Vorkämpfer für Meinungsfreiheit: Kubanischer Dissident Payá stirbt bei Unfall

Er galt als einer der einflussreichsten Kritiker der kubanischen Regierung: Der Menschenrechtler Oswaldo Payá ist bei einem Autounfall gestorben. Die genauen Ursachen sind bislang nicht geklärt. Die Tochter des Dissidenten vermutet, ihr Vater sei möglicherweise Opfer eines Verbrechens.

Kubanischer Dissident Oswaldo Payá: Mit friedlichen Mitteln gegen die Angst Fotos
REUTERS

Havanna - Er gab Tausenden Kubanern eine Stimme, jetzt ist der Oppositionelle Oswaldo Payá ums Leben gekommen. Er starb bei einem Autounfall, das Unglück ereignete sich am Sonntag offenbar nahe der Stadt Bayamo rund 800 Kilometer östlich der Hauptstadt Havanna. Payá wurde 60 Jahre alt.

Neben dem Menschenrechtler kam noch ein weiterer Dissident ums Leben, Payás Mitstreiter Harold Cepero. Die beiden saßen mit noch zwei weiteren Personen im Wagen - nach Angaben der spanischen Zeitung "El País" handelte es sich dabei um den spanischen Politiker Ángel Carromero, Mitglied der spanischen Regierungspartei Partido Popular (PP), und den Schweden Aron Modig - den beiden gehe es gut, heißt es.

Payá war Vorsitzender der Christlichen Befreiungsbewegung (Movimiento Cristiano Liberación). Seine Mitstreiter bestätigen den Tod von Payá und Cepero auf der Website des Dissidenten. Sie fordern die kubanische Militär-Junta auf, eine transparente Ermittlung des Unfalls einzuleiten.

"Wir denken, dass dies kein Unfall war"

Nach Angaben von Rosa María Payá, der Tochter des Regimekritikers, könnten ihr Vater und Cepero möglicherweise Opfer eines Verbrechens geworden sein. "Ein Auto hat versucht, sie von der Straße zu drängen", sagte sie laut einem Bericht der spanischsprachigen Tageszeitung "El Nuevo Herald" mit Sitz in Miami. Diese Informationen hätten ihr die beiden anderen Insassen im Auto gegeben. "Deshalb denken wir, dass dies kein Unfall war, sondern dass man ihnen weh tun wollte und sie schließlich tötete", vermutet Rosa María Payá.

Der Aktivist Elizardo Sánchez gab dem Bericht zufolge an, dass an der Straße, auf der Payá und Cepero unterwegs waren, derzeit Bauarbeiten stattfänden und dass diese in sehr schlechtem Zustand sei. Zeugen des Unfalls hätten offenbar beobachtet, dass der Unfallwagen mit seinem Heck gegen einen Baum prallte und danach in einem Graben landete. Über die mögliche Ursache des Unfalls wollte Sánchez hingegen nicht spekulieren, solange er nicht mit den beiden Überlebenden gesprochen habe.

Oswaldo Payá wurde im Jahr 1952 in Havanna geboren. Seit Jahrzehnten gilt er als einer der einflussreichsten Kritiker der kommunistischen Regierung unter Fidel und Raul Castro. "Die treibende Kraft der Gesellschaft sollte die Souveränität des Volkes sein und nicht die Kommunistische Partei", schrieb er kurz nach der Ernennung Raúl Castros als Staats- und Regierungschef im Jahr 2008.

International bekannt wurde Payá Ende der neunziger Jahre als Initiator des sogenannten Varela-Projekts. Mit der Aktion forderte er das kubanische Parlament mittels einer Volksabstimmung dazu auf, den Weg für demokratische Reformen freizumachen und die Bürgerrechte zu stärken, insbesondere die Pressefreiheit. Die Organisatoren sammelten trotz Todesdrohungen 30.000 Unterschriften für das Verfassungsreferendum, doch die kubanische Regierung wies die Petition zurück.

Payá wurde für sein Engagement im Jahr 2002 vom Europaparlament mit dem Sacharow-Preis für Meinungsfreiheit ausgezeichnet. 2003 sagte er dem SPIEGEL: "Mit friedlichen Mitteln haben wir die Angst besiegt. Darauf hat das Regime mit Aggression und Panik reagiert." Doch die Repression halte ihn und seine Mitstreiter nicht auf, er werde immer für eine friedliche Lösung eintreten, "selbst wenn Castro uns mit Terror überzieht".

bos/dapd

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