Kunst-Highlights, Teil 4: Rausch und Ekstase in der Kälte

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Jahresvorschau, Teil 4: Rausch und Ekstase Fotos
Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Foto; Klut

Normalerweise geht am Jahresende den meisten Institutionen die Puste und das Geld aus - aber 2013 geben die Museen und Kunstvereine auch von Oktober bis Dezember richtig Gas.

Highlights in Frankfurt - der Oktober

Nicht nur beim Flughafen in Berlin, auch in der Kunst gibt es Verschiebungen. So haben die Kunst-Werke Berlin ihre für Februar 2013 angekündigte Ausstellung "Christoph Schlingensief. 4 Wochen, 24 Stunden" in den Oktober verschoben. Gründe werden nicht genannt - aber dass die Schau des Idealisten und Filmemachers, Regisseurs und Künstlers mit rund 50 Werken und Dokumentationsmaterial stattfinden wird, sei sicher - der Termin ist es aber noch nicht (Oktober bis Jahresende).

Die Berliner Alte Nationalgalerie ist verlässlich und terminiert "Anton Graff. Gesichter einer Epoche" auf den 24. Oktober 2013 bis 23. Februar 2014. Die Porträts von Dichtern und Denkern der Romantik wie Lessing, Moses Mendelsohn, Wieland, Herder, Schiller und Kleist haben den Maler Graff bekanntgemacht. Jetzt werden zu seinem 200. Geburtstag rund hundert Gemälde ausgestellt, so dass man den Porträtierten wieder einmal "bis in das Innere der Seele" schauen kann - so jedenfalls hat der Philosoph Johann Georg Sulzer die Kunst Graffs beschrieben.

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt "Brasiliana, Installationen von 1960 bis heute" (2.10. bis 5.1.2014). Aufgebaut werden Installationen mit raumfüllender Kunst, die den Betrachter involvieren, ihn beschäftigen und körperlich und visuell herausfordern sollen. Seit den späten fünfziger Jahren orientierte sich die brasilianische Künstlerszene an den westlichen Kunsttheorien und Tendenzen, fand aber schnell selbst zu einer eigenständigen brasilianischen Kunst.

Vom 18.10.2013 bis 26.1.2014 hat die Schirn noch ein Highlight zu bieten: "Géricault, Bilder auf Leben und Tod" ist in Deutschland die erste Einzelausstellung des Franzosen, der das physische Leiden des modernen Menschen zu seinem Thema macht. Dazu werden Gemälde von Zeitgenossen wie Francisco de Goya, Johann Heinrich Füssli oder Adolph Menzel gezeigt.

Im Rausch und in Ekstase, mit entfesseltem Gefolge, nackt mit seiner Braut Ariadne, immer umgeben von Weingläsern und -fässern, von Trauben und Blumen, so wurde der antike Gott Dionysos gemalt, schließlich war er zuständig für den Wein, die Freude und die Fruchtbarkeit. Dass Grenzüberschreitungen, Unvernunft und Lebensfreude immer faszinieren, zeigt das Bucerius Kunstforum in Hamburg mit "Dionysos. Rausch und Ekstase" (3.10.2013 bis 12.1.2014).

Auch der französischen Fotograf Guy Bourdin liebte Grenzüberschreitungen. Und er war ein Mann, der Frauen liebte. Die Hamburger Deichtorhallen widmen ihm eine Werkschau (25.10.2013 bis 19.2.2014) mit Modestrecken und Kampagnen, in denen Bourdin mit allen Konventionen der Mode- und Werbefotografie brach.

Vernünftig, kritisch und auch ironisch ist hingegen die US-amerikanische Konzeptkünstlerin Louise Lawler. Sie zeigt die Regeln und Systeme im Kunstsystem, wenn sie vorgefundene Kunstwerke in ihren Ausstellungssituationen in Museen, in Privatsammlungen oder im Depot fotografiert und damit zeigt, wie sehr die Bedeutung von Kunst durch Rahmenbedingungen geprägt ist und dass es eine wertfreie Präsentation von Kunst nicht gibt (Museum Ludwig Köln, 12.10.2013 bis 27.1.2014).

Im Oktober ist Messezeit: In London gibt es im Regent's-Park-Zelt die renommierte Frieze Art Fair (17. bis 20.10.) und im imposanten Pariser Grand Palais die Fiac (24. bis 27.10.) zu sehen, die seit zwei Jahren schwer angesagt ist.

In Paris solle man auf jeden Fall das Palais du Tokyo besuchen, nicht nur wegen der Ausstellung von Philippe Parreno (13.10. bis 14.1.2014), sondern auch, weil die Kunst in dem rohbauartigen Gebäude ganz anders präsentiert wird.

Schön, wenn Museen auch mal ihre eigenen Sammlungen in Sonderausstellungen vorführen. So wird vom 19.10.2013 bis zum 2.3.2014 "Willi Baumeister International" im Kunstmuseum Stuttgart gezeigt, das die weltweit umfangreichste Sammlung seiner Werke besitzt.

Und in Wolfsburg heißt es im Kunstmuseum "Matrix - Das Textile in Kunst und Kunsthandwerk von Gustav Klimt bis Chiharu Shiota" (12.10.2013 bis 2.3.2014). Interessant, was die japanische Wahlberlinerin Shiota beiträgt, die sich zum Beispiel mit schwarzen Wollfäden wie in einen Kokon eingesponnen hatte und gefangen in diesen Gespinsten in ihren Ausstellungen geschlafen hat.

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1. Bacchus und Ariadne
Emil Peisker 22.01.2013
Bacchus und Ariadne mal nicht von Tizian, sondern von Caesar Boëtius van Everding (1617-1678): Bacchus und Ariadne, um 1660, jetzt in Dresden. Man erkennt die Signatur des Malers links unten: c.E. Passt gut zu "Rausch und Ekstase". Eine sehenswerte Ausstellung. Werde ich mir ansehen, auch wenn ich da noch bis Otober warten muss.
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