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Kommentar zum Antisemitismus: Kippa auf den Kopf!

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Kippa-Träger: Juden sollten sich nicht verstecken müssen

Juden sollten besser nicht mit Kippa durch deutsche Problemviertel laufen - sagt der Präsident des Zentralrats der Juden. Sollen sie sich also verstecken? Im Gegenteil: Wir brauchen so viele Kippot im Straßenbild, dass sie als Feindbild verschwinden.

Wer eine Kippa trägt, kann in Deutschland Probleme bekommen.

In Vierteln mit hohem muslimischem Anteil der Bevölkerung, müssten sich Juden fragen, "ob es tatsächlich sinnvoll ist", sich mit der religiösen Kopfbedeckung zu erkennen zu geben - sagt Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er hat wohl leider Recht - zumindest, was Berlin betrifft.

In der jüngeren Vergangenheit sind dort mehrfach Mitbürger zur Zielscheibe geworden, nur weil sie offensichtlich als Juden zu erkennen waren: Am Rande von pro-palästinensischen Demonstrationen, in Problemvierteln, in hippen und in nobleren Kiezen, in öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Liste ist lang, viel zu lang.

Noch sind diese Attacken nicht die Regel, sie sind aber auch schon lange keine Ausnahmen mehr. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime hat erfreulicherweise das Problem mit vor allem jungen muslimischen Männern und ihrem Hass auf das Judentum eingestanden. Es wäre aber falsch, bei den Attacken auf Juden von einer Folge der Islamisierung Deutschlands zu sprechen.

Antisemitismus ist nicht nur ein Problem der muslimischen Gemeinde. Auch viele Herkunftsdeutsche hängen antisemitischen Stereotypen an. Diese Vorurteile sind der Nährboden für den Hass auf alles jüdische.

Die Antwort auf diesen Hass kann aber nicht sein, sich zu verstecken. Freilich kann niemand von den hier lebenden Juden verlangen, sich einer offensichtlichen Gefahr auszusetzen. Aber wenn der Klügere nachgibt, regiert der Dumme. Die Antwort kann auch nicht noch mehr Polizeischutz sein. Es ist schön und richtig, dass die Kanzlerin ihren jüdischen Mitmenschen leibliche Unversehrtheit verspricht. Was soll sie auch anderes tun? Doch die Bilder von schwer bewaffneten Polizisten vor jüdischen Einrichtungen, zum Beispiel vor der Talmud Tora Schule in Hamburg, sind unerträglich. Sie sollen Sicherheit geben und beweisen den hier lebenden Juden doch nur das Gegenteil.

Nein, die Antwort kann nur sein, dass möglichst viele Menschen in Deutschland eine Kippa tragen - auch und gerade Nichtjuden. Wenn die Mehrheit zum Feindbild wird, dann wird das Feindbild uninteressant. Denn meist entlädt sich die Gewalt gegen Schwächere, Alte, Einzelne. Am Ende ist es sowieso egal, was wir auf dem Kopf tragen. Nur sein Inhalt zählt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 92 Beiträge
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1. Prima Vorschlag,
hellas1955 27.02.2015
wenn die jüdischen Gemeinden damit einverstanden sind. Immerhin ist die Kippa ein religiöses Symbol.
2. Alles nur eine Frage der Toleranz
uetchen 27.02.2015
Ich bin selber überzeugte Atheistin und toleriere jeden anderen Menschen, der sich seinerseits gegenüber Andersdenkenden respektvoll und tolerant verhält und nicht versucht, seine Weltanschauung oder Religion wie eine Monstranz vor sich herzutragen und als die einzig glückseligmachende den anderen aufzudoktrinieren. Es sind aber nach meiner Erfahrung immer religiöse Strömungen, die sich in Intoleranz und Vorurteilen ergehen und letztendlich oft (siehe Kriegs - und Krisenherde auf der ganzen Welt) bekämpfen bis zum bitteren Ende. Da glaube ich doch lieber nur an mich selber, so bin ich im Leben am weitesten gekommen, und andere Menschen, egal welcher Religion sie angehören oder welche Kopfbedeckung sie tragen, beurteile ich nach ihrem Charakter und welchen Beitrag sie zum Gemeinwohl leisten. Es sollte sich nicht jeder so wichtig nehmen und gelassen bleiben, dann gäbe es weniger Probleme.
3. Mode
agua 27.02.2015
Kippa für die Männer und das Kopftuch für Frauen, als Modeerscheinung, würde gleich "zwei Fliegen mit einer Klappe"schlagen.Beim letzten Forum zum Thema Kippa, wurde von einigen Foristen beides als Provokation verstanden, was tief blicken lässt.
4. Die Kippa ist ein sehr schönes Symbol für Religiosität.
nikolaus1962 27.02.2015
ich wünsche mir die Selbstverständlichkeit, das Juden eine Kippa tragen ohne Anfeindungen. So wie jeder andere mit einer zerrissenen Jeans oder mit Piercings unterwegs sind.
5. Religiöse Bekleidung
hubertrudnick1 27.02.2015
In einer freien Welt dürfte man sich nicht an irgendeiner religiösen Bekleidung und Kennzeichen stören.
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