"Schmähgesicht" Bloggerin versteigert Böhmermann-Porträt

Eine Bloggerin im Sauerland entdeckt Jan Böhmermann in Acryl - und überzeugt die Malerin, das Bild zugunsten verfolgter türkischer Künstler, Journalisten und Akademiker zu versteigern.

Bloggerin Jenni Gröhlich mit "Schmähgesicht"
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Bloggerin Jenni Gröhlich mit "Schmähgesicht"


Milde lächelnd schaut Jan Böhmermann den Betrachter mit blauen Augen an. Böhmermann in Acryl auf Leinwand, ein mal 1,20 Meter. Gemalt hat das Porträt Corinna Häußler, 42, aus Menden im Sauerland vor zwei Jahren.

Böhmermann war zu der Zeit in den Schlagzeilen, weil er in seiner Satiresendung auf ZDFneo mit einem Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, das "Schmähkritik" hieß, die Grenzen von Satire thematisieren wollte. Das rief eine Krise zwischen Deutschland und der Türkei hervor. Erdogan verklagte Böhmermann, und Anhänger des türkischen Politikers bedrohten den deutschen Fernsehmann, der daraufhin für einige Zeit von der Bildfläche verschwand.

"Es war mir deshalb ein Bedürfnis, Böhmermann zu malen", sagt Häußler, die im Hauptberuf als Mediadesignerin arbeitet. Sie suchte nach Fotos als Vorlagen im Internet und machte sich an die Arbeit. Dem Bild gab sie, in Anlehnung an Böhmermanns "Schmähkritik", den Titel "Schmähgesicht".

Politbloggerin Jenni Gröhlich, ebenfalls aus Menden, entdeckte das Porträt in einer Galerie in ihrer Heimatstadt - und schlug Häußler vor, dieses Bild zugunsten verfolgter türkischer Intellektueller zu versteigern. Häußler willigte ein. Auch Böhmermann gab auf Nachfrage seine Zustimmung.

Nun soll es am 15. Februar bei Ebay for Charity versteigert werden. Zehn Tage lang können Interessenten für das Kunstwerk bieten. Der Erlös gehe gänzlich an den vom "Kulturforum Türkei-Deutschland" und "Lit.Cologne" gegründeten "Rechtshilfe-Fonds für verfolgte Künstler, Journalisten und Akademiker in und aus der Türkei", sagt Gröhlich. Unterstützer sind unter anderem Oliver Welke, Thomas Gottschalk, Can Dündar und Navid Kermani.

"Die meisten Inhaftierten brauchen leider viel Geld für Anwälte", sagt Gröhlich, die 1965 in Deutschland geboren wurde und sich selbst "eines der ersten türkischen Gastarbeiterkinder" nennt. "Und die wenigsten haben finanzstarke Verlage oder Institutionen hinter sich, die sie unterstützen können." Seit dem Putschversuch im Juli 2016 wurden in der Türkei Tausende Kritiker Erdogans unter Terrorverdacht ins Gefängnis geworfen, Zigtausende Staatsbedienstete haben ihre Arbeit verloren.

Der Rechtsstreit zwischen Böhmermann und Erdogan ist indes noch nicht abgeschlossen. Das Landgericht Hamburg hat in Vorinstanz entschieden, dass Böhmermann die "ehrverletzenden" Verse nicht wiederholen darf. Andernfalls drohe ihm ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro oder Ordnungshaft. Beide Seiten haben Berufung dagegen eingelegt. Die zivilrechtliche Auseinandersetzung wird Ende Februar vor dem Oberlandesgericht Hamburg fortgesetzt.

Böhmermann hat angekündigt, notfalls bis vor das Bundesverfassungsgericht und den Bundesgerichtshof zu gehen.

kaz



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