Korruptionsvorwürfe MDR entlässt Sportchef

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hat seinem Sportchef Wilfried Mohren fristlos gekündigt. Mohren, der zurzeit wegen Korruptionsvorwürfen in Untersuchungshaft sitzt, sei für den Sender nicht mehr tragbar, sagte MDR-Intendant Udo Reiter.


MDR-Sportchef Mohren: "Untragbar" geworden
DPA

MDR-Sportchef Mohren: "Untragbar" geworden

Leipzig - Nach der Auswertung der bisherigen Ermittlungsakten habe man festgestellt, dass die Beweislast gegen Wilfried Mohren "erdrückend" sei, sagte MDR-Intendant Udo Reiter der Nachrichtenagentur ddp. Der 47-jährige Sportchef sei für den ARD-Sender untragbar geworden und fristlos entlassen, so Reiter. Mohren befindet sich seit vergangener Woche in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen gegen ihn kamen durch die Schmiergeldaffäre beim Hessischen Rundfunk (HR) um den früheren Sportchef Jürgen Emig in Gang. Nach bisherigen Erkenntnissen habe Mohren mehr als 100.000 Euro aus einem nicht genehmigten Vertrag mit der Energiedienstleistungsfirma Techem kassiert. Ihm wird außerdem vorgeworfen, Sendezeit gegen Schmiergeld verkauft zu haben.

Reiter kündigte an, eine Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu beauftragen, um den Fall Mohren innerhalb des MDR weiter zu untersuchen. Die Experten sollen zudem Vorschläge für Dienstvorschriften machen sowie einen gerichtsverwertbaren Report erstellen, damit der MDR Schadenersatzansprüche stellen könne. Gegen Schleichwerbung werde der Sender eine neu zu bildende Arbeitsgruppe einrichten, die auch die Tochterunternehmen des MDR unter die Lupe nehmen solle, kündigte Reiter an.

Wegen ähnlicher Vorwürfe befindet sich seit Ende Juni auch Jürgen Emig in Untersuchungshaft. Über seinen Verbleib wollten das Amtsgericht Frankfurt heute nach einem Haftprüfungstermin entscheiden, vertagte sich laut einer Meldung der Agentur dpa jedoch auf Freitag oder Montag.

Emig soll gemeinsam mit einem Geschäftspartner von Sportveranstaltern Geld als Gegenleistung für die Fernsehberichterstattung des Hessischen Rundfunks angenommen haben. Nachdem Emig in der vergangenen Woche ein Teilgeständnis abgelegt hatte, kam auch der Partner wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft, zugleich wurde der auf gewerbsmäßige Bestechlichkeit und Beihilfe zum Betrug lautende Haftbefehl um Untreue und Steuerhinterziehung erweitert. Nach Emigs Teilgeständnis hatte der HR eine fristlose "Verdachtskündigung" ausgesprochen.



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