Kirchenkunst: Riesen-Richter für den Kölner Dom

Gerhard Richter bringt Farbe in die Kirche: Der renommierte Maler hat ein neues Fenster für den Kölner Dom entworfen. Für die abstrakte Darstellung sollen 11.500 Quadrate aus buntem Glas verwendet werden.

Köln - Bislang hatte Gerhard Richter nichts mit Kirchenkunst zu tun, doch als die Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner ihm anbot, ein Glasfensterbild für das sogenannte "Südquerhaus" des Kölner Doms zu entwerfen, sagte der Künstler sofort zu. "Es ist unglaublich an dieser Stelle etwas machen zu dürfen", sagte der in Köln lebende Richter heute bei der Präsentation seines Werkes. Die bisherige helle Verglasung des mehr als 100 Quadratmeter großen Fensters des Doms soll von rund 11 500 farbigen Glas-Quadraten ersetzt werden. Geplant ist, das neue Fenster der gotischen Kathedrale bis zum Frühjahr 2007 fertig zu stellen.

Das Original-Fenster sei im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden, sagte Dompropst Norbert Feldhoff. Dabei seien auch sämtliche Pläne verbrannt, weshalb eine Rekonstruktion des 1863 eingesetzten Glasgemäldes nicht möglich war. Die nach dem Krieg eingesetzte helle Verglasung wirft jedoch vor allem ästhetische Probleme auf. "Das Fenster ist farblos und zu hell und nicht das, was man von einer gotischen Kathedrale erwartet", erklärte Feldhoff.

Richter hat mit Absicht auf Verkündigungsszenen oder Heiligendarstellungen verzichtet, sondern eine abstrakte Darstellung entworfen. Die rund 80 verschiedenen Farbtöne sollen das Fenster harmonisch in die Kathedrale integrieren. Bei der Realisierung des Werkes wird Richter mit der Glaswerkstatt der Dombauhütte zusammenarbeiten. Mit Hilfe einer Silikontechnik werden die Farbflächen auf mehrere Trägerscheiben geklebt.

Richter hat seinen Entwurf dem Dom geschenkt. Die entstehenden Kosten der Umsetzung in Höhe von etwa 350.000 Euro sollen nach der Vorstellung von Feldhoff durch Bürgerspenden finanziert werden.

Der 74-jährige Gerhard Richter gilt als einer der renommiertesten deutschen Maler. Der britische "Guardian" nannte ihn einen "Picasso des 21. Jahrhunderts". Er ist ein Chamäleon, das sich nicht auf einen Stil festlegen lässt, weltbekannt wurde er mit seinen nach Foto-Vorlagen gemalten Unschärfebildern. Zu seinem 70. Geburtstag ehrte ihn das New Yorker Museum of Modern Art mit der größten Retrospektive, die jemals für einen lebenden Künstler ausgerichtet wurde.

hoc/dpa

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