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Zum Tode von Klaus Bednarz: Selbstverständlich politisch

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Klaus Bednarz: "Ein unbeugsamer Fürsprecher für Mensch und Umwelt" Fotos
DPA

Er deckte auf, prangerte an und prägte damit den politischen Diskurs in der Bundesrepublik: Der Journalist Klaus Bednarz, fast 20 Jahre lang das Gesicht des kritischen Politmagazins "Monitor", war ein unermüdlicher Aufklärer und Provokateur.

Es gab eine Zeit in der alten Bonner Republik, da waren politische Fernsehmagazine noch Institutionen, ja Machtfaktoren. Und "Monitor" entwickelte sich zu einem von besonderer Wirkungsmacht. Fast 20 Jahre lang war es Klaus Bednarz, der "Monitor" ein Gesicht gab - und noch weit mehr als das. Er verkörperte Anspruch und Anliegen gleichsam mit seiner ganzen Person: als Mahner, unermüdlicher Aufklärer, meinungsstark und mit klarer Haltung, was sich bis hin zum äußeren Erscheinungsbild zeigte.

Die gemessene Miene, die irgendwie schon immer etwas unmoderne Brille, der oft unpassend anmutende Pullover - alles signalisierte dem Publikum, dass es da jemandem um die Sache ging und nichts sonst. Hier stand beziehungsweise saß jemand vor der Kamera und blickte in die deutschen Wohnstuben; jemand, der nicht anders konnte und vor allem nicht anders wollte. Ein Mann, bei dem jeder sogleich wusste, woran er war.

Nicht auf Beifall aus

Politmagazine polarisierten in jenen Bonner Jahren der Kohl-Ära die Gesellschaft, als auf dem rechten Flügel etwa Gerhard Löwenthal im ZDF die Fahne der Konservativen hochhielt. Für die war Bednarz, geprägt durch die Achtundsechziger und, wenn auch parteilich unabhängig, so doch links verortet, das sprichwörtliche rote Tuch. Und er beherrschte ja auch wie kaum einer sonst auf dem Bildschirm die Kunst, sich Gegner zu machen, wenn nicht gar Feinde.

Doch das hieß nicht, dass er unbedingt auf Beifall von bestimmter Seite aus gewesen wäre. Wenn Franz Josef Strauß das Bednarz-Magazin als "Rote Reichsfernsehkammer" schmähte, war das auch insofern maßlos, als Sozialdemokraten und Grüne gleichfalls genug Anlässe geliefert bekamen, sich über "Monitor" und seinen Frontmann zu ärgern.

Sein kritischer Ansatz blieb stets auf eine grundsätzliche Weise objektiv, ohne deswegen allerdings neutral zu sein. Unerschrocken deckte er auf, prangerte an, enthüllte und prägte so auch eine Schule des Journalismus, bei der neben der Investigation eine politische Haltung zum Teil des Selbstverständnisses gehörte.

Nicht selten war bei ihm auch eine Portion Sendungsbewusstsein im Spiel, getragen von der Gewissheit, in moralischer Hinsicht auf der richtigen Seite zu stehen - wo es um Minderheiten, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und, nicht zuletzt, die Erhaltung des Weltfriedens ging, den damals viele durch die sogenannte Nachrüstung bedroht sahen.

Da scheute Bednarz auch nicht davor zurück, indirekt zur Fahnenflucht aufzurufen - was zur Enttäuschung mancher dann doch nicht justiziabel wurde. Betroffenheit beim Zuschauer zu erzeugen angesichts der aufgedeckten Missstände war das eine; aus der eigenen Betroffenheit keinen Hehl zu machen, gehörte genauso zum Konzept. Und auch dies war immer hör- und sichtbar an seinem Mienenspiel und Tonfall.

Eine Sendung im doppelten Sinne

An Bednarz schieden sich die Geister, keine Frage. Die einen fühlten sich durch das, was er an gesellschaftspolitischen Botschaften verkündete, bestätigt, die anderen provoziert. Sicherlich machte das nicht den geringsten Teil des Erfolgs seiner Sendung aus, die es auf Einschaltquoten brachte wie zuletzt "Wetten, dass..?". Eine Sendung im doppelten Sinne - eben auch ein Stück politisch-moralische Mission zu einer Zeit, da die regierungsamtliche Politik sehr zur Selbstzufriedenheit neigte, zugleich aber viel Bedarf an Klärung der großen ideologischen Fragen bestand.

Als er den "Monitor"-Job im Jahr 2002 aufgab, vielfach geehrt und ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Grimme-Preis, hatte sich die Welt in vielerlei Hinsicht geändert, sodass er ein wenig wie aus der Zeit gefallen wirkte. Ruhen und rasten mochte er dennoch nicht.

Immer wieder war es der Osten, der ihn, der einst über den Schriftsteller Anton Tschechow promoviert hatte und Korrespondent in Warschau und Moskau gewesen war, lockte und anzog. In Büchern und Fernsehreportagen beschäftigte er sich mit den heutigen Zuständen in den Ländern Osteuropas. Noch vor wenigen Monaten forderte er nachdrücklich Sanktionen gegen Putins Russland. Bis zuletzt war ihm der kritische Blick nicht abhanden gekommen.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Heiliger Bednarz ...
Ridcully 15.04.2015
... mit kommen die letzten beiden Zeilen eines berühmten Dylan-Liedes in den Sinn.
2. den mochte ich
otelago 15.04.2015
super gern immer guten Blick für das wesentliche und richtige vor allem russlandfilme super. ach wie Schade.
3. Hmm
mimas101 15.04.2015
ein würdiger Nachruf für einen großen und kritischen Reporter und Moderator.
4. Rip
Khaled 15.04.2015
Sein Monitor hat mich nicht besonders begeistert, dafür habe ich seine Reiseberichte (Östlich der Sonne) umso mehr geliebt. RIP!
5. Klaus Bednarz
pharaodream 15.04.2015
...schade dass er nicht mehr da ist,habe Monitor mit ihm gerne gesehen.
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