Sarkozy vs. Hollande Orale Liebesspiele im Karikaturenstreit

Der Sohn des Ex-Präsidenten entdeckt sein Zeichentalent, mokiert sich über Vaters Amtsnachfolger und strebt einem linken Comiczeichner nach - was diesen wiederum erbost: In Frankreich herrscht Aufregung um ein paar Strichzeichnungen.


Paris/Hamburg - Der Präsident hält den neuen Premierminister in den Händen wie Leonardo DiCaprio seine Kollegin Kate Winslet in "Titanic": So karikiert der zweitälteste Sohn des französischen Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy die Beziehung zwischen François Hollande und Manuel Valls. Statt "Ich bin die Königin der Welt" ruft der frisch als Retter der sozialistischen Regierung installierte Valls allerdings: "Ich bin der Ministerpräsident von Frankreich!"

Okay, es gab schon inspiriertere Bilderwitze als die von Jean Sarkozy, der als Vizepräsident des Generalrats des Departements Hauts-du-Seine für sozioökonomische Fragen zuständig ist. Aber seine Facebook- und Parteifreunde von der konservativen UMP amüsierten sich schon seit längerem über die Zeichnungen des 27-Jährigen. Einer von ihnen, der Nationalratsabgeordnete Thierry Solère, zeigte nun die Sarkozy-Karikaturen via Twitter einem breiteren Publikum - "mit der Erlaubnis von Jean" - und trat damit einen aufsehenerregenden Karikaturen-Disput los.

"Immerhin besser als die Gemälde von George W. Bush", kommentierte ein Parteifreund den etwas eckigen Strich, mit dem Jean Sarkozy den Amtsnachfolger seines Vaters auf die Schippe nimmt. Der jüngere Sarkozy nannte gegenüber "Le Monde" denn auch ein anderes Vorbild für seine Karikaturen. "Meine Frau war während des [Kommunal-]Wahlkampfs gefesselt von den amüsanten Zeichnungen von Joann Sfar auf Instagram", sagte Jean Sarkozy: "Das hat mich herausgefordert."

"Hey, langsam, meine Frau liest mit"

Dieses Statement forderte nun wiederum Joann Sfar heraus, einen der bekanntesten französischen Comiczeichner der Gegenwart. Sfar, der sich von der anderen politischen Seite her über Hollandes Installation des Parteirechten Valls zum Premier mokiert hatte, zeichnet ein schockiertes Selbstporträt mit der Sprechblase "Wenn Jean Sarkozy meine Zeichnungen mag, bin ich dann ein Rechter?" Während der Amtszeit von Nicolas Sarkozy wurde dem Präsidenten wiederholt Günstlingswirtschaft zugunsten seines Sohns vorgeworfen.

Die Thematik der ungewollten Freunde führt Joann Sfar noch weiter mit einem gezeichneten Anruf bei der Front-National-Anführerin Marine Le Pen: "Entschuldigen Sie die Störung, ich wollte mich nur vergewissern, dass Sie keine Kinder haben in einem Alter, in dem ihnen meine Karikaturen gefallen könnten."

In einer furiosen Serie zeigt Joann Sfar, der in Deutschland vor allem für seinen biografischen Film über Serge Gainsbourg bekannt sein dürfte, dann auf Instagram einen verliebten Jean Sarkozy, der ihm nicht von der Seite weichen will - und zum Comicfestival von Angoulême mitkommen mag.

Als Sfar sich allerdings im oralen Liebesspiel mit dem Ex-Präsidenten-Sohn zeichnet, fühlt sich Jean Sarkozy genötigt, einzuschreiten: "Hey, vorsichtig, Joann", schreibt er ins Kommentarfeld: "Ich will dich daran erinnern, dass meine Frau dir bei Instagram folgt."

Dabei hatte Sarkozy in einer eigenen Zeichnung Joann Sfar schon als zukünftigen Kulturminister vor sich gesehen.

feb

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