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Kriegsfotografin Niedringhaus: "Ich habe immer Leute getroffen, die noch lachen konnten"

Anja Niedringhaus (Archivbild 2005): Die Fotografin wurde im Alter von 48 Jahren in Afghanistan erschossen Zur Großansicht
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Anja Niedringhaus (Archivbild 2005): Die Fotografin wurde im Alter von 48 Jahren in Afghanistan erschossen

Im April 2005 gab die jetzt in Afghanistan ums Leben gekommene AP-Fotografin Anja Niedringhaus SPIEGEL ONLINE ein Interview - sie war gerade mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind die erste deutsche Fotografin, die zusammen mit neun AP-Kollegen mit dem amerikanischen Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde - für Ihre Bilder des Irak-Kriegs. Was ist ein gutes Bild vom Krieg?

Niedringhaus: Da gibt es keine Regel. Ich bin zum Beispiel nicht nur an der Frontlinie. Mich interessieren mehr die Menschen im Hinterland, wo der Krieg ebenso tiefe Spuren hinterlässt. Einmal, in Falludscha, war ich auch "embedded", also innerhalb der Truppen. Aber unter Kontrolle zu arbeiten ist auf Dauer nichts für mich.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel ist die Wirklichkeit in Zeiten der digitalen Bildbearbeitung wert, wo überall retuschiert werden kann?

Niedringhaus: Wir haben für Montagen und Inszenierungen gar keine Zeit - und es wäre bei uns auch ein Kündigungsgrund.

SPIEGEL ONLINE: Der Irak-Krieg war jedenfalls nicht Ihr erster Kriseneinsatz.

Niedringhaus: Nein, ich war auch in Afghanistan und schon 1992 in Jugoslawien. Krieg in Europa, das war bis dahin ja nicht vorstellbar. Es war erschreckend und interessant.

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30  Bilder
Beruf Kriegsreporterin: Anja Niedringhaus und ihre Bilder

SPIEGEL ONLINE: Wie gut können Sie während des Jobs Emotionen ausschalten?

Niedringhaus: Das ist schwierig. Im Kosovo etwa habe ich über Monate die Flüchtlinge gesehen, die mit nichts an mir vorbeizogen. In solchen Momenten wollte ich lieber für "Ärzte ohne Grenzen" arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Gab es Situationen, wo Sie die Kamera weggelegt haben?

Niedringhaus: Ja, in Sarajevo. Da habe ich Verletzte ins Krankenhaus gefahren, weil wir über die Vereinten Nationen noch an Sprit gekommen sind. Erst hinterher dachte ich: "Du hast ja gar keine Fotos."

SPIEGEL ONLINE: Gibt es eine Ästhetik des Grauens?

Niedringhaus: Nein, das heißt... Ich weiß nicht. Ja, wohl doch. In Bosnien etwa war es jeden Tag grauenhaft. Aber ich habe immer Leute getroffen, die noch lachen konnten. Einfach, weil sie einen Tag überlebt haben.

SPIEGEL ONLINE: Wurden Sie im Irak als Frau in Ihrem Beruf behindert?

Niedringhaus: Es trat eher das Gegenteil ein. Ich wurde mitunter nicht ernst genommen als Frau in dieser Männerdomäne - das war ein Vorteil. Wenn etwa nach Autobombenattentaten meine männlichen Kollegen von der Bevölkerung angegriffen wurden, ließ man mich machen.

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Bei allem Respekt..
orthos 04.04.2014
Bei allem Respekt, zum Tod eines Menschen irgend ein Interview aus dem Archiv zu kramen ist ein Unding! In meinen Augen ist das Leichenfledderei!
2. @orthos
Thyphon 04.04.2014
Zitat von orthosBei allem Respekt, zum Tod eines Menschen irgend ein Interview aus dem Archiv zu kramen ist ein Unding! In meinen Augen ist das Leichenfledderei!
Warum? Das ist doch normal. Im Fernsehen ist es gang und gäbe, am Todestag prominenter Leute mit Beiträgen an den Verstorbenen zu erinnern. Selbst bei Grabreden werden doch gerne Anekdoten über den Verstorbenen erzählt.
3. @ orthos
sengenator 04.04.2014
Bei allem Respekt für Ihre Meinung... Aber ich finde es grossartig, wenn man diese Frau ehrt, indem man sie zu Wort kommen lässt und uns einen kleinen Einblick in die so wichtige Arbeit von Reportern gewährt, die es uns Sesselpupsern ermöglicht, gemütlich über die Weltlage zu debattieren. Für uns ist es doch selbstverständlich mit Nachrichten, Bildern und Filmbeiträgen aus diesen Regionen versorgt zu werden, dass wir die vergessen, unter welch gefährlichen Umständen diese Nachrichten zu stande kommen. ich habe das Interview gelesen und es stört mich nicht, dass es ein Archivbeitrag ist. Wie schon gesagt, eine mögliche Form, dieser tapferen Frau zu gedenken. Diese ganze Selbstgefälligkeit in den Foren ist wirklich furchtbar. Ich warte schon auf die Beiträge, wo darüber philosophiert wird, dass sie die Gefahr ja gekannt hat und dass es doch unerheblich ist, über diesen Tod zu berichten.
4. Bei allem Respekt
andreas.schneider 04.04.2014
Ich kann hier keinerlei Leichenfledderei entdecken. Absolut legitim von Spiegel online diesen Artikel zu veroeffentlichen.
5. @orthos
KloppoUndPep 04.04.2014
Im Gegenteil! In solchen Momenten, wo die Dumpfen reflexartig rufen, dass diese Adrenalinjunkies ja selbst Schuld sind, finde ich es angebracht, das zum Beispiel durch so ein Interview zu relativieren. Ich kannte Anja, und sie war kein hirnloser Junkie. Und ich bin froh dass Spiegel Online das auch denen zeigt, die jetzt meinen, dass die Welt nur aus Schwarz, Weiß und der Bild-Zeitung besteht. Ruhe in
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