Finanztheater an der Oper: Köln kocht über

Von Theresa Rentsch

Lange brodelte es nur, jetzt läuft's über: Weil sein Haus seiner Ansicht nach unterfinanziert ist, schmeißt Uwe Eric Laufenberg, Intendant der Kölner Oper, hin. Im schlimmsten Fall könnte der Streit sogar vor Gericht enden.

Opernintendant Laufenberg: "Selbstverständlich würde ich den gerichtlichen Weg bestreiten" Zur Großansicht
dapd

Opernintendant Laufenberg: "Selbstverständlich würde ich den gerichtlichen Weg bestreiten"

Als Uwe Eric Laufenberg in Köln übernahm, galt sein Haus nicht unbedingt als Leuchtturm der deutschen Operlandschaft. Sein Vorgänger Christoph Dammann war mit Regieflops verunglückt, hohe Erwartungen lasteten also auf dem gebürtigen Kölner.

Erwartungen, denen Laufenberg in den vergangenen beiden Spielzeiten gerecht werden konnte. Vor drei Jahren war er angetreten, jetzt steht die Oper sogar international wieder für Qualität, die Auslastungsquote konnte er auf 90 Prozent steigern. Doch trotz aller Erfolge hat Laufenberg seit Beginn seiner Amtszeit seine liebe Mühe mit dem Geld - und steht jetzt möglicherweise vor einem Rechtsstreit.

Nach monatelangen Streitereien mit der Kölner Politik hat Laufenberg nun genug: Er geht. Offen ist allerdings die Frage: Wie genau geht er? Wird er entlassen? Einigt man sich gütlich? Kündigt er?

Am Dienstag hatte der Opern-Intendant auf einer Pressekonferenz zum neuen Spielplan gesagt, dass er der Stadt Köln zuvor eine Aufhebung seines Vertrages zum Ende der kommenden Saison angeboten habe. Kulturdezernent Georg Quander kündigte bereits tags darauf im WDR an, dass eine einvernehmliche Vertragsauflösung keineswegs sicher sei. Laufenberg habe sich in dem Thema nicht an die vereinbarte Vertraulichkeit gehalten, sondern sich an die Presse gewandt - eine Entlassung könne daher nicht ausgeschlossen werden. Am Donnerstag relativierte Quander zwar in der "Kölnischen Rundschau" seine Drohung: "Wir streben nach wie vor eine einvernehmliche Lösung an."

Doch Laufenberg zeigt sich kampfbereit. SPIEGEL ONLINE sagte er: "Eine solche Entlassung wäre weder moralisch noch rechtlich zu rechtfertigen. Selbstverständlich würde ich in dem Fall den gerichtlichen Weg bestreiten." Einen Verstoß gegen die Vertraulichkeitsklausel mag er nicht sehen. Darüber sei nicht gesprochen worden, als er Quander und Oberbürgermeister Jürgen Roters die Aufhebung des Vertrages angeboten habe: "Das Wort Vertraulichkeit ist in dem Gespräch gar nicht gefallen, wir haben lediglich erwähnt, dass die Beendigung des Dienstverhältnisses bei der Pressekonferenz bekannt gegeben wird."

Der Ton zwischen Stadt und Intendanz war in den letzten Wochen immer härter geworden. Schon vergangene Woche drohte Laufenberg, die komplette Spielzeit 2012/2013 abzusagen, sollte sich der finanzielle Rahmen der Oper bis zur Spielplan-Pressekonferenz nicht geklärt haben - es wäre die erste Absage einer kompletten Theatersaison in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Hintergrund der Streitigkeiten zwischen Opernhaus und Stadtspitze ist ein von Laufenberg geforderter Mehrbedarf von mehreren Millionen Euro: momentan hat er 29 zur Verfügung, er will aber 34. Nach langen Diskussionen wurde dem Haus jetzt zwar ein Kredit gewährt, dessen Konditionen in wichtigen Details, insbesondere was die freie Verwendung der Mittel angeht, jedoch ebenfalls umstritten sind.

Vorstöße von der Linkspartei, die Oper in Köln generell in Frage zu stellen, kommentiert Laufenberg verärgert: "Wie viele Orte haben wir denn noch, wo sich Leute begegnen und miteinander kommunizieren? Wenn wir das jetzt freiwillig hergeben, weil ein paar Leute mal eine tolle Idee über einen Kulturinfarkt haben, habe ich kein Verständnis dafür. Da bin ich wirklich fassungslos."

Der Spielplan für die kommende Saison stehe jetzt nur unter Vorbehalt. Alle Papiere lägen nach Laufenbergs Angaben beim Direktor der Kölner Bühnen, Patrick Wasserbauer. "Den müsste man auch mal fragen, wann er bitte den Vorverkauf startet und Verträge gegenzeichnet", sagte Laufenberg. "Wenn der sich über einen gewissen Zeitraum Zeit lässt, dann ist die Gefahr, dass die gesamte Spielzeit abgesagt wird, immer noch sehr hoch."

