Jugendmedienschutz "Ausstrahlung von 'Popetown' überdenken"

Nach der Kritik von Kirche und Politikern hat auch die Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten den Popsender MTV aufgefordert, die Ausstrahlung der Papstsatire "Popetown" noch einmal zu überdenken.


München  - Die Sorge, dass die Zeichentrickserie auf Kinder und Jugendliche entwicklungsbeeinträchtigend wirken und religiöse Gefühle verletzen könnte, sei berechtigt, erklärte die Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten (KJM). 

Papstfigur aus "Popetown": "Der christliche Glaube wird auf ungeheuerliche Weise verunglimpft"

Papstfigur aus "Popetown": "Der christliche Glaube wird auf ungeheuerliche Weise verunglimpft"

In einem offenen Brief an MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann schreibt die Kommission, ihr seien bereits jetzt zahlreiche Beschwerden und Anfragen zugegangen. Man wolle deshalb mit der Gemeinsamen Stelle Programm Werbung und Medienkompetenz eine Prüfung vornehmen, sobald die erste Folge der Serie ausgestrahlt wurde. "Sogar die BBC als Produzentin der Serie hat nach entsprechenden Protesten aus der Mitte der Gesellschaft seinerzeit auf die Ausstrahlung verzichtet", heißt es in dem Brief weiter.

Wolf-Dieter Ring, Vorsitzender der KJM, appellierte an MTV, "in so einem grundsätzlichen Fall wie diesem die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) einzuschalten, um deren Bewertung einzuholen".

Die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach, kritisierte, in "Popetown" würden unter anderem Jesus Christus und auch der Papst in einer verunglimpfenden Weise dargestellt. "Die Verantwortlichen des Fernsehsenders sind nachdrücklich aufgefordert, diese Serie, die bereits in Großbritannien auf Grund heftiger Proteste gestoppt wurde, nicht zu senden", so die CDU-Politikerin. Die Ausstrahlung wäre eine unerträgliche Beleidigung aller Christen, sagte Steinbach.

Scharfe Kritik kam heute auch aus dem Erzbistum Köln. Der Diözesanrat der Katholiken bezeichnete Serie und Werbeanzeige als "widerwärtige Verhöhnung der katholischen Kirche". Der christliche Glaube werde auf "ungeheuerliche Weise" verunglimpft.

Zuvor hatten neben der evangelischen und der katholischen Kirche auch die CSU und die Unionsfraktion im Bundestag gegen die ab 3. Mai geplante Ausstrahlung der Serie und die für sie werbende Zeitschriftenanzeige protestiert.

CSU-Generalsekretär Markus Söder behauptete: "Solch eine Sendung gehört nicht ins deutsche Fernsehen." Gerade ein Jugendsender wie MTV müsse gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Der Fall zeige, dass die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) alleine nicht ausreiche. "Religiöse Symbole müssen endlich gesetzlich geschützt werden", forderte der CSU-Politiker. Söder hatte bereits gestern im Zusammenhang mit der Serie eine Verankerung von härteren Strafen wegen Blasphemie im Strafrecht gefordert.

Der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister hingegen hält "Popetown" nicht für bedenklich: "Jede realistische Dokumentation über die Rolle der katholischen Kirche im Mittelalter wäre für das Ansehen des Vatikans schädlicher als diese Zeichentrickserie." Hachmeister, Direktor des Instituts für Medienpolitik in Berlin, hatte 2005 das Fernsehfestival Cologne Conference organisiert, bei dem "Popetown" unter die Top Ten der Veranstaltung kam. Die Serie wurde 2005 in Australien gezeigt und wird in Großbritannien auf DVD vertrieben.

Nach der Kritik des Deutschen Werberates hatte MTV gestern auf die weitere Verbreitung der umstrittenen "Popetown"-Werbeanzeige verzichtet. 

anr/AP/dpa



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