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Antisemitismus-Vorwurf: Jüdische Gemeinde fordert Boykott von Roger Waters

Roger Waters live (in Bukarest): "Assoziationen zu NS-Propaganda" Zur Großansicht
REUTERS

Roger Waters live (in Bukarest): "Assoziationen zu NS-Propaganda"

Ein Davidstern wird auf ein aufblasbares Schwein projiziert: Wegen seiner Bühnenshow sieht sich Pink-Floyd-Mitgründer Roger Waters heftigen Vorwürfen ausgesetzt - vor seinem Konzert in Düsseldorf ruft die Jüdische Gemeinde zum Boykott auf.

Düsseldorf - Der Star trägt einen schwarzen Ledermantel mit roter Armbinde, ballert mit einer Maschinengewehr-Attrappe ins Publikum. In der Luft schwebt ein aufblasbares Schwein. Darauf projiziert: ein Davidstern. Anfang August war Pink-Floyd-Gründungsmitglied Roger Waters mit seiner "The Wall"-Show in Frankfurt am Main zu sehen. Anfang September will er in Düsseldorf auftreten - und hat massiven Protest bei der Jüdischen Gemeinde der Stadt geweckt. Sie ruft dazu auf, das Konzert von Waters zu boykottieren.

"Roger Waters ist ein geistiger Brandstifter, für den es in unserer Stadt kein Forum geben darf", erklärte Gemeindeverwaltungsdirektor Michael Szentei-Heise am Donnerstag. Mit dem Programm "The Wall" tourt Waters bereits seit 2012 durch Europa. Der 69-Jährige ist ein scharfer Kritiker Israels.

"Das gesamte Bühnenbild weckt eindeutige Assoziationen an die Reichsparteitage und die Propaganda der NSDAP", sagte Szentei-Heise. "Es macht Angst, wenn Zehntausende diese Veranstaltung besuchen und trotz antisemitischer und nationalsozialistischer Symbolik zu Roger Waters Musik feiern, tanzen und applaudieren."

Auch in Belgien hatte es heftige Proteste gegen die Rockshow gegeben. Der Musiker hatte sich daraufhin in einem offenen Brief Anfang August gegen den Vorwurf gewehrt, er sei Antisemit.

Waters betonte, er benutze auch Symbole wie ein Kruzifix, Hammer und Sichel und Firmenlogos. Er habe viele enge jüdische Freunde, seine Schwiegertochter sei jüdischen Glaubens, und sein Vater sei als britischer Soldat 1944 im Kampf gegen die Nazis in Italien gestorben. Seine "The Wall"-Show sei gegen Krieg und Faschismus gerichtet. Das aufblasbare Schwein habe er auf fast 200 Shows seit 2010 eingesetzt.

Bei seinem Auftritt in Frankfurt hatte Rogers gesagt, er widme die Show allen Terroropfern weltweit und zeigte unter anderem Bilder des Irak-Krieges und des Anschlags auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001.

kha/dpa

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