mit Material von dpa und Dapd

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1. Messbarkeit
SatanKlaus 27.04.2012
Trotz einer gewissen Bildungsnähe zum Thema: Warum muss dieses extrem teure Hobby für einige wenige durch alle finanziert werden ? Jedes andere "Produkt" (Bücher, Film und Co.) müssen heutzutage durch den der es nutzen/sehen/geniessen/konsumieren möchte direkt finanziert werden. Warum macht die Oper da (für wen !?) so eine Ausnahme im Kunst-/Kulturbetrieb ? Bitte keine Hinweise auf Bildung, die abgehandelten Themen lassen sich durch die historisch kritischen Interpretationen in Buchform auch im stillen Kämmerlein abarbeiten und "Neuinterpretationen" scheinen in der Vergangenheit in Köln ja nicht funktioniert zu haben. Also, warum der Aufwand und für wen ? Gesponserte Dauerkartenbenutzer oder lokale Prominenz die eingeladen wird/sich selber einlädt ?
2.
koleriker 27.04.2012
der 1. FC vom Abstieg bedroht, die Oper vielleicht nicht mehr vorhanden, und Karneval ist nur einmal im Jahr. Ziemlich öde Aussichten!
3. wer brauch schon Kultur
zynik 27.04.2012
Zitat von sysopLange brodelte es nur, jetzt läuft's über: Weil sein Haus seiner Ansicht nach unterfinanziert ist, schmeißt Uwe Eric Laufenberg, Intendant der Kölner Oper, hin. Im schlimmsten Fall könnte der Streit sogar vor Gericht enden. Finanztheater an der*Oper: Köln kocht über - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,829387,00.html)
Nix neues. Im benachbarten Bonn wurde bereits derart zusammengekürzt, dass der Intendant kein funktionierende Spielplan mehr garantieren kann. Da werden noch einige Läden dicht machen in naher Zukunft. Kultur und Soziales...irgendwer muss schliesslich für die Finanzkrise bluten. Interessant übrigens auch das Pamphlet "Kulturinfarkt" in dem versucht wird, das neoliberale Denkmodell dem Kulturbetrieb aufzuzwingen.
4. Oper≠Kultur
SatanKlaus 27.04.2012
Zitat von zynikNix neues. Im benachbarten Bonn wurde bereits derart zusammengekürzt, dass der Intendant kein funktionierende Spielplan mehr garantieren kann. Da werden noch einige Läden dicht machen in naher Zukunft. Kultur und Soziales...irgendwer muss schliesslich für die Finanzkrise bluten. Interessant übrigens auch das Pamphlet "Kulturinfarkt" in dem versucht wird, das neoliberale Denkmodell dem Kulturbetrieb aufzuzwingen.
Oper ist EIN Bestandteil des Kulturbetriebes und eine Kunstform die sicherlich eine gewisse Aktualität hatte, jedoch hat sich dieser Planet weitergedreht. Als Steigerungsform des Theaters (Vertonung von Theaterstücken) war die Oper auch einmal etwas neues, was dem damaligen Zeitgeist als Neuerung entgegen kam und daher auch die zahlenden Massen anzog. Nur in unseren Tagen scheinen einige der Auffassung zu sein, das Ihr Amusement durch alle subventioniert werden muss. Woher kommt diese Attitude ?
5. genau deshalb & ganz einfach weil
autocrator 28.04.2012
Zitat von SatanKlausTrotz einer gewissen Bildungsnähe zum Thema: Warum muss dieses extrem teure Hobby für einige wenige durch alle finanziert werden ? [...] Also, warum der Aufwand und für wen ? Gesponserte Dauerkartenbenutzer oder lokale Prominenz die eingeladen wird/sich selber einlädt ?
Nun, Sie haben doch schon selbst die Antwort gegeben: Weil "Oper" den "Oberen" einfach Spass macht. (Man kann da so kulturbeflissen tun, den Smoking & die Gnä-Frau ausführen, ist so schön unter sich und bezahlen tun das doch eh andere - ist doch herrlich!) Nicht vergessen: "Sozial ist [nur], was Arbeit schafft!" Oper hat doch mit so Sozial-Klimbim wie Bildung und Kultur nichts zu tun! - Wie kommen Sie denn darauf ??? Oper ist für die Oberen ... in letzter Zeit wurde der Pöbel ein bißchen zu sehr ausgequetscht, die Zitronen geben derzeit nicht mehr ganz so viel Saft, weshalb man halt auch mal gerne auf die eine oder andere Million für die Oper verzichtet (schließlich ist 3 Stunden lang kreischenden Weibern in völlig verschwurbelten aber angeblich künstlerischzwar wertvollen,aber völlig verschwurbelten Inszenierungen zuzuhören auch nicht immer das reine Vergnügen – aber was tut man sich nicht alles an für's "Sehen & gesehen werden" ...), ... und jetzt fällt einem der Intendant in den Rücken ! Aber keine Angst: Den Oberen wird schon was Elegantes einfallen, wie sie diesen Betriebsunfall des Kaschierens der Umverteilung von Unten nach Oben ("Verschwiegenheitsklausel" sagt doch schon alles!), schnellstmöglich, still und leise, ohne großes Aufsehen aus der Welt schaffen. Allerschlimmstenfalls wird der Intendant halt weggelobt. Sie fragen danach, warum das so ist: Nun, so war es schon immer (und wer sich eingebildet hat, dass mit der Einführung der Demokratie der Feudalismus beseitigt wurde, ist schlicht zu blöd zum Hingucken!), Und so ist es auch gewählt und auch gewollt! wer der Meinung ist, dass die 29 mio besser nicht für die Oper sondern vielleicht für die Aidshilfe oder einen besseren ÖPNV (Unterschichten-Transportwaggons) ausgegeben werden sollte, darf halt nicht den alten Einheitsbrei SPDCDUFDPGrüneLinke wählen, sondern muss diese neuen Feudalherren halt zum Teufel jagen.
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