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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Alles in Ordnung - oder?

Eine Kolumne von

Thorwald hat ein wundervolles Leben. Die Frau strebt keine Karriere an, die Partei ist immer die gleiche, und einmal im Monat spendiert der Chef einen Bordell-Ausflug. Kurzum: Ein ordentliches Leben in einem ordentlichen Land für ordentliche Bewohner.

Ein wundervoller Tag scheint es zu werden. Thorwalds Frau hat schon den Tisch gedeckt. Deutscher Honig, ein guter Filterkaffee, die Kinder sitzen geputzt mit sauberen Händen vor ihrem deutschen Honigbrot.

Das Mädchen wird in der achten Klasse abgehen und einen Hauswirtschaftskurs machen, der sie auf ihre Rolle als Gattin vorbereitet. Die Frau bringt ihr jetzt schon viel bei. Marmelade einkochen aus Früchten des Gartens, Wäsche waschen, Schuhe putzen, das kann sie schon recht gut. Der Junge ist ein Wildfang. Am Wochenende gehen Vater und Sohn zusammen in den Wald. Männergespräche. Der Junge kommt in ein sexuelles Alter und zeigt erschreckend wenig Interesse an Frauen. Thorwald wagt den Gedanken nicht zu Ende zu bringen.

Er küsst seine Familie auf den Scheitel und verlässt das Haus. Die Frau, deren Namen er mithin vergisst, hat ihm die Mappe gereicht und winkt. Im Büro nur Männer. Man kann Witze machen, aber meist sind alle mit Intrigen beschäftigt. Das Magengeschwür schmerzt, sowie er ins Büro kommt. Er mag den Schmerz, der ihm verdeutlicht, dass er Opfer bringt. Für seine Familie. Für seine Frau, die zu Hause sitzt und vermutlich fernsieht. Zwei Staatssender. Unterhaltungssendungen. Volksmusik.

Im letzten Jahr wurde der letzte Kollege mit ausländischen Vorfahren zurück in die Heimat seiner Großeltern verbracht. Seitdem ist die Stimmung gleichwertiger. Reinrassiger. Irgendwie besser. Einmal im Monat geht der Chef mit allen Mitarbeitern in den Puff. Die Nutten sind alle nicht von hier. Hiesige Frauen machen so etwas nicht. Mit einer hiesigen Frau würde er nie so etwas machen wie mit Olga. Es gibt Sonderbewilligungen für die Frauen im Puff. Alle drei Monate müssen sie zurück. Wohin auch immer.

Die Renten sind sicher

Einmal in der Woche geht er Parteiarbeit machen. Es gibt nur eine Partei. Die richtige. Man redet über das Internetverbot, das nun endlich verabschiedet wird. Das Wahlverbot für Frauen, was sofort durch war. Die Lager für Homosexuelle. Da fällt ihm sein Sohn ein, der Magen sticht wieder. In den Lagern sind auch Ärzte, die Abtreibungen vorgenommen oder die Pille verschrieben haben. In den Lagern sind die aus den anderen Parteien. In den Lagern sind die Ausländer, die sich unrechtmäßig, also nicht in Bordellen, im Land aufgehalten haben.

Am Wochenende geht er mitunter mit seiner Familie in ein gutes einheimisches Restaurant. Andere gibt es ja auch nicht mehr. Bis auf die Schmerzen ist sein Leben wundervoll. Es ist klar. Strukturiert. Das Land ist von einer hohen Mauer umgeben. Kunst muss von einer Kulturkommission der Partei geprüft werden. Die Renten sind sicher, die Autobahnen gepflegt, die eine Tageszeitung bietet wenig Überraschungen.

Das ist es, wofür er gekämpft hat. Eine einfache Welt. Ohne Überraschungen. Mit einem einfachen Fernsehprogramm. Mit Männern, die Männer sind und sich so kleiden, Frauen dito. Der Schlaf ist hervorragend. Das Licht gedämpft. Der Atomreaktor brummt. Er schlägt seine Frau nur, wenn sie es verdient hat, die Kinder dito. Eine gute, eine aufgeräumte Welt für einfache, ehrliche Menschen wie ihn, die außer Ordnung nichts Schlechtes wollen. Ein ordentliches Land für ordentliche Bewohner. Das ist doch wohl nicht zu viel verlangt.

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Kolumne - Fragen Sie Frau Sibylle
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insgesamt 141 Beiträge
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1.
ohitika33 13.04.2014
Mit türkischem Honig hätte Alles gestimmt!
2. Guter Beitrag
Tamaji 13.04.2014
Er passt auf die Schweiz, wie sie bald vielleicht sein könnte, oder auf Japan, wie es schon immer war.
3. T(h)or(wald)
rt12 13.04.2014
Wer ist der größere Tor? Der Tor oder der Tor, der ihm folgt?“
4. kruder Artikel
pluuto 13.04.2014
Was für ein belangloses Geschwafel. Was will uns Frau Berg damit sagen? Das Andere für eine so taffe Frau wie sie ach so öde und langweilig sind.
5. Merkwürdig,
jazzer 13.04.2014
sonst sind um diese Zeit schon zig Zuschriften auf Sybille Bergs Kolumne zu lesen. Warum jetzt wohl nicht?
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Sibylle Berg

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