Kohl-Doku im ZDF Sohn des Altkanzlers attackiert Filmemacher

Der Mann hat Gewicht: Helmut Kohl ist einer der einflussreichsten Politiker der deutschen Geschichte nach 1945. Das ZDF nähert sich dem Kanzler der Einheit mit einem Biografiefilm - und zieht damit heftige Kritik seines Sohnes auf sich.

ZDF

Hamburg/München - Ärger um den Ex-Kanzler und seine Gattin: Der ältere Sohn von Altkanzler Helmut Kohl (CDU), Walter Kohl, kritisiert die Darstellung seiner Eltern in dem ZDF-Film "Der Mann aus der Pfalz".

So zeigte sich der 46-Jährige "regelrecht empört" darüber, wie der Film die Rolle seiner Mutter Hannelore darstelle. Sie sei stets "eine wichtige, zentrale Ratgeberin" seines Vaters gewesen, sagte Walter Kohl. Der Film werte sie jedoch "zur Randfigur herab".

Seine Mutter, so der Kohl-Sohn laut Magazin "Focus", habe nicht wie im Film dargestellt betroffen und enttäuscht reagiert, als ihr Mann über die Wiedervereinigung hinaus Kanzler bleiben wollte. Sie habe seinen Vater vielmehr "massiv darin bestärkt, den Weg zur Wiedervereinigung konsequent zu gehen".

Auch sein Vater habe eine würdigere Rolle verdient. Während sich der erste Teil des Films, der den Aufstieg Helmut Kohls in Rheinland-Pfalz beschreibt, "recht genau" mit seinen frühen Eindrücken decke, kritisiert der Kohl-Sohn den zweiten Teil. "Mein Vater hätte als wichtigster deutscher Gestalter der Wiedervereinigung eine würdigere Rolle verdient", sagte er. Er sei "nie der entrückte Technokrat der Macht" gewesen, als den ihn die Zuschauer jetzt auf dem Bildschirm sähen.

Der 90 Minuten lange Film über Alt-Kanzler Kohl wird am Dienstag um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Nachgezeichnet wird der politische Aufstieg des CDU-Politikers vom Mitbegründer der Jungen Union in Ludwigshafen 1947 bis zu seinem "politischen Triumph" als Kanzler der Einheit 1990. Kohl wird von Thomas Thieme verkörpert, in der Rolle des jungen Helmut Kohl ist Stephan Grossmann zu sehen. Renée Soutendijk stellt Kohls 2001 gestorbene Frau Hannelore dar, als junge Hannelore Kohl stand Rosalie Thomass vor der Kamera.

Regisseur Thomas Schadt und Filmproduzent Nico Hoffmann hatten im Jahr 2006 insgesamt rund 30 Stunden Gespräche mit dem heute 79-jährigen Ex-Kanzler geführt. Kohl wollte aber nicht, dass die Passagen in den Film eingebaut werden. Die Interviewszenen sollen nun voraussichtlich um Kohls 80. Geburtstag im April 2010 im ZDF ausgestrahlt werden.

tdo/ddp/dpa



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