Journalist und Willy-Brandt-Vertrauter Klaus Harpprecht ist tot

ZDF-Korrespondent, Redenschreiber für Kanzler Brandt, Verfasser gefeierter Biografien: Über Jahrzehnte gehörte Klaus Harpprecht zu den bekanntesten Publizisten Deutschlands. Nun ist er mit 89 Jahren gestorben.

DPA

Der vielfach ausgezeichnete Journalist und Autor Klaus Harpprecht ist tot. Er verstarb am Mittwoch im südfranzösischen La Croix-Valmer im Alter von 89 Jahren. Harpprecht wurde 1927 in Stuttgart geboren und absolvierte zunächst ein Volontariat bei der Wochenzeitung "Christ und Welt", bevor er vermehrt fürs Fernsehen zu arbeiten begann.

Nach Stationen bei RIAS Berlin, SFB und WDR wurde er schließlich der erste USA-Korrespondent für das ZDF. Gleichzeitig war Harpprecht, der als Kind hatte Musiker werden wollen, auch der Literatur zugetan und leitete von 1966 bis 1969 den S. Fischer Verlag.

1968 fand er über seine Freundschaft mit dem damaligen Außenminister Willy Brandt zur SPD. Nach dessen Wahl zum Bundeskanzler wechselte er 1972 endgültig in die Politik: Bis 1974 war er dessen Berater für internationale Fragen und Leiter des Schreibbüros. Als Brandts Redenschreiber prägte er Formulierungen wie "neue Mitte", einer der zentralen politischen Begriffe der Brandt-Ära. Seine Tagebücher aus der Zeit veröffentlichte er 2000 unter dem Titel "Im Kanzleramt".

In der Folge war Harpprecht Chefredakteur bei "Geo", ging noch einmal als Korrespondent in die USA und ließ sich 1982 als freier Schriftsteller in La Croix-Valmer nieder. Er veröffentlichte viele erfolgreiche Bücher, vor allem Biografien. Mit "Georg Forster oder Die Liebe der Welt" holte er 1987 den Weltreisenden zurück ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

1995 folgte seine monumentale Thomas-Mann-Biografie, die ein Bestseller wurde. 2008 veröffentlichte Harpprecht eine Biografie über Marion Gräfin Dönhoff. Seine eigenen Lebenserinnerungen betitelte er "Schräges Licht"; sie erschienen 2014.

Parallel zu seiner schriftstellerischen Tätigkeit blieb Klaus Harpprecht auch journalistisch aktiv, er schrieb für "Die Zeit", "taz", manager magazin, "Cicero", die "New York Times" und "Washington Post". Zu seinen vielfachen Auszeichnungen gehören der Lessing-Preis der Hansestadt Hamburg, der Theodor-Wolff-Preis und der Schlag zum Ritter der französischen Ehrenlegion.

Er war mit der Autorin und Journalistin Renate Lasker-Harpprecht verheiratet, die die Konzentrationslager von Auschwitz und Bergen-Belsen überlebte.

SPIEGEL-Gespräch mit Klaus Harpprecht

hpi/dpa

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