Kabarettisten-Zoff Richling wirft Hildebrandt Humor-Fundamentalismus vor

Da hört der Spaß auf: Kabarettist Mathias Richling wehrt sich gegen die Angriffe von Dieter Hildebrandt, der ihm für seine Sendung den Titel "Scheibenwischer" entzogen hat. Im SPIEGEL wirft Richling seinem Vorgänger politische Abhängigkeit vor - er selbst wolle nun Haltung zeigen.


Hamburg - "Auch ein einzelner Papst kann nicht dogmatisch festlegen, was Kabarett zu sein hat, und abweichende Vorstellungen der Exkommunikation unterwerfen", sagte Richling dem SPIEGEL. Er sei gegen jede Form von "Humor-Fundamentalismus".

Kabarettist Richling (im SWR): Künftig auch Comedians
SWR

Kabarettist Richling (im SWR): Künftig auch Comedians

Mathias Richling, seit kurzem alleinverantwortlicher Moderator des politischen ARD-Kabaretts "Scheibenwischer", hatte für Umbaupläne der Sendung einen Dämpfer des Gründervaters kassiert. Dieter Hildebrandt verbot seinem Nachfolger die weitere Verwendung des Titels. Der Kabarettist hat sich die Namensrechte am "Scheibenwischer" bereits in den Anfangstagen 1980 sichern lassen.

Ein Dorn im Auge waren Hildebrandt vor allem die Pläne Richlings, künftig auch junge Comedians in die Sendung zu holen. Richling hatte im Februar angekündigt, bei ihm sollten Comedy und Kabarett mit viel Tempo an einem Strang ziehen und damit das Publikum verjüngen.

Kabarett-Szene "immens geeint"

Richling kritisiert nun Hildebrandts Kabarett-Verständnis: "Ich wollte nie das Hildebrandt-Kabarett, das nur einer einzelnen Partei, in dem Fall der SPD, hörig ist", so Richling. "SPD-Wahlkämpfer Hildebrandt" habe 1972 seine "Lach- und Schießgesellschaft" aufgelöst, weil er sein kabarettistisches Ziel, die SPD und Willy Brandt an die Regierung zu bringen, erreicht hatte.

"Das ist eine freiwillige Abhängigkeit, von der ich immer glaubte, dass sie eines Kabarettisten eigentlich unwürdig ist." In seiner neuen Sendung "Satire Gipfel" wolle er "Haltung zeigen" und nicht den "Rücken unter der Begeisterung für eine Partei krümmen".

Die Angriffe Hildebrandts auf ihn hätten die Kabarett-Szene "immens geeint". "Ich erfuhr persönlich eine nie gekannte Zustimmung und Unterstützung. Wer immer Hildebrandt zu seinem einschlägigen Rundumschlag geraten hat, muss eine große Abneigung gegen ihn haben."



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.