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Kunstfund: Jewish Claims Conference darf an Gurlitt-Task-Force teilnehmen

Münchner Kunstschatz: Die Spitze der Taskforce Fotos
DPA

An der Expertenrunde, welche die Herkunft der Kunstwerke aus dem Gurlitt-Fund aufklären soll, dürfen sich jetzt auch zwei Vertreter der Jewish Claims Conference beteiligen. Ihr Vertreter Rüdiger Mahlo hatte in der vergangenen Woche darauf gedrängt.

Hamburg/ Frankfurt am Main - Zehn Fachleute werden die Herkunft der Werke aus dem Schwabinger Kunstfund beleuchten. Forscher aus dem In- und Ausland sollen an der Task-Force mitwirken, ein Staatsanwalt - und zwei Experten der Jewish Claims Conference (JCC).

Mit dieser Entscheidung bekommt Rüdiger Mahlo nun doch, was er in der vergangenen Woche forderte. Der Vertreter der JCC in Frankfurt am Main drängte darauf, dass Experten der Organisation Teil der Gurlitt-Task-Force würden. "Die Claims Conference vertritt seit mehr als sechs Jahrzehnten die Interessen der jüdischen NS-Verfolgten in allen Fragen der Entschädigung und Restitution", hatte Mahlo in der vergangenen Woche gesagt. "Selbstredend gehört eine Vertretung der jüdischen Opfer in eine solche Kommission."

Die Expertenrunde unter wissenschaftlicher Leitung des Diplom-Kunsthistorikers Uwe Hartmann soll klären, woher die Kunstwerke aus dem Münchner Kunstfund stammen. Gut eineinhalb Jahre lang hatten die Behörden, allen voran die Augsburger Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen und die spektakuläre Entdeckung aus dem Frühjahr 2012 geheim gehalten. International war das Vorgehen heftig kritisiert worden, vor allem im Interesse der von den Nazis enteigneten Eigentümer und ihren Erben.

Der bayerische Justizminister Winfried Bausback (CSU) bekräftigte unterdessen den Wunsch der Staatsregierung nach einem baldigen Kontakt zu Cornelius Gurlitt. "Es ist wichtig, dass sobald wie möglich ein Gespräch zustande kommt", sagte Bausback. Wer dieses Gespräch führe, sei jedoch nicht so wichtig. "Es kommt nicht darauf an, wer mit Herrn Gurlitt redet, sondern dass mit ihm geredet wird."

International sorgte der Umgang der deutschen Behörden mit dem Münchner Kunstfund für Befremden - nun soll nach dem Willen der Bundesregierung rasch geklärt werden, welche Werke als NS-Raubkunst zu werten sind. Man sei sich absolut bewusst, dass der Fall große Aufmerksamkeit erregt habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Wir bemühen uns, dieser Verantwortung gerecht zu werden." Klarheit soll insbesondere die Lost-Art-Datenbank bringen, auf der mögliche NS-Raubkunstwerke veröffentlicht werden.

kha/dpa

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insgesamt 70 Beiträge
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1. Warum auch immer
axlban 18.11.2013
Taucht irgendwo in Deutschland ein Bild auf ist es sofort Raubkunst. Lasst doch die Experten den Fall untersuchen! Ich bin mir sicher, die JCC wird bald ohne wirkliche Fakten zu nennen alles was einem Juden gehört hatte für sich reklamieren. Aber auch Juden sind normale Mensch die ab und an ein Bild verkaufen! Leider wurde hier dem Druck internationaler Hysterie nachgegeben!
2. optional
spon-xxx, 18.11.2013
Ist ja lustig: diese Jewish Claims Conference stand offenbar schon mal in Zusammenhang mit einem Riesenbetrugsfall: http://www.welt.de/politik/ausland/article10853595/Manager-soll-Fonds-fuer-Naziopfer-gepluendert-haben.html Können Interessensverbände überhaupt eine objektive, sachlich-fundierte Bewertung der Situation vornehmen?
3. Kunstfund: Jewish Claims Conference darf an Gurlitt-Task-Force teilnehmen
Phoenix2006 18.11.2013
Zitat von sysopDPAAn der Expertenrunde, welche die Herkunft der Kunstwerke aus dem Gurlitt-Fund aufklären soll, dürfen sich jetzt auch zwei Vertreter der Jewish Claims Conference beteiligen. Ihr Vertreter Rüdiger Mahlo hatte in der vergangenen Woche darauf gedrängt. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/jewish-claims-conference-an-gurlitt-task-force-beteiligt-a-934297.html
In einem ordentlichen juristischen Verfahren muss den Opfern Gerechtigkeit zu Teil werden! Wenn man ermitteln kann, im welchem Land sie erbeutet wurden, könnte man sie diesen Staaten in einem geeign etem Musseum zurück geben(ich hoffe es ist sensibel und respektvoll formuliert)?
4.
maburayu 18.11.2013
Zitat von axlbanTaucht irgendwo in Deutschland ein Bild auf ist es sofort Raubkunst. Lasst doch die Experten den Fall untersuchen! Ich bin mir sicher, die JCC wird bald ohne wirkliche Fakten zu nennen alles was einem Juden gehört hatte für sich reklamieren. Aber auch Juden sind normale Mensch die ab und an ein Bild verkaufen! Leider wurde hier dem Druck internationaler Hysterie nachgegeben!
Sie thematisieren etwas selbstverständliches. Vielleicht sollten Sie sich mal überlegen, ob Sie das - vielleicht auch unbewusst - nur tun, weil Sie der Überzeugung sind, dass die Juden eben doch geldgieriger sind als andere. Der Grad zwischen Unverständnis und alten, antisemitistischen Ressentiments ist schmal. Wenn sich der ADAC einmischt, wenn es um Fragen zum Verkehr geht, stört dies kaum jemanden. Wenn sich aber eine jüdische Interessensorganisation zu Fragen von jüdischen Besitz in Nazideutschland einmischt, dann habe plötzlich einige Probleme damit. Einfach mal übelregen warum.
5. Konsequenzen
AxelSchudak 18.11.2013
Die Konsequenz der Veröffentlichung des Fundes wird sein, dass Gurlitt nie wieder die möglicherweisen legal erworbenen Bilder in seiner Privatsammlung geniessen kann - denn der potentielle Wert wird nun Sicherheitsmassnahmen gegen Diebstahl notwendig werden lassen, die nur mit sehr hohem finanziellen Aufwand zu leisten sind - wenn überhaupt. Insofern war die "interne" Abwicklung des Falles zumindest verständlich. Leider hatten die Verbrecher in den dreißigern auch die Staatsmacht - das kommt bei verkommenden Weltanschauungen schonmal vor (auch heute gibt es davon viele Staaten) - und so sind die Beschlagnahme aus Museen und Privatbesitzen leider vielfach "legal" im Sinne von "durch das Gesetz gedeckt", auch wenn Gesetz und Gerechtigkeit hier keinen Bezug mehr hatten. Gerechterweise sind diejenigen Bilder aus jüdischem Besitz dort zurückzuerstatten, wo sie wegen der besonderen Verfolgung jüdischer Mitbürger über die normale Kulturbarbarei der Nazis hinaus enteignet wurden, auch vom jetzigen Besitzer.
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