Keith-Haring-Ausstellung: Große grüne Männchen

Von Harriet Dreier

Vor kurzem bevölkerten sie noch die New Yorker Park Avenue, jetzt machen sie sich auf dem Berliner Ku'damm breit: die Stahlskulpturen des amerikanischen Pop-Artisten Keith Haring.

Gruppenbild mit grünem Stahl
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Gruppenbild mit grünem Stahl

Sie sehen aus wie überdimensionierte Spielfiguren. Bis zu vier Meter hoch ragen Keith Harings signalfarbene Stahlskulpturen in den Himmel. Acht dieser rund 2500 Kilo schweren Plastiken sind jetzt in der Hauptstadt, und damit zum ersten Mal in Europa, zu sehen. Zur Vernissage von "Stahl(h)art" unter freiem Himmel vor dem BMW-Haus am Kurfürstendamm trafen sich Politik, Kultur und Medien. Eingefunden hatten sich unter anderem CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky, TV.Berlin-Chef Georg Gafron, Vera Int-Veen ("Vera am Mittag"), Thomas Koschwitz sowie übliche Verdächtige wie Schauspielerin Julia Biedermann, der man derzeit auf kaum einer Veranstaltung entgehen kann.

SAT.1-Moderatorin Caroline Beil hangelte sich - ganz ohne Teleprompter - nur mit einem Packen Karteikarten bewaffnet durch die Veranstaltung. Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen schüttelte die Standard-Grußworte aus dem Ärmel. Die Skulpturen am Ku'damm seien "ein Zeichen für die City-West und das alte Berlin" und "Graffiti kann Kunst sein, zumindest wenn es von einem Künstler kommt". Zusammen mit Urs Rohner, Vorstandsvorsitzender des Sponsors Pro Sieben, und der Direktorin der Keith Haring Foundation, Julia Gruen, half Diepgen eigenhändig bei der Aufstellung der Figur "Self Portrait". Der Arm des Krans schwenkte durch die Menge: "Mehr links, mehr rechts, Füße weg!" und schon war der grüne Mann auf seinem Sockel. Bis zum 25. November zieren acht Haring-Plastiken die Shopping-Meile in Berlin-West. Haring entwarf 1985 seine ersten Metall-Skulpturen. Diese Skulpturenserie wurde damals in der bekannten New Yorker Leo Castelli Gallery ausgestellt.

Keith Haring zählt zu den bekanntesten Künstlern der späten Pop-Art. Er begann als Graffiti-Maler in den U-Bahnschächten von New York. Er bemalte Plastik, gefundene Gegenstände, Gartenstatuen, Schulhöfe. Mitte der achtziger Jahre bemalte er Wände in Sydney, Rio de Janeiro, Minneapolis und Manhattan. Auch im damals noch geteilten Berlin wollte Haring ein Zeichen setzen. 1986 wurde er vom Museum am Checkpoint Charlie eingeladen, 100 Meter der Berliner Mauer zu bemalen. In Schwarz, Rot und Gold malte Haring seine Vision des vereinten Deutschlands. "Alles, was man macht ist eine Sucht nach Unsterblichkeit", sagte der 1990 mit 31 Jahren an Aids gestorbene Künstler.

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