Prozent ihres Aktienwerts verloren haben. Die Verluste für 2016 liegen laut Verlag bei 49 Millionen Euro.

gia



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