US-Fotopublizist John Morris ist tot

Er veröffentlichte einige der wichtigsten Fotos des 20. Jahrhunderts - und wurde so selbst zur Legende: Jetzt ist der amerikanische Bildredakteur John Morris im Alter von 100 Jahren in Paris gestorben.

Nick Ut/ AP

Die Bilder aus den Kriegsgebieten dieser Welt machten andere - aber er sorgte dafür, dass die Menschen sie auch zu sehen bekamen: Der berühmte US-Fotopublizist John Morris ist tot. Er verstarb am Freitag im Alter von 100 Jahren in Paris, wie die Agentur Magnum mitteilte, für die er lange tätig war. Morris publizierte zahlreiche weltbekannte Fotografien vom Ende des Zweiten Weltkriegs und aus Vietnam. "Eine Legende ist gestorben", erklärte der Verband World Press Photo.

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John Morris: "Eine Legende ist gestorben"

Morris, der schon als Student in Chicago als Bildredakteur arbeitete, war ein Freund des Magnum-Mitgründers und Fotografen Robert Capa. Bereits 1944, drei Jahre vor der Gründung der Agentur, hatte er Capas Bilder der US-Landung in der Normandie für das Magazin "Life" bearbeitet. 1953 schloss sich Morris dann selbst Magnum an. In einem Interview sagte er 2016: "Ich kannte die Gründer von Magnum, bevor sie einander kannten."

In den Sechzigerjahren arbeitete Morris, der selbst überzeugter Pazifist war, für das Frauenmagazin "Ladies' Home Journal" sowie für die Zeitungen "Washington Post" und "New York Times" und setzte durch, dass es umstrittene Fotos aus Vietnam auf die Titelseiten schafften - darunter das Bild des nackten Mädchens Kim Phuc, das schreiend nach einem Napalm-Angriff davonrennt, und das eines mutmaßlichen Vietcong-Kämpfers, der durch Kopfschuss getötet wird. Beide Arbeiten wurden zu Symbolen der furchtbaren Realität des Vietnamkriegs und später mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet.

eth/AFP



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gandhiforever 30.07.2017
1. Der Pazifist Morris
Der Pazifist Morris hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Vietnamkrieg in den USA auf immer staerker werdenden Widerstand stiess, denn die Bilder sprachen fuer sich selbst. Heute sorgt das US-Militaer vor, es ist Reportern nahezu unmoeglich, unabhaengig zu berichten und Bilder aufzunehmen. "Embedded" ist das magische Wort, dass Reportern das Recht gibt, aus Konfliktgebieten zu berichten, in denen die USA involviert sind. Wer nicht kuscht, dem wird die Akkreditierung entzogen. Bei dem momentanen Fuehrer im Weissen Haus muss man sogar davon ausgehen, dass ein Morris heute wegen Wehrzersetzung angeklagt wuerde.
omanolika 30.07.2017
2. Ein Großer ist gegangen
John Morris sorgte dafür, dass man sieht, was an den Kriegsschauplätzen dieser Welt geschieht, denn dies wurde zwar schon fotografiert, doch Morris hat die Bilder echt publiziert, und somit gebracht an die Öffentlichkeit, die in großen Teilen halt unwissend war, die ganze Zeit. Auch heute fliegen von "den Guten" Raketen und Granaten, aber heute darf niemand gar fotografieren die Schandtaten, und, wer es dann wagt und das Fotografierte echt publiziert, der wird nach Guantanamo exportiert oder gleich exekutiert. Leider ist jetzt für den wirklich großen John Morris Schluss, aber gut ist, dass er so manches nicht mehr sehen muss...
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