Jürgen Roland: Mr. Stahlnetz ist tot

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"Stahlnetz", "Großstadtrevier", "Tatort": Jürgen Roland gilt als Vater des deutschen Fernsehkrimis. Im Alter von 81 Jahren starb der Autor, Regisseur und Journalist nach langer schwerer Krankheit in Hamburg.

Mehr als ein halbes Jahrhundert prägte der Krimi-Experte mit seinen Produktionen die deutsche TV-Landschaft. Mit TV-Serien wie "Stahlnetz" erlangte er Kultstatus. Sogar ein Fernsehpreis, der "Roland-Filmpreis", wurde nach ihm benannt. Seine Leidenschaft für des Genre entdeckte der 1925 unter dem Namen Schellack in Hamburg geborene Regisseur schon als Schüler, der mit Freunden selbstverfasste Krimis aufführte.

Seine journalistische Karriere begann Roland 1945 als Moderator beim damaligen Radio Hamburg, aus dem zuerst der Nordwestdeutsche Rundfunk und später der norddeutsche Rundfunk hervorging. Nach einer kurzen Schulung bei der BBC in London war Roland einer der ersten Redakteure beim 1951 gegründeten NWDR-Fernsehen. NDR-Intendant Professor Jobst Plog sagt: "Jürgen Roland gehörte zur Riege junger Radioreporter, die nach dem Krieg zum legendären Ruf des damaligen NWDR beitrugen."

Gassenhauer "Stahlnetz"

Einem breiten Publikum wurde Roland mit seiner ersten TV-Serie "Der Polizeibericht meldet ..." bekannt. Akribisch recherchierte er damals echte Kriminalfälle nach und stellte sie für das Fernsehen authentisch und millieugetreu dar. Zum Fernsehstar wurde er 1958 mit der Krimiserie "Stahlnetz", für die er mit dem Drehbuchautor Wolfgang Menge zusammenarbeitete. Die ebenfalls auf realen Fällen basierende TV-Serie sorgte damals für Rekord-Einschaltquoten. Rolands Monatsgehalt betrug seinerzeit noch 800 Mark.

Neben seiner Arbeit fürs Fernsehen führte Roland in den sechziger Jahren auch in einigen Edgar Wallace-Filmen Regie. So verfilmte er 1960 mit Gerd Fröbe und Karin Dor den Klassiker "Der grüne Bogenschütze". Seit den siebziger Jahren war er auch als "Tatort"-Regisseur tätig.

Jürgen Rolands Dauerbrenner war jedoch die TV-Serie "Großstadtrevier", die seit mittlerweile 21 Jahren erfolgreich läuft. Mit ihr hat Roland auch den bis dahin unbekannten Schauspieler Jan Fedder berühmt gemacht. Fedder war ihm aufgefallen, als er eine kleine Rolle als Betrunkener im "Tatort" so überzeugend spielte, dass Roland ihn sofort als Hauptdarsteller für das "Großstadtrevier" verpflichtete. In einem Interview sagte Roland: "Jan Fedder ist so was von gut, der könnte das Telefonbuch spielen."

"Einer von den großen Alten"

Nachdem Roland vom NDR mit 65 Jahren pensioniert wurde, arbeitete er nur noch freiberuflich. Vor zehn Jahren, im Alter von 71 Jahren, musste Roland dann ganz aufhören zu arbeiten. Probleme mit dem Knie und insgesamt fünf Bypass-Operationen zwangen ihn zu mehr Zurückhaltung.

Im Laufe seiner Karriere führte Jürgen Roland in rund 80 TV-Produktionen sowie 20 Kinofilmen Regie. Der Schauspieler Joachim Fuchsberger bezeichnete Roland gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa als "außerordentlich wichtige und herausragende Persönlichkeit". Fuchsberger: "Jetzt ist wieder einer von den großen Alten weg. Es wird immer dünner."

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