Kommunikationstheorie Philosoph Watzlawick gestorben

Die wichtigsten Theorien zur zwischenmenschlichen Kommunikation stammen von ihm: Der aus Österreich stammende Psychologe und Philosoph Paul Watzlawick, Autor des Bestsellers "Anleitung zum Unglücklichsein", ist im Alter von 85 Jahren gestorben.


Wien - Der Wissenschaftler starb bereits am Samstagabend in seiner Wahlheimat Palo Alto in Kalifornien, wie das dort ansässige Forschungsinstitut Mental Research Institute der österreichischen Nachrichtenagentur APA bestätigte.

Philosoph und Psychologe Watzlawick: "Die Suche nach Patentlösungen" aufgeben
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Philosoph und Psychologe Watzlawick: "Die Suche nach Patentlösungen" aufgeben

Der aus Österreich stammende Philosoph, Psychologe, Psychoanalytiker, Soziologe und Publizist Watzlawick gehörte zu den einflussreichsten Theoretikern der modernen Kommunikationsforschung. Viele seiner populärwissenschaftlichen Werke, darunter die Ratgeber-Parodie "Anleitung zum Unglücklichsein" (1983) wurden zu Bestsellern. Watzlawicks Ansätze flossen in Psychotherapie und Pädagogik ein.

Als Hauptwerk Watzlawicks gilt seine auf fünf pragmatischen Axiomen aufbauende Kommunikationstheorie. Berühmtestes Beispiel ist das erste Axiom: "Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren."

Paul Watzlawick wurde am 25. Juli 1921 in Villach, Kärnten geboren und studierte Philologie und Philosophie an der Universität Venedig. Nach seiner Promotion absolvierte er eine Ausbildung in Psychotherapie am C.-G.-Jung-Institut in Zürich, die er 1954 als Diplomanalytiker abschloss. 1957 übernahm er einen Lehrstuhl für Psychotherapie in El Salvador. 1960 wurde Watzlawick vom amerikanischen Schizophrenie-Experten Donald Jackson zu einem Wechsel an das Mental Research Institute in Palo Alto/Kalifornien geholt, wo er als Forschungsbeauftragter und Psychotherapeut tätig war. Ab 1976 lehrte er außerdem als Professor an der Stanford University, wo er auch bis ins hohe Alter noch als Emeritus Vorträge hielt.

Kommunikation und ihre Störungen blieben sein Hauptthema. Maßgeblich entwickelte er gemeinsam mit Gregory Bateson und weiteren Kollegen die Theorie des "double bind". Watzlawick leistete aber auch bedeutende Beiträge zum radikalen Konstruktivismus.

Die Prinzipien der konstruktivistischen Denkschule wandte Watzlawick auch in seiner therapeutischen Arbeit an. Im Gegensatz zur analytischen Tiefenpsychologie verzichtete er auf die Erforschung der Vergangenheit seiner Patienten, sondern beobachtete lediglich, ob die Kommunikation des Betroffenen funktionierte oder gestört war. Für seine Diagnosen genügten ihm "kurztherapeutische Interventionen", die sich aus dem Verständnis der Sprache des Patienten ergaben.

"Ich gehe in meiner ganzen Therapie davon aus, dass es lediglich meine Aufgabe ist, Leiden zu beheben. Das Leiden lässt sich aber gerade dadurch heilen, dass man die Suche nach Patentlösungen aufgibt", sagte Watzlawick einmal in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt".

Nach Angaben seiner Familie soll Watzlawick seit längerem an einer schweren Krankheit gelitten haben, sagte eine Sprecherin des Mental Research Institute .

bor/AFP



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