Kultserie "Tatort" 700 mörderische Abende

8. Teil: Fred Breinersdorfer


1. Sonntagabend, 20.15 Uhr: Beschreiben Sie Ihr "Tatort"-Ritual.

Tagesschau, Wetter, Rekorder anwerfen und was lesen. 10 bis 20 Tage später: aufstehen um acht, Zähneputzen, Kaffee und ein Glas Wasser und dann den Rekorder anwerfen.

2. Hier haben Sie fünf Zeilen Platz für einen Dialog, den Sie von Ihrem Ermittlerteam gerne einmal hören würden.

Dialoge, die ich gern hören würde, schreibe ich in Drehbücher – und kämpfe ziemlich hart darum, dass sie gedreht werden. Das ist – bei allem Respekt – nichts für Fragebögen.

3. Wo klauen Sie gerne Ihre Ideen?

In meinem Unterbewusstsein.

4. Wie überbringt ein Kommissar der Ehefrau/dem Ehemann am elegantesten die Todesnachricht?

Ich stoße mich an dem Wort "elegant", ich denke aber in Begleitung eines geschulten Psychologen mit einem klaren Satz ohne Larifari wie etwa: "Ich muss Ihnen etwas sehr Trauriges sagen: Ihre Frau ist tot."

5. Welches US-Format könnte dem "Tatort" am Sonntag Konkurrenz machen?

Keines.

6. Welche Person aus Ihrer persönlichen Vergangenheit würden Sie in einem "Tatort" gerne als Leiche einsetzen?

Einen Deutschlehrer. – PS: Weil ich töten real existierender Menschen hasse, als Anmerkung: Er ist tot.

7. Sind Sie persönlich eher der Typ "Mörder" oder der Typ "Ermittler" - warum?

Mörder. Entscheidend für den Krimi-Plot ist die Tat, nicht die Aufklärung. Wenn der Autor weiß wie und warum ein Mord geschehen ist, dann ist das 60 Prozent der Miete.

8. Wenn Sie in einer "Tatort"-Episode auftreten würden, was wäre Ihre Rolle?

Als Anwalt, der den Ermittlern so richtig zeigt, was in einem Rechtsstaat geht und was ungesetzlich ist.

9. An welchem bis jetzt unbesetzten Ort müsste es Ihrer Meinung nach ein Ermittlerteam geben, und in welchem Milieu würde es arbeiten?

Ort: Vaduz/Liechtenstein, Milieu: Großadel, Kleinadel, Geldadel, Bankadel, Anwaltsadel sowie Geheimdienste, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus. – Und als Zusatzantwort für die Fleißpunkte, die die SPIEGEL-ONLINE-Redaktion versprochen hat: Der Chefermittler könnte ein passionierter Kaffeehaushocker sein, der ein wenig senil wirkt (es aber nicht ist) und als Theodor Emmerich Walter Maria Graf zu Liechtenstein der 57. in der aktuellen Thronfolge ist, für den man in FL keinen anderen Job gefunden hat und der seine Fälle vom Kaffeehaus aus löst. Seine Assistentin, die er immer rumschickt, könnte eine Exil-Wienerin (Mag. Elvira Quehenberger) vom Sicherheitsbureau im achten Bezirk sein, die früher davon geträumt hat, mit Kottan persönlich ermitteln zu dürfen

10. Warum setzt sich der "Tatort" mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander?

Weil es nicht anders geht, wenn man sich mit Verbrechen im Film einigermaßen realistisch auseinandersetzt (siehe Frage Numero neun).

11. Vervollständigen Sie den folgenden Satz. "Der "Tatort" funktioniert auch nach 700 Folgen noch so gut, weil …

… er auch am Ende eines shitty Weekends den Zuschauern das Gefühl gibt, die Welt sei in Deutschland trotz allem noch in Ordnung."



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