Olympia-Kunst in Katar Nackte Sportler-Statuen scheiden aus

Dabei sein ist alles - das berühmte olympische Motto gilt offenbar nicht für Kunstwerke. Die Organisatoren einer Olympia-Schau in Doha wollten zwei Statuen mit Tüchern verhüllen, weil die dargestellten Sportler nackt sind. Nun müssen die Skulpturen die Heimreise nach Griechenland antreten.


Doha/ Athen - Ihre Körper sind durchtrainiert, Olympioniken stehen für Leistungsstärke und Willenskraft - das ist heute so, das war auch früher so. Mit Statuen zollten die Künstler des alten Griechenlands ihnen deswegen Respekt. Doch eben solche Sportlerskulpturen haben im Emirat Katar nun für Aufsehen gesorgt: Den Machern einer Ausstellung über das historische Olympia waren zwei Ausstellungsstücke offenbar zu nackt.

"Die Organisatoren in Katar wollten die Statuen mit schwarzen Tüchern verhüllen", sagte ein Vertreter des griechischen Kultusministeriums am Dienstag. Daher seien sie nicht ausgestellt, sondern wieder eingepackt und zurückgebracht worden. Die beiden Athleten-Statuen, eine nach Art der griechischen Klassik, die andere im romanischen Stil, zeigen die Sportler so, wie sie einst bei den Olympischen Spielen in der Antike antraten: unbekleidet.

Die dreimonatige Olympia-Ausstellung in Doha war am 27. März eröffnet und von der griechischen Regierung als Ausdruck einer "Brücke der Freundschaft" zwischen beiden Ländern gefeiert worden. Nach Angaben des Kultusministeriums hat Athen dem arabischen Staat fast 600 Ausstellungsstücke aus dem Archäologischen Nationalmuseum, dem Münzmuseum und dem Museum der antiken Sportstätte Olympia ausgeliehen.

Griechenland umwirbt Katar seit langem, um mithilfe von Investoren aus dem öl- und erdgasreichen Golfstaat die schwächelnde heimische Wirtschaft anzukurbeln. Ministerpräsident Antonis Samaras hatte im Januar angekündigt, dass Katar bis zu 1,3 Milliarden Euro in einen gemeinsamen Fonds für die griechische Industrie einzahlen wolle. Das Emirat beteiligt sich zudem an einer öffentlichen Ausschreibung zur Entwicklung des früheren Athener Flughafengeländes, das im Zuge der Staatsschuldenkrise privatisiert werden soll.

kha/AFP

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meinmein 23.04.2013
1.
In den USA wäre das auch nicht gegangen. In der Antike war man halt wesentlich weiter als nach Einführung der monotheistischen Religionen.
bitboy0 23.04.2013
2. weiter oder ?
Zitat von meinmeinIn den USA wäre das auch nicht gegangen. In der Antike war man halt wesentlich weiter als nach Einführung der monotheistischen Religionen.
Also ich bin Sportler und trainiere NICHT nackt. Aber das mache ich deshalb weil ich es unpraktisch fände und meine guten Teile z.B. beim Radfahren Gefahr laufen würden zerrieben zu werden. Mit irgendeinem Glaube oder Religion hat das nichts zu tun. Kleidung ist eben auch Schutz und die Griechen damals waren in der Regel auch nicht nackt. Allerdings war es eben damals im Sport anscheinend so. Eine historische Tatsache und im Rückblick weder "gut" noch "böse". Daraus abzuleiten das die Griechen deshalb "weiter" waren als wir heute finde ich unzulässig. Das der Islam heute oft extrem körperfeindlich auftritt - angeblich um Ehebruch und Unzucht im Zaum zu behalten - ist gelinde gesagt Humbug. Es geht in den islamischen Ländern genau so zu wie bei uns, nur man sieht es nicht öffentlich! Menschen sind so, das ändert auch eine Burka nicht! Es ist nur eine weitere Möglichkeit Menschen einzuengen.
#9vegalta 24.04.2013
3.
Geht ja auch nicht darum nackt im Alltag durch die gegend zu laufen sondern schlicht darum ein klassisch gearbeitetes Kunstwerk aus moralischen Gruenden abzulehnen. Es sind nun mal Leute in der Kunst nackt dargestellt worden. Gerade zu Zeiten der roemischen und griechischen Hochkulturen. Da gab es ja auch ein recht fideles Pantheon, im Gegensatz zur Lageweile und Zucht und Ordnung in den Buchreligionen. Himmel, es sind ja auch schon Justizia verhuellt worden weil sich ein Justizminister an der klassischen Darstellung gestoert hat.
striver 24.04.2013
4. Prüderie
Viel besser ist das bei uns auch nicht. Während Gewaltdarstellung in den Medien hipp ist und selbst kleinen Kindern zugemutet wird, bemühte sich sogar ARTE unlängst in einer Sendung über äthiopische Völker, die verderbliche Wirkung des Anblicks männlicher Geschlechtsteile durch Auspixeln von unseren empfindlichen Gemütern fernzuhalten. Mich hat beinahe gewundert, dass den Frauen nicht auch noch schwarze Balken über die Brüste gelegt wurden. Oh Moral, wie heuchlerisch bist du doch!
Martin Steffen 24.04.2013
5. romanisch/romantisch/roemisch?
aller Wahrscheinlichkeit nach war die Statue vielleicht nackt, aber nicht romanisch.
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