"Cumhuriyet"-Redakteurin Journalistin in der Türkei zu Haftstrafe verurteilt

Zwei Jahre und drei Monate für einen Zeitungsartikel: Ein Gericht in Istanbul hat eine Journalistin zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Canan Coskun
Getty Images/ The Washington Post

Canan Coskun


Der türkischen "Cumhuriyet"-Journalistin Canan Coskun droht eine Haftstrafe. Ein Gericht in Istanbul verurteilte sie am Donnerstag zu zwei Jahren und drei Monaten. Ihr wird vorgeworfen, sensible Inhalte veröffentlicht zu haben, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen seien.

Hintergrund ist ein Artikel Coskuns, in dem sie über eine Ermittlung gegen Anwälte berichtet, denen Verbindungen zur verbotenen linksextremistischen Organisation DHKP-C vorgeworfen werden. Coskum befindet sich noch auf freiem Fuß, das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Ihr Anwalt hat Berufung eingelegt.

Das regierungskritische Blatt steht schon lange im Fokus der türkischen Behörden. Diversen Mitgliedern der Redaktion wird der Prozess gemacht; dem Chefredakteur Murat Sabuncu und anderen drohen bis zu 15 Jahre Haft. Auch das Verfahren gegen den ehemaligen Chefredakteur Can Dündar ist noch anhängig. Er lebt in Deutschland im Exil.

Massiv bedrohte Pressefreiheit

Vor wenigen Tagen war der wegen Geheimnisverrats verurteilte "Cumhuriyet"-Journalist Erdem Gül freigesprochen worden. Auch sein Anwalt hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Erst in der Nacht zum Donnerstag hatte der im Juli 2016 nach dem Putschversuch von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ausgerufene Notstand geendet. Seit 2016 wurden nach Angaben von Reporter ohne Grenzen über 100 Journalisten inhaftiert und 150 Medien geschlossen. Die Türkei rangiert auf der Liste der Pressefreiheit auf Platz 155 von 180.

kae/dpa



insgesamt 7 Beiträge
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Atheist_Crusader 19.07.2018
1.
Na da hat sie ja auch selbst Schuld: solche Berichte sind eine Beleidigung der Allmacht und Allwissenheit der türkischen Regierung. Die schließlich perfekt ist. Und wer etwas perfektes schädigen will, macht sich eines Verbrechens schuldig. Okay, mal ernsthaft: Respekt für diese Menschen die sich auch von eine selbstherrlichen Unrechtsstaat nicht einschüchtern lassen. Wäre ich in der Lage, ich hätte schon längst das Land verlassen. Die Gesellschaft vor sich selbst retten, nachdem die Hälfte ihren eigenen Untergang an der Wahlurne beschlossen und dann freudig gefeiert hat, wäre mir zu undankbar für das Level an persönlichem Risiko.
Wahrheitssucher 19.07.2018
2. Sie haben IHN ermächtigt
und nun hat die Türkei auch ihr 1933. Mich wundert immer wieder, wie eine Entwicklung zu autoritärer Staatsführung so auf die leichte Schulter genommen wird. Später heisst es dann: Das haben wir nicht geahnt. Warum eigentlich nicht? Es ist doch immer dasselbe Spiel, die Geschichte wiederholt sich. Alle, die das nicht ahnen sind zu faul zum Denken. Ich fürchte, in Europa werden wir soetwas auch noch erleben. Und da sind nicht nur Polen und Ungarn, bei uns hätten AfD und CSU doch auch gern die Alleinherrschaft.
Frank A 19.07.2018
3. Pressefreiheit
Zur Ergänzung...., die Hälfte in der Türkei. Hier in Deutschland ist der Anteil der Wähler!!! (Ja, man, frau hätte auch anders..) welche diese Politik unterstützen leider deutlich höher. Sorry, mir ist nur noch schlecht! Und unsere türkischen Mitbürger, nicht nur Özil und Gündogan sollten vielleicht mal das Wort Schizophrenie googeln und ein bisschen in sich gehen.
Charlie Whiting 19.07.2018
4. Platz 155?
Das ist ja noch schlechter als gedacht. Es hat sich immer noch nicht rumgesprochen, dass Aktionen gegen die Presse ein grosses Zeichen von Schwäche sind. Wenn er wirklich glauben würde alles richtig zu machen, könnte die Presse ja schreiben was sie wollte. Also offensichtlich ein schlechtes Gewissen.
spon-facebook-10000317957 19.07.2018
5. Nicht ganz richtig...
Zitat von Frank AZur Ergänzung...., die Hälfte in der Türkei. Hier in Deutschland ist der Anteil der Wähler!!! (Ja, man, frau hätte auch anders..) welche diese Politik unterstützen leider deutlich höher. Sorry, mir ist nur noch schlecht! Und unsere türkischen Mitbürger, nicht nur Özil und Gündogan sollten vielleicht mal das Wort Schizophrenie googeln und ein bisschen in sich gehen.
Von den 2,9 Millionen Menschen in Deutschland, die aus der Türkei stammen oder türkischstämmig sind, waren 1.443.585 Millionen Bürger wahlberechtigt. Von denen sind in Deutschland "nur" 49,7 Prozent zur Wahl gegangen. Davon haben rund 60 % die AKP gewählt, der Rest eben nicht. Somit hat der größte Teil der türkischstämmigen Mitbürger eben NICHT für Erdogan gestimmt, weil sie eben nicht wählen durften, nicht wählen wollten oder einfach gegen Erdogan sind.
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