Augenzeugin des Überfalls auf Polen Kriegsreporterin Clare Hollingworth ist tot

Mit 105 Jahren ist die britische Kriegsreporterin Clare Hollingworth gestorben. Sie berichtete 1939 für den "Daily Telegraph" als Erste vom Einmarsch der Deutschen in Polen - ein Jahrhundert-Scoop.

Clare Hollingworth 2009 in Hongkong
AFP

Clare Hollingworth 2009 in Hongkong


Als erste Kriegskorrespondentin berichtete sie vom Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939, ihre Meldung von den Vorbereitungen des deutschen Angriffs auf das Nachbarland gelten als Jahrhundert-Scoop. Nun ist die britische Journalistin Clare Hollingworth mit 105 Jahren in Hongkong gestorben. Das teilten Angehörige mit.

Hollingworth war als 27-Jährige vom "Daily Telegraph" als Reporterin engagiert worden und begann ihre Karriere mit der "Sensationsnachricht des Jahrhunderts", wie es der Auslandskorrespondentenclub (FCCHK) in der chinesischen Sonderverwaltungsregion nannte.

Kaum eine Woche im Job, besuchte Hollingworth 1939 die deutsch-polnische Grenze, um über die Spannungen zwischen Polen und Nazi-Deutschland zu berichten. Dabei beobachtete sie deutsche Truppen, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge auf dem Weg nach Polen.

"1000 Panzer an polnischer Grenze versammelt", überschrieb der "Daily Telegraph" ihren Bericht am 29. August 1939. Zehn Divisionen seien für einen "schnellen Schlag" vorbereitet. "Die deutsche Militärmaschine ist jetzt bereit zum sofortigen Handeln."

Am 1. September musste sie schließlich vom Ausbruch des Krieges berichten. Sie rief in der britischen Botschaft in Warschau an. Dort glaubte man ihr zunächst nicht. Zum Beweis hielt sie den Telefonhörer aus dem Fenster, um den Lärm von Flugzeugen und Panzern zu übertragen.

"Ich hatte keine Angst", erinnerte sich Hollingworth 2014 in einem Interview mit dem "Telegraph". Sie sei ins Grenzgebiet gefahren, um über Flüchtlinge zu berichten. "Während ich dort war, entwickelte sich plötzlich der Krieg."

In den Folgejahren berichtete Hollingworth von zahlreichen Kriegsschauplätzen, etwa in Vietnam, Algerien, im Nahen Osten, Indien und Pakistan sowie über die Kulturrevolution in China.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte ihr Großneffe Patrick Garrett eine Biografie über "die erste Kriegsreporterin". Der Auftrag des "Daily Telegraph" sei in der damaligen Zeit für eine Frau ungewöhnlich gewesen, schrieb er. "Clare Hollingworth war eine extreme Ausnahme - Kriegsberichterstattung sollte ihr Leben werden."

Ihr Job war offenbar so ungewöhnlich, dass Hollingworth 1947 selbst in einem Artikel des SPIEGEL für einen Mann gehalten wurde: Der SPIEGEL nannte sie als Quelle, verwies aber auf den "Bericht des englischen Journalisten Clare Hollingworth".

Seit den Siebzigerjahren berichtete die Journalistin aus Hongkong, wo sie zuletzt unweit des Gebäudes des Korrespondentenclubs lebte. Sie war zweimal verheiratet und hatte eine Stieftochter aus zweiter Ehe.

sun/dpa/AFP



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