ARD-Journalist Klaus Bednarz ist tot

Er war 18 Jahre lang das Gesicht des kritischen Politmagazins "Monitor" - jetzt ist der TV-Journalist Klaus Bednarz gestorben.

DPA

Er galt als einer der profiliertesten und meinungsstärksten TV-Journalisten der Nachkriegszeit - jetzt ist der langjährige WDR-Redakteur und Fernsehjournalist Klaus Bednarz gestorben.

Bekannt wurde der gebürtige Brandenburger vor allem als Gesicht des Polit-Magazins "Monitor", das er von 1983 bis 2001 moderierte. Unter ihm baute die Sendung ihren investigativen Anspruch aus. Mit harter Recherche deckte Bednarz zahlreiche Skandale auf und prägte eine öffentlich-rechtliche Schule, die die politische Haltung dezidiert als Teil journalistischer Arbeit verstand. Inhaltlich stand er mit "Monitor" nach eigener Ansicht "für die Rechte von Minderheiten, für Menschenrechte, für soziale Chancengleichheit, für den Erhalt der Umwelt".

An seiner kritischen, aufklärerischen Haltung entzündeten sich diverse öffentliche Debatten. So erstattete etwa der CSU-Bundestagsabgeordnete Lorenz Niegel 1989 gemeinsam mit einigen Fernsehzuschauern Anzeige gegen den Journalisten, weil er zur Fahnenflucht aufgerufen habe. In der "Monitor"-Sendung vom 11. Juli 1989 hatte Bednarz gesagt: "Ich persönlich kann nur hoffen, dass - sollte jemals wieder in Europa ein Krieg ausbrechen - möglichst viele Soldaten desertieren. Möglichst am ersten Tag, in der ersten Stunde." Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft war "die Reizschwelle zum strafbaren Handeln" nicht überschritten - das Verfahren wurde eingestellt.

Kritisiert wurde Bednarz auch, als er 1993 in den ARD-"Tagesthemen" in einem Kommentar zum Brandanschlag auf ein Asylantenwohnheim in Solingen den "Blättern der Springer-Presse", aber auch der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und dem "SPIEGEL" vorwarf, zur Panikmache gegen Ausländer beigetragen zu haben. Seine Äußerungen zogen eine neue Regel für "Tagesthemen"-Kommentare nach sich: Dem ARD-Politik-Koordinator und damaligen Chefredakteur Hartmann von der Tann wurde ein Vetorecht bei der jeweiligen Festlegung des "Tagesthemen"- Kommentators zugestanden, um so die "notwendige Pluralität" zu gewährleisten.

Vor seiner Zeit bei "Monitor" war Bednarz, der 1966 mit einer Arbeit über den russischen Dichter Anton Tschechow promovierte, Auslandskorrespondent in Warschau und Moskau und leitete die WDR-Live Sendung "Auslandsstudio". Im Januar 2002 wurde er Chefreporter und Sonderkorrespondent der ARD; Sonia Seymour Mikich trat seine Nachfolge bei "Monitor" an. Für seine journalistischen Leistungen wurde Bednarz mit zahlreichen Preisen geehrt, unter anderem mit dem Grimme-Preis und dem DGB-Medienpreis.

WDR-Intendant Tom Buhrow nannte den Verstorbenen "einen der bedeutendsten deutschen Fernsehjournalisten". "Klaus Bednarz war ein unbeugsamer Fürsprecher für Mensch und Umwelt." WDR-Chefredakteurin Sonia Seymour Mikich erklärte, "Klaus Bednarz war ein Anker für alle, die sich für Menschenrechte, Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen".

In zahlreichen Büchern und Reportagen beschäftigte er sich mit den Ländern in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion, sie kamen mehrfach in die Bestsellerlisten. Bis zuletzt mischte er sich öffentlich in das aktuelle Zeitgeschehen ein: In einem Interview mit dem Deutschlandfunk befürwortete er etwa im November 2014 Wirtschaftssanktionen als einzige mögliche Antwort auf die "aggressive Politik Putins".

In einem Interview mit dem SPIEGEL zum Abschied von "Monitor" sagte Bednarz über seine Zeit bei dem TV-Magazin: "Es waren wunderschöne Jahre. Das Wichtigste war, dass die Redaktion ihre Linie des unabhängigen Journalismus beibehalten hat, ohne sich von irgendjemandem innerhalb oder außerhalb des Hauses unter Druck setzen zu lassen."

Zuletzt lebte Bednarz überwiegend in Mecklenburg-Vorpommern. Er wurde 72 Jahre alt.

eth/dpa/AFP



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