Italien Modemacher Trussardi gestorben

Der italienische Modemacher Nicola Trussardi erlag am Mittwoch abend in einer Mailänder Klinik den schweren Kopfverletzungen, die er bei einem Autounfall erlitten hatte. Regierungschef Massimo D'Alema und zahlreiche italienische Designer kondulierten.


Das Unglücksauto
AP

Das Unglücksauto

Mailand/Stuttgart - Der 56jährige starb am Mittwoch abend, keine zwei Tage nach seinem schweren Verkehrsunfall. Knapp zwei Jahre nach der Ermordung seines Landsmannes Gianni Versace löste der neuerliche Trauerfall in Italien und der internationalen Modeszene Bestürzung aus. Der italienische Ministerpräsident Massimo D'Alema übermittelte von Brüssel aus der Familie Trussardi sein Mitgefühl. "Er war ein Genius", sagte ein italienischer Fernsehmoderator am Donnerstag tief bewegt.

Mit schweren Kopfverletzungen war Trussardi in der Nacht zum Dienstag in eine Klinik gebracht worden, trotz einer zweistündigen Operation erlangte er jedoch nicht mehr das Bewußtsein. Er hinterläßt eine Frau und vier Kinder. Als sein möglicher Nachfolger wird der älteste Sohn Francesco (25) genannt. Trussardi soll im engsten Familienkreis in seiner norditalienischen Heimatstadt Bergamo beigesetzt werden. "Die Mode trägt Trauer", titelte die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera".

Nicola Trussardi
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Nicola Trussardi

Der Modemacher war in der Nacht zum Dienstag in Mailand verunglückt. Zeitungsberichten zufolge war er nicht angeschnallt, die Airbags in seinem Mercedes öffneten sich nicht. Angeblich gibt es keine Bremsspuren. Dies deute darauf hin, daß Trussardi am Steuer entweder einen Schwächeanfall erlitt oder eingeschlafen ist. Unfallzeugen gebe es nicht. Die Daimler-Chrysler AG ist nach eigenen Angaben bisher nicht in die Unfallermittlungen eingeschaltet worden. "Wir haben überhaupt keine offiziellen Informationen zu dem Unfall", sagte ein Sprecher am Donnerstag in Stuttgart. Das Unternehmen sei deshalb bisher auch nicht tätig geworden.

"Er war einer der Großen des made in Italy", würdigten ihn führende italienische Modemacher. Trussardi sei auf dem Gipfel seiner Aktivität, mitten in seiner unermüdlichen Dynamik aus dem Leben gerissen worden, sagte Star-Designer Gianfranco Ferre. Die Modeschöpferin Laura Biagiotti nannte Trussardi einen "wichtigen Kollegen und großartigen Freund". Mit "genialen Ideen" habe er der italienischen Mode international Anerkennung verschafft, vor allem in Osteuropa. "Mit ihm verlieren wir einen Pionier."

Der Tod Trussardis ist ein weiterer Schlag für die italienische Mode in einem "Jahrzehnt der Tragödien", wie es heißt. 1990 starb Enrico Coveri, der mit Männerjacken in schreienden Farben und buntbeschrifteten T-Shirts Furore machte. Ende 1993 starb mit 40 Jahren der Designer Raniero Gattinoni, ein Jahr später Franco Moschino im Alter von 44 Jahren. Er erfand den "Look der Exzesse", aber auch Öko-Outfits. Am 27. März 1995 wurde der Modeunternehmer Maurizio Gucci in Mailand erschossen, im Juli 1997 Gianni Versace. Er war ein Freund Trussardis.

Die "Trussardi-Story" begann 1910 mit einer Handschuhfabrik in Bergamo. Bereits Dante Trussardi, der Großvater, wurde mit seinen feinen Lederwaren über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Nicola Trussardi trat im Alter von 28 Jahren sein Erbe an. 1973 stellte das Modehaus seine erste Accessoires-Linie vor, 1991 die erste Haute Couture-Kollektion. Der Trussardi-Look gilt als klassisch, aber innovativ, das Markenzeichen ist ein Windhund. Im vergangenen Jahr belief sich der Umsatz des Hauses auf 850 Millionen Mark. Vor allem Lederwaren mit dem Markenzeichen des Windhundes eroberten den Weltmarkt. Doch Trussardi entwarf auch Fahrräder und die Innenausstattung von Autos und Flugzeugen. Zu seiner Fangemeinde gehören Prominente wie Niki Lauda und Björn Borg. Auch der frühere US-Präsident Ronald Reagan soll seine eleganten Jacken getragen haben. "Unternehmer des Luxus" wurde er genannt. 1994 spielte Trussardi in dem Kinofilm "Pret-a-porter" sich selbst.



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