Kiewels Rauswurf Delikater Vertrag, dickes Ende

Das ZDF hat sich von Moderatorin Andrea Kiewel getrennt - denn die Zusammenarbeit der "Fernsehgarten"-Frau mit Weight Watchers hatte offenbar System. Nach Informationen des SPIEGEL schlossen beide bereits 2001 einen fragwürdigen PR-Vertrag.

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Hamburg - Heute Mittag trennte sich das ZDF von Kiewel. Auch der MDR, wo sie "Riverboat" moderiert, zog die Konsequenzen - und verkündete den Rauswurf. Seit der SPIEGEL den PR-Vertrag zwischen Kiewel und Weight Watchers enthüllte, kommen beinahe tägliche neue Details ans Licht. Außer bei "Kerner" plauderte die "Fernsehgarten"-Frau auch bei "Lafer! Lichter! Lecker!" und im MDR-"Riverboat" über ihre angeblichen Diät-Erfolge mit der Marke. Nun kam das Aus. Zudem belegen neue Dokumente, wie eng Weight Watchers und Kiewel über die Jahre verbandelt waren.

Moderatorin Kiewel: Stillschweigen und Namedropping
AP

Moderatorin Kiewel: Stillschweigen und Namedropping

"Dankeschön für die Nennung bei BECKMANN (hat uns sehr gefreut!)", schrieb eine Weight-Watchers-PR-Frau im Juli 2003 in einem Fax an ihr Werbe-Zugpferd Andrea Kiewel. Zum Ausgleich für die Mühe bot die PR-Frau gleich eine Seite im nächsten Weight-Watchers-Magazin an, - "für einen redaktionellen Beitrag über deine Kinderkollektion". Kiwiwabohoo heißt die.

Viel früher als bisher bekannt, haben die Ex-Nationalschwimmerin der DDR und die Abnehm-Kompanie sehr eng zusammengearbeitet. Bereits im Februar 2001 schlossen sie nach Informationen des SPIEGEL eine Vereinbarung. Für ein Jahr gab es 180.000 DM plus 15.000 DM für Nutzungsrechte unter anderem an Vorher-Nachher-Fotos. Für Reisen im Dienst der Schlankheit wurden "Flugreisen First Class" und "Übernachtung in First-Class-Hotels" vereinbart.

Dafür musste "Kiwi" nicht nur in der Weight-Watchers-Gruppe Berlin Pfunde verlieren, Events, Presseaktivitäten und Fotoshootings zum Wohle des Diät-Unternehmens mitmachen. Im §1 heißt es unter 9.: "Frau Kiewel verpflichtet sich, ihre Kontakte, insbesondere zur Medienbranche und damit insbesondere im Rahmen von Talkshows und Interviews, zugunsten von WEIGHT WATCHERS einzusetzen und damit die Darstellung von WEIGHT WATCHERS in den Medien im Sinne dieser Vereinbarung zu unterstützen. Soweit es zu einer WEIGHT WATCHERS Promotion in der ZDF-Sendung 'Fernsehgarten' kommen sollte, werden die Parteien dies gesondert verhandeln." Ob es, wie im Falle der jüngst enthüllten Kerner-Schleichwerbung, zu einer Promotion im "Fernsehgarten" kam, ist bisher nicht bekannt.

Natürlich sollte niemand von diesen fragwürdigen Absprachen erfahren. Das war Weight Watchers offenbar wichtig. Kiewel wurde zu strengstem Stillschweigen verpflichtet, andernfalls sollte eine Vertragsstrafe von 30.000 DM fällig werden.

Kiewels Management teilt mit, die Moderatorin stehe erst seit dem 25. Januar 2006 unter Vertrag. "Die neuen Vorwürfe bzgl. des Vertrages von 2001 und des Faxes von Weight Watchers an Frau Kiewel aus dem Juli 2003 können wir nicht kommentieren."

Kiewel selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.



insgesamt 120 Beiträge
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ventor 21.12.2007
1. Stellen sich mir konkret 3 Fragen:
1. Wer ist Andrea Kiewel? 2. Wen interessiert das? 3. Warum macht SPON zu jedem Quark einen Forenthread?
jowra 21.12.2007
2.
Ich weiß nicht recht. Dass Sie den Vertrag geleugnet hat ist natürlich weniger schön, aber ansonsten ist doch Schleich- und sonstige Werbung heute überall zu erleben. In Talk- und Unterhaltungsshows und selbst in Filmen. Ich mag Kiwi, deshalb hoffe ich mal, dass Sie bald wieder im TV zu sehen ist ... hoffentlich nicht bei 9live. ;-)
mbberlin, 21.12.2007
3. ...
Man kann es auch wirklich übertreiben... Da wird mal wieder jemand wegen einer Lapalie geopfert, um nach außen zu demonstrieren, wie öffentlich-rechtlich man doch ist. Päpstlicher als der Papst zu sein, wirkte schon immer ungluabwürdig. Und was ist mit Kerner? Der Dauerwerbesäule des ZDF?
M. Michaelis 21.12.2007
4.
Zitat von sysopEin Vergehen von Gewicht - auch für das ZDF: Der Mainzer Sender will nicht mehr mit der Moderatorin Andrea Kiewel zusammenarbeiten. Nach den Enthüllungen über Schleichwerbung sei die "Vertrauensbasis" zerstört. Eine gerechtfertigte Reaktion?
Durchaus. Soviel schamlose Dreistigkeit muss Konsequenzen haben.
kellitom, 21.12.2007
5. Auch Kerner und andere feuern
Auch die anderen Schleichwerber müssen gefeuert werden. Wer für Privatversicherungen wirbt, darf nicht von öffentlichen Gelder bezahlt werden. Das ist ein parasitäres Verhalten, das inakzeptabel ist. Da müsste mal gründlich ausgemistet werden!
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