Kasparow-Ausladung ARD-Moderatorin Mikich übt harsche Kritik an Christiansen

Sabine Christiansen wird nun auch aus den eigenen Reihen attackiert. Nachdem der russische Oppositionspolitiker Kasparow bei ihrer Sendung ausgeladen wurde, distanziert sich Kollegin Mikich vom ARD-Politmagazin "Monitor" öffentlich von der Moderatorin.


Hamburg – Durch die Ausladung des Putin-Kritikers Garri Kasparow sei "die Reputation der Sendung und der ARD beschädigt worden", sagte Sonia Mikich, Chefin des ARD-Politmagazins "Monitor". Mikich wiederholte nach Angaben der "Bild am Sonntag" damit ihre Kritik, die sie bereits in einer internen Konferenz geäußert haben soll. Mit ihren Bedenken habe sie nicht allein gestanden, sagt Mikich: "Viele Kollegen waren wegen der Sendung bekümmert."

Moderatorin Sabine Christiansen: Einladung an Kasparow besteht weiter
DPA

Moderatorin Sabine Christiansen: Einladung an Kasparow besteht weiter

Bislang hatten vor allem Medienpolitiker den Umgang mit dem Ex-Schachweltmeisters und Oppositionellen Kasparow scharf kritisiert. So schrieb Jörg-Uwe Hahn (FDP), Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks, in einem Brief an den Chef des Rates: "Ich gehe davon aus, dass Frau Christiansen bis zur Klärung dieses Vorganges keine Möglichkeit erhält, weiterhin in der Prime Time am Sonntagabend bei der ARD zu moderieren."

Christiansen sagte der "Bild am Sonntag", dass es kein Fehler gewesen sei, Kasparow auszuladen. Ihre Talkshow am vergangenen Sonntag sei nicht im Ansatz unausgewogen, sondern lebhaft und kritisch gewesen. Sie hielt an ihrer Aussage fest, Kasparow sei wegen technischer Probleme ausgeladen worden.

Kasparow selbst glaubt hingegen, der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Kotenew habe Druck auf die Christiansen-Redaktion ausgeübt. Kotenew war ebenfalls am vergangenen Sonntag in der Talkshow zu Gast. Kasparow glaubt, der russischen Oppositionsbewegung sei durch das Verhalten der Sende-Redaktion geschadet worden: "Da wir Demokraten in den russischen Medien nicht zu Wort kommen, ist es doch umso wichtiger, im Westen Gehör zu finden", sagte er.

Eine vorzeitige Entlassung Christiansens, die im kommenden Jahr von Günther Jauch abgelöst werden soll, ist laut ARD-Programmdirektor Günter Struve jedoch kein Thema. "Über direkte Konsequenzen im klassischen Sinne", sei ARD-intern nicht gesprochen worden, sagte Struve. Allerdings habe man über die Form, wie die Ausladung Kasparows kommuniziert worden sei, diskutiert.

Heute Abend moderiert Christiansen eine Woche nach der umstrittenen Russland-Sendung wieder ihre Talkshow. Das Thema lautet "Wie teuer wird 2007?". Zu Gast sind Talk-Stammgäste wie FDP-Generalsekretär Dirk Niebel und Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn. Putin-Kritiker Kasparow soll jetzt im neuen Jahr in Christiansens Runde diskutieren. Die Einladung an ihn bestehe weiter: "Herr Kasparow kann im März als Gast an einer kompletten Sendung teilnehmen", sagte die Moderatorin.

Auch Kasparow fürchtet um sein Leben

Der Oppositionspolitiker fühlt sich in seinem Heimatland nicht mehr sicher. "Um ehrlich zu sein, ist mir manchmal angst und bange zumute", sagte Kasparow der "Bild am Sonntag". Er werde zwar von Bodyguards bewacht - gegen Angriffe wie den auf Alexander Litwinenko könne man sich aber nicht wirksam schützen.

anb/ddp



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