Karikaturenstreit Klage gegen französisches Satiremagazin abgewiesen

2006 druckte das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" die dänischen Mohammed-Karikaturen nach und fügte eigene hinzu. Heute hat ein Pariser Gericht die Klage islamischer Organisationen gegen das Blatt abgewiesen und zugunsten der Meinungsfreiheit entschieden.


Paris - Philippe Val, Chefredakteur des Satire-Magazins "Charlie Hebdo", wurde am Donnertag von der 17. Pariser Strafkammer von dem Vorwurf der "öffentlichen Beleidigung einer Personengruppe wegen ihrer Religion" entlastet. Der Verband islamischer Organisationen in Frankreich (UOIF) und die Große Moschee von Paris hatten gegen den Nachdruck der Karikaturen der dänischen Zeitung "Jyllands Postillen" in dem französischen Heft geklagt. Der UOIF kündigte umgehend Berufung gegen das Urteil an.

Die Sonderausgabe des Satiremagazins "Charlie Hebdo"
AFP

Die Sonderausgabe des Satiremagazins "Charlie Hebdo"

In Frankreich hatte der Prozess für großes Aufsehen gesorgt. Val drohten 22.500 Euro Geldstrafe und bis zu sechs Monaten Haft. Medien, Intellektuelle und prominente Politiker hatten sich bei Prozessbeginn für die Meinungs- und Pressefreiheit stark gemacht, darunter auch der für Religion zuständige Innenminister Nicolas Sarkozy. Dieser erklärte, er ziehe "einen Exzess der Karikaturen der Abwesenheit von Karikaturen" vor. Die linke Tageszeitung "Libération" erschien am ersten Tag des Prozesses vor sechs Wochen in einer von den "Charlie Hebdo"-Redakteuren erstellten Sonderausgabe, um gegen Zensur zu protestieren und zeigte zudem alle zwölf Karikaturen.

Das Gericht verhandelte in dem Prozess über drei Karikaturen, darunter eine Eigenproduktion des "Charlie Hebdo"-Zeichners Cabu. Die erste dänische Produktion stellte Mohammed mit einer Dynamitstange im Turban dar. Die andere Zeichnung zeigte eine Gruppe Terroristen vor dem Paradies, die mit den Worten "Stopp, Stopp, wir haben keine Jungfrauen mehr" abgewiesen wurden. Die französische Karikatur, welche mit "Mohammed von Fundamentalisten überrannt" betitelt war, zeigte den Propheten mit einer Sprechblase, in der "Es ist schwer, von Schwachköpfen geliebt zu werden" stand.

Für das Gericht waren die beiden letzten Zeichnungen ein klare Aussage, die sich gezielt gegen radikale Islamisten richte und somit nicht die gesamte muslimische Glaubensgemeinschaft angreife. Die Turbanzeichnung allerdings könne als Generalbeleidigung verstanden werden, da aber sie aber im Heft zusammen mit anderen Zeichnungen abgedruckt worden war, sei die Intention, sie als Kritik an radikalen Bewegungen zu verstehen, deutlich hergestellt. Selbst wenn die Karikaturen "schockierend und verletzend für Muslime waren, lag nicht der bewusste Wunsch vor, sie zu kränken", hieß es in dem Urteil.

Der UOIF-Präsident Lhaj Thami Breze sagte nach dem Freispruch: "Wir verstehen das Urteil nicht, weil es einerseits sagt, dass eine der Zeichnungen schockierend ist, dies aber durch die Ausdrucksfreiheit gedeckt ist". Die UOIF hat bereits angedeutet in Berufung zu gehen. Die Moschee von Paris, die ebenfalls Kläger in dem Prozess war, wird diesen Schritt nicht gehen. Der Richterspruch schütze sowohl das Recht auf Karikatur als auch "die Möglichkeiten von Personen, dagegen zu klagen" und sei somit "ausgewogen" so die Anwälte.

Bei der Protestwelle in der islamischen Welt 2006 gegen die dänischen Karikaturen waren insgesamt 139 Menschen ums Leben gekommen. Der Prozess gegen die Verantwortlichen der Zeitung "Jyllands-Posten", welche die zwölf Zeichnungen erstmals gedruckt hatte, war im Oktober ebenfalls mit einem Freispruch zu Ende gegangen.

hae/afp/dpa/AP/reu



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