Hitlers Propagandaminister Streit um 6507,87 Euro für Goebbels-Zitate

Im Streit um Tantiemen aus einer Joseph-Goebbels-Biografie muss die Verlagsgruppe Random House darüber informieren, wie viel Geld sie mit dem Verkauf verdient hat. Geklagt hat die Nachlassverwalterin des NS-Propagandaministers.

Hitlers Einpeitscher: Joseph Goebbels 1938
AP

Hitlers Einpeitscher: Joseph Goebbels 1938


München/Hamburg - In einem Streit um Tantiemen aus einer Goebbels-Biografie muss die Verlagsgruppe Random House Auskunft darüber erteilen, wie viel Geld sie mit dem Verkauf des Buches verdient hat. Das entschied das Landgericht München am Freitag in einem Teilurteil.

Geklagt hatte die Tochter von Adolf Hitlers ehemaligem Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht, Cordula Schacht, sie verwaltet zugleich den Nachlass von Adolf Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels.

Die Juristin fordert Tantiemen von der Verlagsgruppe Random House, weil in einer 2010 erschienenen Biografie von Peter Longerich Zitate aus Goebbels' Tagebuch vorkommen. 6507,87 Euro will sie vor dem Landgericht München, wo der Verlag ansässig ist, erstreiten.

Nun hat das Gericht zunächst entschieden, dass Random House Auskunft darüber geben muss, wie viel Geld die Verlagsgruppe mit dem Verkauf des Buches verdient hat. Ob der Verlag die Nachlassverwalterin an den Verkaufserlösen beteiligen muss, wurde noch nicht entschieden.

Random-House-Justiziar Rainer Dresen zeigte sich enttäuscht von dem Teilurteil: "Das ist ein starkes Indiz dafür, dass das Gericht der Klage stattgeben wird", sagte er und kündigte Berufung an. Die Klägerseite war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend.

Cordula Schacht wurde zur Nachlassverwalterin Goebbels, als der Schweizer Unternehmer und Alt-Nazi François Genoud ihr die Verwertungsrechte an den Texten Goebbels' im Jahr 1996 vermachte, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete.

1985 hatte Schacht als Anwältin im Auftrag ihres Klienten Genoud mit dem Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Bayern einen Vertrag über die Goebbels-Tagebücher ausgehandelt und damit rechtlich bindend in Paragrafen gefasst, dass Goebbels tantiemenpflichtig sei. Zuletzt funktionierte das problemlos: Der Piper-Verlag führt einen Teil der Einnahmen einer älteren Goebbels-Biografie immer noch brav an die Nachlassverwalterin ab.

Die Entscheidung, was mit den Tantiemen, die Schacht von der Verlagsgruppe fordert, geschehen soll, soll noch im September gefällt werden. Einen Vorschlag des Richters, die Summe an eine Holocaust-Stiftung zu überweisen, hatte die Klägerin bereits abgelehnt.

kha/dpa



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