Kopenhagener Kunstmuseum Schluss mit dem Wort "Neger"

Das Wort "Neger" hat im Kopenhagener Museum für Kunst nichts verloren. Findet zumindest dessen Chef. Er ließ es aus Titeln und Beschreibungen entfernen. Dafür muss er in Dänemark Kritik einstecken.

"Kopf eines Afrikaners" oder "Negerkopf"?
DPA

"Kopf eines Afrikaners" oder "Negerkopf"?


Unter 200.000 Kunstwerken seines Hauses fand Peter Nørgaard Larsen 13 Mal das Wort "Neger" und einmal "Hottentotten". Das war dem Leiter des Staatlichen Museums für Kunst in Kopenhagen zu viel.

Er ließ das Wort in den Beschreibungen der Kunstwerke durch "Afrikaner" ersetzen, das bestätigte eine Museumssprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Auch bei einigen Titeln von Kunstwerken wurde das Wort gestrichen, etwa bei dem Gemälde "Negerkopf" des niederländischen Hofmalers Karel van Mander III. Das Bild heißt jetzt "Kopf eines Afrikaners". Die Sprecherin betonte aber, man habe keine Originaltitel geändert, die von den Künstlern selbst stammten. Umbenannt worden seien nur solche, die Kunsthistoriker in der Vergangenheit namenlosen Kunstwerken gegeben hatten.

Der dänische Kulturminister Bertel Haarder äußerte der Nachrichtenagentur Ritzau gegenüber sein Unverständnis für die Aktion. "Ich persönlich finde, dass Dänemark ärmer wird, wenn wir unsere Vergangenheit als Kolonialmacht vergessen", sagte er.

Auch Kollegen anderer dänischer Museen übten Kritik. Erlend Høyersten, Direktor des Kunstmuseums Aros in Aarhus, sagte der Tageszeitung "Politiken": "Das Menschenbild, auf das wir in den alten Titeln und Beschreibungen von Kunstwerken stoßen, kann etwas darüber aussagen, wo wir heute sind und wie weit wir gekommen sind."

Der Umgang mit rassistischem Vokabular in bildender Kunst, Literatur und Filmen aus der Vergangenheit sorgt immer wieder für Kontroversen. Zuletzt entzündete sich 2014 ein Streit daran, dass ein schwedischer Fernsehsender aus den Verfilmungen des Kinderbuchklassikers "Pippi Langstrumpf" von Astrid Lindgren das Wort "Negerkönig" und eine weitere diskriminierende Szene entfernte.

Schon 2013 hatte der Friedrich Oettinger Verlag bekannt gegeben, Wörter wie "Neger" und "Zigeuner" aus seinen Übersetzungen von "Pippi Langstrumpf" zu streichen. Auch um Ottfried Preußlers "Die kleine Hexe" und Michael Endes "Jim Knopf" gab es 2013 Diskussionen wegen rassistischer Begriffe.

kae/dpa



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