Kreativität im Quadrat Architekt Oswald Ungers gestorben

Quadratisch, praktisch, gut: Oswald Mathias Ungers reduzierte seine architektonische Arbeit aufs Maximum formaler Ausdruckskraft. Am Sonntagabend erlag der 81-Jährige einer Lungenentzündung.


Köln - "Nur noch das Wesentliche, die Reduktion" interessiere ihn, sagte Oswald Mathias Ungers einmal im Interview. Kalt und monoton sei seine am wiederkehrenden Modul orientierte Arbeit, hielten die Kritiker oft dagegen. Tatsächlich gilt: Bescheidenheit und Funktionalität waren Ungers' Markenzeichen, geometrische Rationalität sollte den Baukörper bis auf die Grundstruktur reduzieren.

Architekt Ungers: "Funktion vor Form"
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Architekt Ungers: "Funktion vor Form"

Ungers zählt zu den markantesten Vertretern der deutschen und internationalen Nachkriegsarchitektur. Der Schüler des nicht minder bekannten Architekten Egon Eiermanns wurde vor allem durch Entwürfe berühmt, denen das Quadrat als Ordnungsinstrument dient. Angelehnt ist dieses Konzept an historische Größen der Architektur: an den Renaissance-Baumeister Andrea Palladio beispielsweise oder den preußisch-kargen Klassizisten Karl Friedrich Schinkel.

Zu Ungers' herausragenden Projekten zählten Bauten für die Messe Frankfurt, die Residenz des deutschen Botschafters in Washington und der Erweiterungsbau der Hamburger Kunsthalle in Form eines Kubus. Auch sein Neubau des Kölner Wallraff-Richartz-Museums aus dem Jahr 2001 baut auf der Grundidee des Quadrat-Moduls auf.

Zuletzt habe sich Ungers intensiv mit den Plänen zur Sanierung des Berliner Pergamonmuseums und der Eingangs-Gestaltung der römischen Kaiserthermen von Trier beschäftigt, teilte die Familie mit.

Akademiker, Kunstsammler, Architekt

Als Professor an mehreren US-Hochschulen machte Ungers sich auch einen Namen als Theoretiker. Von 1986 bis 1991 unterrichtete er an der Kunstakademie Düsseldorf. In Deutschland hatte er bereits 1963 den Entwurfs-Lehrstuhl Hans Scharouns an der Technischen Universität Berlin übernommen.

Der 1926 in Kaisersesch in der Eifel geborene Postbeamtensohn wurde 1987 mit dem Großen Preis des deutschen Architektenbundes (BDA) und 2002 mit der Goetheplakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet.

Schon zu Lebzeiten wurden dem Wahl-Kölner mehrere Retrospektiven gewidmet. Im vergangenen Winter, als Ungers seinen 80. Geburtstag feierte, widmete die Nationalgalerie in Berlin ihm eine Ausstellung mit dem Titel "Kosmos der Architektur".

ssu/AP/dpa



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