Kritik an Schmidt & Pocher "Nazometer" wird weichen

Das "Nazometer", ein Gag in der ARD-Show "Schmidt & Pocher", wird wahrscheinlich aus der Sendung verschwinden. Nicht, weil es von SWR-Chef Peter Boudgoust als geschmacklos kritisiert worden war, sondern weil sich der Witz verbraucht habe, heißt es beim zuständigen WDR.


Köln - Ob das Nazometer noch einmal bei Harald Schmidt und Oliver Pocher zum Einsatz komme, sei vorerst offen, sagte der für die "Schmidt & Pocher"-Show zuständige WDR-Redakteur Klaus Michael Heinz der Nachrichtenagentur ddp. Am kommenden Donnerstag werde vor der Aufzeichnung der nächsten Sendung gemeinsam mit den beiden Comedians eine Entscheidung getroffen. "Wenn wir ihn aus der Sendung nehmen, liegt das aber nicht an der Kritik, sondern daran, dass er sich wirklich erschöpft hat", beeilte sich Heinz zu versichern.

Late-Night-Duo Schmidt & Pocher: "Gängige, unverfängliche Worte"
WDR/ARD/Gürgen

Late-Night-Duo Schmidt & Pocher: "Gängige, unverfängliche Worte"

Nach dem Auftritt der ehemaligen "Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman bei Johannes B. Kerner im ZDF hatten Schmidt und Pocher in ihrer ersten Sendung mit Hilfe des "Nazometers" getestet, welche Begriffe als grenzwertig in Bezug auf die Verwendung von Nazi-Vokabular gelten. Der Witz bestand allerdings darin, dass das "Nazometer" bei vermeintlich verdächtigen Begriffen nicht ausschlug. Pocher zum Beispiel sagte, er habe zu Hause "einen Gasherd", woraufhin das "Nazometer" still blieb, das Publikum aber in frivoles Gelächter ausbrach, was wiederum Schmidt listig kommentierte: "Wieso machen Sie 'Hohoho'?.

Später in der Sendung sprach Schmidt im Zusammenhang mit der RTL-Show "Die Super Nanny" vom "Duschen", woraufhin Pocher anmerkte, wie gut, "dass das 'Nazometer' jetzt nicht hier ist" .

SWR-Intendant Peter Boudgoust hatte den Witz mit dem "Nazometer" nachträglich scharf kritisiert und sprach von einer "unglaublichen Geschmacklosigkeit".

ARD-Programmchef Günter Struve versucht, die seit Freitag aufwallenden Wogen der Erregung zu glätten und sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Satire darf an die Grenze. Das tut sie in diesem Fall." Auch Klaus Michael Heinz betonte, dass selbstverständlich auch für die Top-Entertainer Schmidt und Pocher Grenzen und Tabus existierten. Auf deren Einhaltung achte man strengstens. "In den von einigen monierten Bemerkungen unseres Protagonisten Oliver Pocher ging es jedoch ausschließlich um die Debatte, was angeblich politisch korrektes Sprechen ist und was nicht", sagte er. "Diese in jüngster Zeit leider auch sehr scheinheilig, weil werbewirksam geführte Debatte - vor allem in Zusammenhang mit Veröffentlichungen zur Rolle der Frau in unserer Gesellschaft - wurde in satirischer Form ad absurdum geführt."

Schmidt und Pocher hätten, so Heinz weiter, "gängige und unverfängliche Worte" wie "Autobahn", "Gasherd" oder "Dusche" mit dem "Nazometer" getestet. Diese Worte gehörten so oder in zahllosen Kombinationen zum deutschen Sprachgebrauch und seien keine Begriffe aus dem Nationalsozialismus. Die beiden hätten "keinen Freibrief für unreflektiertes Sprechen", sagte Heinz. "Witze über den Holocaust sind keine. Da sind wir uns mit Harald Schmidt und Oliver Pocher vollkommen einig", betonte er.

Das "Nazometer" soll auch bei der Tagung der ARD-Intendanten vom 26. bis 28. November in Bremen auf der Tagesordnung stehen.

bor/ddp

Korrektur: In einer früheren Fassung dieses Artikels hatten wir die Dialogfolge zwischen Harald Schmidt und Oliver Pocher mit dem "Nazometer" missverständlich dargestellt. Entgegen unserer urspürünglichen Meldung hatte das "Nazometer" bei den Begriffen "Gasherd" und "Duschen" eben nicht ausgeschlagen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.