Journalisten-Auszeichnung Erstmals Pulitzerpreis für Online-Publikation

Der altehrwürdige Pulitzerpreis öffnet sich den elektronischen Medien: Zum ersten Mal gewann mit "ProPublica" eine gemeinnützige Online-Publikation den US-Journalistenpreis. Auch die "Washington Post" durfte jubeln, das Boulevardblatt "National Enquirer" ging dagegen leer aus.


New York - Es ist eine Premiere in der Geschichte der begehrtesten Journalisten-Auszeichnung der USA: Der Pulitzerpreis ist in diesem Jahr erstmals an eine Online-Publikation verliehen worden. Die Ehrung für herausragende Leistungen im investigativen Journalismus ging an die gemeinnützige Nachrichtenorganisation ProPublica, wie das Pulitzer-Komitee am Montag mitteilte. Das Rennen in dieser Kategorie machte ein Artikel der Autorin Sheri Fink über die Arbeit in einem Krankenhaus von New Orleans nach dem Hurrikan Katrina. Der Artikel erschien in Zusammenarbeit mit "The New York Times Magazine" - beide Medien teilen sich den Preis. ProPublica engagiert sich nach eigenen Angaben vor allem für investigativen Journalismus bei gesellschaftlich relevanten Themen.

Die "Washington Post" setzte sich gleich in vier Kategorien gegen die Konkurrenz durch. In den Sparten internationale Berichterstattung, dem Feuilleton, den Kommentaren und Kritiken zeichnete die Jury das Blatt aus. Die "New York Times", die im vergangenen Jahr noch fünf Pulitzerpreise abgesahnt hatte, musste sich jetzt mit drei Ehrungen zufriedengeben.

Das Sensationsblatt "National Enquirer" ging leer aus. Es war mit Enthüllungsgeschichten über eine Liebesaffäre des ehemaligen US- Präsidentschaftskandidaten John Edwards in das Rennen gegangen.

Den höchsten Pulitzerpreis für herausragenden "Dienst an der Öffentlichkeit" allerdings errang die Zeitung "The Herald Courier of Bristol" im US-Bundesstaat Virginia. Sie hatte Verschwendungen bei Tantiemen für Gasvorkommen auf Privatgrundstücken aufgedeckt.

Der Pulitzerpreis ist die wichtigste Auszeichnung für Journalisten in den USA. Er wird in 21 Kategorien verliehen und ist mit jeweils 10.000 Dollar (7400 Euro) dotiert. Der Gewinner des Preises für den "Dienst an der Öffentlichkeit" erhält zusätzlich eine Goldmedaille.


Alle Pulitzer-Gewinner 2010:

Journalismus

  • Public Service: "Bristol (Virginia) Herald Courier"
  • Breaking News Reporting: Redaktion der "Seattle Times"
  • Investigative Reporting: Barbara Laker und Wendy Ruderman, "Philadelphia Daily News"; Sheri Fink, "ProPublica" in Zusammenarbeit mit den "New York Times Magazine"
  • Explanatory Reporting: Michael Moss und Mitglieder der "New York Times"-Redaktion
  • Local Reporting: Raquel Rutledge, "Milwaukee Journal Sentinel"
  • National Reporting: Matt Richtel und Mitglieder der "New York Times"-Redaktion
  • International Reporting: Anthony Shadid, "Washington Post"
  • Feature Writing: Gene Weingarten, "Washington Post"
  • Commentary: Kathleen Parker, "Washington Post"
  • Criticism: Sarah Kaufman, "Washington Post"
  • Editorial Writing: Tod Robberson, Colleen McCain Nelson und William McKenzie, "Dallas Morning News"
  • Editorial Cartooning: Mark Fiore, erschienen bei "SFGate.com"
  • Breaking News Photography: Mary Chind, "Des Moines Register"
  • Feature Photography: Craig F. Walker, "Denver Post"

Kunst

  • Fiction: "Tinkers" von Paul Harding
  • Drama: "Next to Normal," Musik von Tom Kitt, Buch und Text von Brian Yorkey
  • Biography: "The First Tycoon: The Epic Life of Cornelius Vanderbilt" von T.J. Stiles
  • History: "Lords of Finance: The Bankers Who Broke the World" von Liaquat Ahamed
  • Poetry: "Versed" von Rae Armantrout
  • "The Dead Hand: The Untold Story of the Cold War Arms Race and Its Dangerous Legacy" von David E. Hoffman

Musik

  • Violin Concerto von Jennifer Higdon, uraufgeführt am 6. Februar 2009 in Indianapolis, IN

jok/dpa/Reuters/AFP



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