Von Hobbykoch Peter Wagner
20.000 Kalorien und mehr: Das ist das vorläufige Ergebnis der Feier-Fresserei, gemessen in einem deutschen Durchschnittsmagen am Ostersonntag um 21 Uhr. Nein, gemessen haben wir das natürlich nicht, aber die Kalorienmenge, die wir über die Feiertage zu uns nehmen, dürfte sich meist am oberen Rand der Erträglichkeitsskala befinden.
Gute Gelegenheit, jetzt also nicht mit dem erhobenen Zeigefinger auf Leichtkost wie Magerquark-Knäcke, Rohkostteller oder frühsommerliche Blattsalate ohne Putenbruststreifen zu deuten. Nein, wenn schon, denn schon! Wir zeigen heute, wie man ohne große Vorbereitung und Kochkunst noch einen draufsetzen kann. Mit Gerichten nämlich, die sich per se den Ratschlägen der Abnehm-Apostel widersetzen, doch bitteschön "leere Kohlenhydrate", Zucker und Fett wegzulassen. Jetzt erst recht: Wir kochen uns lecker Essen aus genau diesen bösen Bestandteilen: Weizenmehl, Hefe und Rieselzucker, Rundkornreis und Sahne und Butter und Schokolade (wie im heutigen Dessert-Rezept), Eigelbe und Kartoffelquetsch und noch mehr Zucker, altbackenes Weißbrot und noch mehr Eigelb und noch viel mehr Zucker.
Schnelles Zuckerglück
In den meisten Volksküchen Europas spielen süße Speisen nicht nur als Dessert seit jeher eine tragende Rolle, bieten sie doch Abwechslung, schnelles Zuckerglück und vergleichsweise preiswerte Sättigung. Und damit ist nicht nur der Dauerklassiker Milchreis gemeint. Für die süßen Mittagessen kann so ziemlich alles verwendet werden, was in der Küche anfällt.
Diese Kalorienbomben werden oft mit Apfel (Apfel-Gries-Auflauf, Apfelpfannkuchen, das bayerische "Apfelmännchen") oder anderen Früchten zubereitet, wie beim süddeutschen "Kirschenmichel". In Österreich werden sie gern mit Hefeteig gemacht, wie bei Rohrnudeln mit Marillen, Topfenlaibchen mit Preiselbeeren, Mohn-Nudeln, oder etwas leichter als "Salzburger Nockerln". Brotreste werden zum schwäbischen "Ofenschlupfer" (oder zum britischen "bread and butter pudding"), in Sachsen werden Kartoffeln zu "Quarkkeulchen". Oder man brät gleich einfach einen Berg Zerfleddertes aus Eiern, Milch und Mehl, mit oder ohne Rosinen, irgendwo zwischen "Scheiterhaufen" und "Kaiserschmarrn".
Armengericht oder Reis für Reiche
Doch süße Sattmacher gibt es nicht nur in Europa: In arabischen Ländern stopfen Mütter ihre - auch längst erwachsenen - Kinder gern mit pappsüßem Dattel-Couscous voll. In New Yorks hippem Viertel Nolita ("North of Little Italy") besteht die gesamte Speisekarte des Restaurants Rice to Riches des ehemaligen Sterneküchen-Pâtissiers Jemal Edwards aus "rice pudding" (Milchreis). Manchmal schmeckt er dort nach Käsekuchen, manchmal nach Pina Colada, aber immer trägt er verwegene Bezeichnungen wie "Coconut Coma", "Sex Drugs and Rocky Road" oder "Almond Shmalmond".
In Italien gehört Risotto zu den Nationalheiligtümern. Interessanterweise wird Risotto in vielen Familien gern auch mit süßen Zutaten zubereitet, während man in den einschlägigen, italienischen Kochbüchern dieses "risotto dolce" meistens gar nicht findet, und selbst in reinen Risotto-Büchern höchstens als Mini-Kapitel. Und das liegt nicht daran, dass süße Reisgerichte der "Armenküche" zugerechnet werden, zumal die "Cucina Poveri" im herzhaften Bereich ja längst eine kulinarische Renaissance erfahren hat. Das süße Risotto findet sich überall in Italien auf den Familientischen, meist klassisch mit Milch und frischer Vanille gekocht, schnell und einfach mit gemischten Früchten, Macadamianüssen oder Maronencreme. Aber es findet sich auch in noblen Restaurants, mit winzigen Wald-Erdbeeren, mit Kokosblättchen und einer Kugel Safran-Eis oder mit Amarenakirschen und weißer Schokolade - oder als völlig abgefahrene Variante mit herbstlichen Honigpilzen, Kartoffeln und Salbei.
Einige der Rezepte in Italien ähneln dem deutschen Milchreis, der ja ebenfalls aus Rundreissorten wie Arborio oder Carnaroli zubereitet wird. Und auch die Mengen sind gleich: 400 (Trocken-)Gramm Reis für vier Personen - eine Kalorienbombe, deren Zielgruppe Atlantikdurchschwimmer und Gerüstbauer sein dürften. Wenn Sie nicht dazu gehören, können Sie beim heutigen Rezept gern die Sahne weglassen und stattdessen einfach mehr warme Milch einrühren. Andererseits: Die schlappen 1000 Kalorien machen den Osterhasen auch nicht mehr fett.
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