Jugendmagazin "Yam!" Stars, Soaps und Sex

Was hat "Yam!", was "Bravo" nicht bietet? Nicht viel: Auch weiterhin sollen Pop und Petting jugendliche Leser ködern.

Von Anna Rupp


Ab sofort gibt es in Deutschland ein weiteres Magazin, das Jugendlichen beim "Großwerden" helfen will. Eine neue Zeitschrift mit Fotoroman und Aufklärungsseiten, mit Backstage-Berichten und "Mega-Postern". "Yam!" heißt das neue Hochglanz-Produkt aus dem Hause Axel Springer, das der fünfzigjährigen "Bravo" den Platz auf dem Markt mit jugendlichen Lesern streitig machen will.

"Das alte Rezept 'Stars, Pickel, Petting' lockt bei den Jugendlichen von heute nur noch ein müdes Lächeln hervor", glaubt "Yam!"-Chefredakteur Gerald Büchelmaier zu wissen. Erstaunlich, dass "Yam!" aber mit genau diesem Konzept ins Rennen gegen "Bravo" geschickt wird: In der Erstausgabe des Magazins finden sich ein Exklusiv-Interview mit Britney Spears, "private" Fotos der Hochzeit des Backstreet Boys Brian, Nacktfotos, Sextalk, ein achtseitiger Fotoroman und ähnliche altbekannte Wichtigkeiten.

Fotoroman in "Yam!": "Tränen unter Palmen"

Fotoroman in "Yam!": "Tränen unter Palmen"

Dass die inhaltliche und optische Abgrenzung zwischen dem alten und dem neuen Jugendblatt schwierig wird, zeigt sich schon jetzt. Beim Cover fängt es an: Britney Spears ziert in dieser Woche beide Titelblätter.

Doch "Yam!" soll laut Chefredakteur eine "Alternative für jene jungen Leser sein, die bisher nicht das richtige Angebot fanden". Das Magazin will sich mit den "vier Fs" von "Bravo" abgrenzen: Facts, Fun, Feeling und Future. Doch dahinter steckt (fast) das Gleiche: "Fakt" ist mehr oder weniger im Grunde jeder Artikel, während sich "Spaß und Gefühl" auf den Witz- und Sexseiten finden. Doch was verbirgt sich hinter "Future"?

"Yam!" will jugendliche Leser mit "Computer und Handy, Comedy und TV-Guide" locken, erklärt Chefredakteur Gerald Büchelmaier. Deshalb werden auf der Seite "Click" Videospiele vorgestellt - "Moorhuhn 2" zum Beispiel - und Tipps gegeben, wie man seinen Computer "elternsicher" macht: Beim Windowspasswort "kurze und fantasievolle Begriffe verwenden" oder die "Bios-Wunderwaffe" ergreifen.

Auch die "Bravo", lange unverändert in Inhalt und Aussehen, hat inzwischen nachgerüstet - mit Infoseiten zum Thema Internet und Handy.

Das Layout von "Yam!" wurde als "modern und großzügig" angekündigt. Doch die kleinen Unterschiede zu dem von "Bravo" erschließen sich nur dem peniblen Betrachter. Im Großen und Ganzen ist "Yam!" vom gewohnt überladenen Layout geprägt: Viele bunt durcheinander gewürfelte Fotos und winzige Schrift. Popkultur druckt sich offenbar nur unübersichtlich.

Sehr bemüht wirken die Versuche, das Jugendmagazin als die Marktneuheit für die "Generation 2000" zu verkaufen und gleichzeitig die Konkurrenz zwischen dem alten und dem neuen Blatt herunterzuspielen. "Das ist so wie mit 'Focus' und SPIEGEL", versucht Büchelmaier den etwas wackligen Vergleich. "'Focus' hat sich gut entwickelt und den SPIEGEL gibt es immer noch." "Yam!" startet mit einer Auflage von nur 200.000 Heften. Die Konkurrenz verkauft durchschnittlich 680.000 Stück. Doch man habe nichts dagegen, erklärt Büchelmaier umständlich, "wenn sich die Auflagenzahlen umkehren".

"Bravo"-Chef Uli Weissbrod kommentiert den Start von "Yam!" trocken: "Ich sehe keinen Platz für zwei große wöchentliche Jugendmagazine in Deutschland. ‚Yam' hat keine Chance."

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.