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Kritik an Talkshow: ARD verteidigt Anne Will

ARD in der Defensive: Die Forderung des CDU-Politikers Friedbert Pflüger, den sonntäglichen Talk von Anne Will wegen handwerklicher Mängel abzusetzen, weist ARD-Programmdirektor Struve als "absurd" zurück. Pflüger droht mit rechtlichen Schritten.

Hamburg - Nach der scharfen Kritik des Berliner Oppositionsführers Friedbert Pflüger (CDU) schießt die ARD zurück: Pflügers Forderung, die sonntägliche Polit-Talkshow "Anne Will" abzusetzen, sei "absurd", sagte ARD-Programmdirektor Günter Struve zu SPIEGEL ONLINE. Eisern verteidigt er seine Fernsehmoderatorin, die schon seit mehreren Wochen in der Kritik steht: "Wir haben noch keine Sekunde an der Kompetenz von Anne Will und der inhaltlichen Ausrichtung ihrer Sendung gezweifelt."

Moderatorin Will: TV-Journalistin unter Beschuss
AP

Moderatorin Will: TV-Journalistin unter Beschuss

Ausgelöst wurde der Streit durch die letzte Sendung "Alles auf Rot - warum nicht mit den Linken?" Darin hatte "Anne Will" die rot-rote Koalition in Berlin für ihre Wirtschaftspolitik gelobt.

Laut Pflüger habe die Moderatorin "mit aller Gewalt propagandistisch eine Linie vertreten". Kritikern des rot-roten Senats sei sie immer wieder ins Wort gefallen, sagte er SPIEGEL ONLINE. Die Behauptung, der Senat habe den Schuldenberg verringert, sei "eine ganz miese Irreführung".

Ein Einspielfilm hatte die 2001 erfolgte Ablösung der CDU-geführten Großen Koalition durch Klaus Wowereits Regierung so beschrieben: "Kurz darauf kommt die rot-rote Koalition, erbt 60 Milliarden Euro Schulden - und führte Berlin auf die Erfolgsspur."

Tatsächlich beliefen sich die Schulden der Hauptstadt aber nur auf rund 38 Milliarden Euro. Anlass für Pflüger, die Sendung in der "Bild"-Zeitung für "bewusste Verzerrung von Sacherverhalten" anzuprangern und ihre Absetzung zu fordern.

In einer Pressemitteilung hält die Redaktion der Talkshow dagegen: "Anne Will" habe nicht behauptet, der Schuldenstand im Jahr 2001 habe rund 60 Milliarden Euro betragen, heißt es. "Mit dem Wort 'erben' beziehen wir uns aber auf die gesamten finanziellen 'Altlasten' (als Folge beispielsweise der Bankenkrise), die die Vorgängerregierung dem neuen rot-roten Senat überließ." Auch NDR-TV-Chefredakteur Andreas Cichowicz hält Anne Will die Treue: Die Sendung am vergangenen Sonntag sei "nicht als Haushaltsseminar konzipiert" worden, "sondern hat eine plakative Aussage zur Gesamtlast gemacht".

Dennoch dürften solche Ungenauigkeiten einer Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nicht passieren, zürnt Pflüger: "Das muss sich kein Bürger und kein Politiker bieten lassen", schimpft der CDU-Mann. Er prüfe derzeit rechtliche Schritte.

pha

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